HirnTumor-Forum

Autor Thema: Hirnmetastasen mit 80 Jahren, wie soll sich die Familie verhalten ?  (Gelesen 9995 mal)

erwin60

  • Gast
Hallo !

Mein Vater wurde im Jänner 80 Jahre alt und kannte bis vor 2 Jahren keinen Arzt. Es wurde im Jänner 2006 an beiden Nieren Krebs festgestellt. Eine Niere wurde vollkommen und die zweite Niere zur Hälfte entfernt. Er hat dann Chemotherapien mit Medikamenten von zu hause aus gehabt.
Er hat immer schwer gearbeitet und ist bis jetzt körperlich in einigermaßen gutem und geistig ich möchte sagen in sehr gutem Zustand.
Vor ca. 2 Monaten ist er gestützt und auf die rechte Hand gefallen. Von diesem Zeitpunkt konnte er die Finger der rechten Hand nicht mehr voll gebrauchen. Als es mit dem Greifen der Finger plötzlich gravierend schlechter wurde, wollte er am nächsten Tag seinen Arzt im AKH Wien aufsuchen. In der Nacht hat plötzlich die Hand unkontrolliert zu schlagen begonnen. Er wurde dann in das nächste Krankenhaus gebracht wo eine Gehirnblutung festgestellt worden sei.
Durch Drängen meiner Familie wurde er dann in das AKH Wien gebracht. Dort wurden mehrere Metastasen  im Gehirn festgestellt. Mein Vater bekommt jetzt Bestrahlungen. Er wurde von den Ärzten aufgeklärt, daß diese Erkrankung nicht zu heilen ist, von einer Operation wurde ihm aufgrund seines schlechten Herzens abgeraten.

Es wurde ihm ab heute Fortecortin 4 mg und Nexium 40 mg zur Einnahme verordnet.
Obwohl er wie er selbst sagt, sein Leben schon gelebt hat waren meine ersten Gedanken, wie lange wird er dies durchhalten?
« Letzte Änderung: 17. März 2009, 22:25:44 von erwin60 »

Steffilein

  • Gast
Re: Hirnmetastasen mit 80 Jahren, wie soll sich die Familie verhalten ?
« Antwort #1 am: 18. März 2009, 06:13:58 »
Hallo Erwin,

Du sagst Dein Vater wird oder ist 80. Wenn er das ernst meint das er
selbst sagt das er sein Leben gelebt hat dan lasst Ihn gehn...
Sprecht das in Ruhe nochmal durch...
Es ist nicht einfach und ich wünsche Euch ne menge Kraft....
Alles liebe und gute
Steffi

fips2

  • Gast
Re: Hirnmetastasen mit 80 Jahren, wie soll sich die Familie verhalten ?
« Antwort #2 am: 18. März 2009, 09:16:58 »
Hallo Erwin60
Ich kann mich hier auch nur Steffilein anschließen.
Respektiert seinen Entscheidung.

Was ich aber sehr wichtig finde ist, dass ihr mit eurem Vater, solange sein geistiger Zustand noch so gut ist, eine Patientenverfügung und Patientenvollmacht anfertigt.

So kann er noch im Vorfeld genau festlegen was er will, wie mit ihm zu verfahren ist und wer Entscheidungen in seinem Sinne führen und fällen soll.
Hier kann er auch festlegen ob er z.B. außer mit Schmerzmitteln, die seine Leiden erleichtern, behandelt sein will und alle weiteren lebensverlängernden Maßnahmen ablehnt.

Besprecht das am Besten zusätzlich noch im Kreise der Familie.

Das Problem dabei ist, wenn er in einer Klinik liegt und keine solche Verfügung vorliegt, sind die Ärzte verpflichtet alle lebensverlängernden Maßnahmen durchzuführen, wenn der Patient nicht mehr ansprechbar ist.Das gebietet ihr hippokratischer Eid. Nur mit einer Verfügung kann man solche Maßnahmen im Namen des Patienten ablehnen, da ein Arzt keinen Patienten zu einer Behandlung zwingen kann. Das ist begründet in dem Recht auf körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung.

Hier ist ein Link in dem ihr alles Nötige findet.
http://www.hirntumor.de/forum/index.php/topic,483.0.html

Diese Seiten sind auf deutsches Recht bezogen. Ob es jetzt in Österreich genau so zutrifft weis ich nicht. Hier kann man aber bei Gerichten, Ärztekammern Krankenkassen oder Hospizeinrrichtungen.
Manche, meist in vordruckform, Verfügungen müssen von einem Notar bestätigt werden (gebührenpflichtig). Sind sie komplett handschriftlich ausgeführt, sind sie ohne Notar gültig.
Man kann sich quasi einen Vordruck nehmen und ihn abschreiben.

Wichtig: Genaue angaben über den Patienten machen wie, voller Name, letzte Anschrift Geburtsdatum, Geburtsort. Also alle Angaben, damit der Patient unverwechselbar beschrieben ist.

Viel Kraft für die kommende Zeit

Gruß Fips2

erwin60

  • Gast
Hirnmetastasen mit 80 Jahren, wie soll sich die Familie verhalten ?
« Antwort #3 am: 18. März 2009, 13:53:52 »
Hallo Steffilein und Fips2 !

Danke für die Antworten. Es ist so, daß mein Vater dies nüchtern sieht, jedoch sicher auch weiß, daß er sich derzeit noch in einem körperlich einigermaßen guten Zustand befindet. Er kann all dies selbst machen, wo er seine rechte Hand nicht benötigt. Er ißt nun nur mit der linken Hand, die Finger kann er nun nach mehreren Strahlenbehandlungen ganz leicht bewegen.
Er hat sich sicher noch nicht aufgegeben. Er hat in seinem Leben meistens alles mit Schnaps behandelt und ist scheinbar meist gut damit gefahren. Er legt sich nun schnapsgetränkte Tücher auf den Kopf auf und sitzt so einige Stunden am Tag unter der Trockenhaube. Er hat  seinem Arzt gesagt, daß er Schnaps auflegen will. Dieser habe nach Aussagen meines Vaters gemeint, daß der Schnaps nicht durch den Schädelknochen dringt und dies nichts bringe, aber es würde auch nicht schaden. Darum macht er dies nun täglich. Von der Trockenhaube (unter der er nun den Schnaps auf seinem Kopf erwärmt) dürfte Vater dem Arzt aber nichts erzählt haben. Ich denke, daß die stundenlange Hitze auf dem Kopf gefährlich sein könnte. Über "Sterben" haben wir in der Familie noch nicht gesprochen. Meine Mutter ist sehr verzweifelt, aber man kann mir ihr über dies nicht sprechen.

Fips 2 - wegen der Patientenvollmacht bzw. Verfügung, das getraue ich mir derzeit nicht anzusprechen, ich weiß daß es nicht unwesentlich ist, aber ich kann  es derzeit nicht ansprechen, meine Schwester hat ein sehr gutes Verhältnis zum Vater, ich werde mit ihr reden.

fips2

  • Gast
Re: Hirnmetastasen mit 80 Jahren, wie soll sich die Familie verhalten ?
« Antwort #4 am: 18. März 2009, 17:04:54 »
Ich würds so machen.

Ziehe dir nötigen Infos ein die ihr brauchen werdet.Druck die entsprechnden Seiten aus die du brauchst und hab sie einfach in der Hinterhand.Wenns plötzlich so weit ist,dass man den Kram braucht, ist oftmals die Zeit zu kurz um noch Erkundigungen einzuholen.
Wenn alles vorbereitet ist braucht er nur noch sein Einverständnis zu bekunden unter unabhängigen Zeugen mündlich,besser natürlich mittels eigener Unterschrift und ihr seid dann auf der sicheren Seite.

Ich selbst habe vor ein paar Wochen auch in der Klinik gelegen und hab vor der bevorstehenden OP noch schnell eine Verfügung,für den Notfall  fertig gemacht.Die Vordrucke lagen schon monatelang zu Zause rum und ich hatt es die ganz Zeit immer wieder vor mir hergeschoben.Das war ein Vordruck der Ärztekammer,auf dem man entsprechnden Passagen ankreuzen oder streichen konnte.Ich hab die Leerfelder entsprechend ausgefüllt und Zeuge war, neben den Personen welche die Vollmacht ausführen sollten, noch ein Arzt zugegen,der mit unterschrieben hat als Zeuge.Das reichte dann für die Schnelle.
Ich habs nicht gebraucht,aber es war einfach eine Beruhigung.

Siehs nur einfach so als Anregung.In der Familie brauchs du es ja nicht groß ansprechen bis die Zeit reif ist.

Gruß Fips2

Steffilein

  • Gast
Re: Hirnmetastasen mit 80 Jahren, wie soll sich die Familie verhalten ?
« Antwort #5 am: 19. März 2009, 07:20:46 »
Hallo erwin60,


unabhängig von der Krankheit Deines Vaters solltet Ihr bzw. alle Menschen überhaupt in

diesem Alter eine Generallvollmacht haben. Wenn etwas passiert ist es nämlich gar nicht

so einfach Entscheidungen zu treffen. Das kann unter Umständen bis zum Vormundschaftsgericht

gehn. Bin selbst erst 39 und ich war Montag beim Notar mein Testament/Generallvollmacht zu

machen. Und ich hab nicht vor so schnell zu verschwinden....

Es ist nicht einfach an alles zu denken.

Euch alles liebe, viel Kraft

Steffi

 



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