HirnTumor-Forum

Autor Thema: Präoperative Embolisation  (Gelesen 9013 mal)

Ulrich

  • Gast
Präoperative Embolisation
« am: 15. April 2003, 22:06:00 »
Von Henri kam heute folgende Anfrage:

>Wir waren vor einiger Zeit bei einem jungen Neurochirurgen, der uns erzählt hat, man könne die Risiken einer Meningeom-Op. verringern, in dem man eine sogenannte preoperative "Embolisation" durchführt, d.h. die Blutgefäße, die den Tumor ernähren, werden durch Mikro-Kunststoffperlen verstopft. Dazu wird von der Leiste ein Katheter bis in den Tumor geführt, alles unter Bildschirmkontrolle, so daß der Tumor je nach Gegebenheiten weitgehend blutleer wird. Nebeneffekt: Tumor wächst nicht mehr oder weniger.

Im Forum finde ich dazu keinen Hinweis Hast Du vielleicht darüber schon etwas gelesen (Probleme, Gefahren, etc)?<

Ulrich

  • Gast
Re:Präoperative Embolisation
« Antwort #1 am: 15. April 2003, 22:06:28 »
Doch, Henri, das ist eine bekannte Sache. Hier im Forum gibt es dazu zwei englische Texte und einen auf Deutsch, siehe:

http://www.hirntumor.de/forum/index.php?board=39;action=display;threadid=486

http://www.hirntumor.de/forum/index.php?board=39;action=display;threadid=159

http://www.hirntumor.de/forum/index.php?board=39;action=display;threadid=312

Wenn Du diese Seiten z.B. mit dem Internet Explorer aufrufst, dann kannst Du innerhalb der Texte suchen, in die Suchmaske gibst Du "embolization" ein. Dann kommst Du leicht auf den Abschnitt. Oder auch nur nur "emboli" (wenn Du nicht weißt, ob es emboliZation oder emboliSation heißt, aber ohne die Anführungszeichen).

Wenn Du kein Englisch kannst, dann kann ich eventuell die Passagen übersetzen.

Gruß

U.

« Letzte Änderung: 31. Oktober 2008, 11:47:23 von Ulrich »

henri

  • Gast
Re:Präoperative Embolisation
« Antwort #2 am: 17. April 2003, 17:50:56 »
Hallo Ulrich

Vielen Dank für die Übermittlung der Fachartikel über Embolisation, besonders der mit der Endziffer 159 bei der Internet-Adresse war sehr informativ. Dank auch für das Angebot, den englischen Text zu übersetzen, mein Englisch ist zwar nicht so gut wie mein Französisch, aber es langt.

Es werde versuchen, bei meinen nächsten Arztbesuchen, das Für und Wider dieses Verfahren etwas weiter zu klären und ob es wirklich sinnvoll ist, so etwas bei meiner Frau zu machen.

Gruß

henri

Ulrich

  • Gast
Re:Präoperative Embolisation
« Antwort #3 am: 17. April 2003, 18:43:13 »
Mir kam neulich mal wieder eine Zahl ins Gedächtnis: Daß nämlich bei 5% aller Katheter-Angiographien Schlaganfall-ähnliche Symptome auftreten können (von leichten, reversiblen transitorischen ischämischen Attacken bis hin zu schweren Schlaganfällen), salopp gesagt durch den "Abrieb" in den Arterien.

Also auch hier lieber vorsichtig sein, genau nachfragen und dann das Für gegen das Wider abwägen. (Bei der Embolisation muß ja ein Katheter eingeführt werden).

Ich habe eine solche Angiographie schon hinter mir: der Chef-Radiologe verwechselte die Leisten-Arterie mit der Vene (!), als er sein ellenlanges Katheter endlich richtig drin hatte, dann ging der Plattenwechsel-Apparat am Röntgen-Gerät kaputt (!) und dann brach mein Kreislauf zusammen...  Es war nicht angenehm.

----------------
Erläuterungen:
Angiographie : Darstellung des Verlaufs von Gefäßen durch Röntgen-Aufnahmen nach Injektion eines Kontrastmittels.
Katheter-Angiographie : Das Kontrastmittel für die Angiographie wird mit Hilfe eines Katheters eingeführt. Z.B. wird bei der Untersuchung von Hirnarterien der Katheter von der Leistenbeuge eingeführt.
Schlaganfall : = apoplektischer Insult, Hirnschlag: im weitesten Sinne eine Bewußtseinsstörung, die durch eine Durchblutungstörung im Gehirn ausgelöst wird. Letztere wiederum kann unterschiedliche Ursachen haben.
transitorisch : vorübergehend auftretend.
Ischämie : Blutleere, Mangeldurchblutung (hervorgerufen durch Thrombose, Embolie, durch den Druck von Tumoren...)
transitorische-ischämische Attacke : = TIA, wenige Minuten bis einige Stunden anhaltende neurologische Störung, meist verursacht von Stenosen. Gehen häufig einem Schlaganfall voraus.
Stenose : Einengung (hier natürlich gemeint als Einengung eines Blutgefäßes)
« Letzte Änderung: 11. Mai 2003, 16:11:46 von Ulrich »

Ulrich

  • Gast
Re:Präoperative Embolisation
« Antwort #4 am: 09. Mai 2003, 17:41:20 »
Hier ein MRT-Bild von einem Meningeom mit Hyperperfusion

Es wird in der dazu gehörigen Erläuterung sehr gut beschrieben, warum die Embolisation vor der Operation durchgeführt wird. Die Methode der Hyperperfusionsuntersuchung wird dann hier erklärt.

--------------
Erläuterungen:
Hyper: Vorsilbe: über, stark
Perfusion:  Durchströmung, Durchfluß, gemeint ist hier: Durchblutung
Hyperperfusion:  Vermehrte, verstärkte Durchblutung.
Embolisation:  Künstlicher Verschluß eines Gefäßes.  Durch ein Katheter werden Klebstoffe (salopp gesagt: Sekundenkleber) oder Kunststoffkügelchen an die zu verschließende Stelle gebracht.
Katheter: Sonde, dünner "Schlauch", röhrenförmiges flexibles Instrument zum Einführen in Hohlorgane.
« Letzte Änderung: 17. Februar 2004, 18:29:42 von Ulrich »

Ulrich

  • Gast
Re:Präoperative Embolisation
« Antwort #5 am: 11. Mai 2003, 19:47:38 »
Hier drei Literaturstellen zum Thema Embolisation, Arbeiten aus der Universität Würzburg. Falls sich jemand dafür interessiert, dann kann ich sie gerne weiter recherchieren und eventuell die Zusammenfassung hier einstellen. Interessant ist der zweite Artikel in der Hinsicht, daß hier nur die Embolisation durchgeführt, das M. aber nicht operiert wurde. Man hat ihm (dem M.) nur "den Saft abgedreht". Was passiert dann mit ihm? Wenn man vorher schon neurologische Störungen hatte, dann dürfte man die behalten...

-------

Bendszus M, Klein R, Burger R, Warmuth-Metz M, Hofmann E, Solymosi L: : Efficacy of trisacryl gelatin microspheres versus polyvinyl alcohol particles in the preoperative embolization of meningiomas, in: AJNR Am J Neuroradiol 21: 255-261, 2000

Bendszus M, Martin-Schrader I, Warmuth-Metz M, Hofmann E, Solymosi L: : MR imaging- and MR spectroscopy-revealed changes in meningiomas for which embolization was performed without subsequent surgery., in: AJNR Am J Neuroradiol 21: 666-669, 2000, 2000

Bendszus M, Warmuth-Metz M, Klein R, Bartsch AJ, Krone A; Tonn JC, Solymosi L: : Sequential MRI and MR spectroscopy in embolized meningiomas: correlation with surgical and histopathological findings., in: Neuroradiology 44: 77-82, 2002, 2002

-----
Und noch ein Link zu einer amerikanischen Seite zum gleichen Thema.




« Letzte Änderung: 17. Februar 2004, 18:30:50 von Ulrich »

Ulrich

  • Gast

Offline Bri

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Re:Präoperative Embolisation
« Antwort #7 am: 01. November 2007, 00:21:44 »
Hallo Ulrich,
zum Thema " Emobilisation und dem Meningiom den Saft abdrehen ".
Die Frage, was das ohne OP für bestehende neurologische Störungen bedeutet, finde ich sehr spannend und will versuchen, das zu recherchieren.
Kann mir aber auch so durchaus vorstellen, dass ein " unversorgter " Tumor zumindest nicht mehr wachsen kann oder das Gewebe absterben kann und dann resorbiert wird? Wie gesagt, da muß es doch Erfahrungen geben.....
Alles Liebe
Bri

Offline Bluebird

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Re:Präoperative Embolisation
« Antwort #8 am: 01. November 2007, 10:17:55 »
Hallo zusammen,

ich finde die Fragen, die Bri aufwirft, sehr interessant (auch wenn ich auf so eine Embolisation gern verzichte, weil ich von meiner Schwester weiß, wie Angiographie ist). Ein weiterer Aspekt wäre, ob abgestorbenes Tumorgewebe überhaupt auf natürlichem Wege abgestoßen werden kann, und ob so ein unversorgter Tumor möglicherweise andere "Stellen anzapft" bzw. ob Gewebe an anderer Stelle schneller ausartet?

LG
Bluebird
« Letzte Änderung: 01. November 2007, 10:18:38 von Bluebird »
The best time to plant a tree was 20 years ago.
The second best time is NOW.
(Chinesisches Sprichwort)

Ulrich

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Re:Präoperative Embolisation
« Antwort #9 am: 01. November 2007, 10:48:37 »
Ich hab' diese Beiträge nur unter dem Aspekt "Präoperative Embolisation" eingestellt, wie der Titel heißt. Also VOR der Op einem stark durchbluteten Tumor "den Saft" abdrehen.

Wenn der Tumor aber mehrere "Zuflüsse" hat?

Als alleinige therapeutische Option erscheint mir dieses Vorgehen nur in speziellen Fällen anwendbar zu sein, wenn alle anderen Mittel versagen.

Ulrich

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Offline Jo

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Offline mmolina

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Re: Präoperative Embolisation
« Antwort #12 am: 16. September 2009, 13:10:49 »
Hallo Jo,

bin jetzt zufällig auf dieses Thema gestossen.
Also ich habe eine präoperative Embolisation hinter mir (23.09.08) und am 26.09.08 OP, und ich muss sagen, dass mir erst jetzt klar wird wie kompliziert sowas ist. Bei mir dauerte die Embolisation 6 Std. und die OP dann 12 Std. Ich hab noch einen Resttumor, ursprünglich war dieser 6 x 6 cm gross.
Der erste Eintrag hier zu diesem Thema aus dem Jahr 2003 sagt: "Nebeneffekt: Tumor wächst nicht mehr oder sehr langsam".
Das höre ich zum ersten Mal. Kann mir jemand genaueres hierzu berichten.
Übrigens bin ich in Spanien, Barcelona embolisiert und operiert worden, wo ich auch lebe.

Grüsse
mmolina
Wer Schmetterlinge lachen hört der weiss wie Wolken schmecken

 



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