HirnTumor-Forum

Autor Thema: Tod in 11 Jahren?  (Gelesen 12178 mal)

Azalea

  • Gast
Tod in 11 Jahren?
« am: 21. November 2007, 07:33:49 »
Hallo zusammen,

ich schreibe euch allen hier, weil ich mir Trost und Hilfe erhoffe. Bei meinem Freund (21 Jahre alt) wurde vor einigen Wochen bei einer Routinekontrolle (er klagte über Kopfschmerzen und der Arzt hatte ihn nach einem Bluttest zur CT geschickt) ein Ponsgliom festgestellt. Dieses verursacht keine Beschwerden (die Kopfschmerzen kommen von einer verschleppten Erkältung, sagen die Ärzte). Der Tumor sitzt im Stammhirn und ist daher inoperabel, da die Gefahr zu groß sei, daß er bei einer OP schwere Schäden davontragen könnte. Der Tumor entstand wohl schon im Kindesalter. Eine Strahlentherapie ist nach Meinung der Ärzte aus denselben Gründen nicht durchführbar. Im Internet las ich, daß Chemotherapie bei gutartigen Tumoren nicht anschlägt. Die Ärzte in Kirchen (im Westerwald) haben wohl schon aufgegeben, ihn zu behandeln und lassen ihn nur jede Woche zur CT Routineuntersuchung antanzen, seit 3 Wochen bekommt er jedes Mal Beruhigungsmittel, weil er innerlich zu aufgewühlt ist.

Laut Aussage der Ärzte ist der Tumor wohl noch gutartig, es besteht aber eine Chance von 70%, daß er innerhalb von 11 Jahren bösartig wird. Was das heißt, brauche ich hier wohl keinem zu erzählen.

Das war natürlich ein schwerer Schock für uns beide, zumal mein Freund versucht hatte, dies so lange wie möglich vor mir geheim zu halten (ich merkte, etwas war nicht in Ordnung und bohrte nach, er blieb hart und sagte, es wäre nichts, wir haben uns heftig gestritten und dann rückte er zuerst damit raus, daß er "da was im Kopf habe" und dann nach erneutem Streit einige Wochen später, daß "er nur noch 11 Jahre zu leben hätte"). Mit einem Schlag war ich längere Zeit nicht zu gebrauchen. Ich versuchte, ihm Mut zu machen (ich bin die Optimistin in der Beziehung) und daß 70% nicht 100% sind und daß es trotz allem so viele Möglichkeiten der Heilung gebe. Erst nach und nach erkannte ich, wie problematisch das war und daß es sich eben nicht einfach entfernen ließe. Wir mussten uns der Wahrheit stellen, daß aller Warscheinlichkeit nach ein langer Leidensweg bevorstand und daß der Tod von nun an Bestandteil des lebens war, daß wir nicht ignorieren können. Nachdem meine Mutter knapp 1 1/2 Jahre zuvor auch an Krebs gestorben war und wir damals nur einen Tag zum Verabschieden hatten (montags morgens kam sie ins Krankenhaus, Intensivstation, Montags nachmittags besuchte ich sie, da war sie noch wach, Montags abends war sie bereits im künstlichen Koma und genau einen Monat später versagte ihr Herz (Lungenkrebs)), wollte ich die Probleme nicht nochmal erleben, obwohl ich weiß, daß Sterben zum Leben gehört.

Obwohl ich gläubige Christin bin, wunderte ich mich, daß ich mich nicht einmal bei Gedanken wie "Warum ausgerechnet er/wir?" ertappte. Ich versuchte, das alles zu verarbeiten, las im Internet und auch tausendmal hier nach, wie andere Betroffene das ganze sehen und über die Heilungsmöglichkeiten. Außer mir weiß niemand aus der Familie, wie es um ihn steht, und (verständlicherweise) will er auch nicht, daß es seine Familie erfährt. Der Freund meiner Schwester und sie selbst wissen, daß er einen gutartigen Tumor hat, wissen aber nicht, daß er zu hoher Warscheinlichkeit bösartig wird. Kann der Tumor denn wirklich erst behandelt werden, wenn er bösartig geworden ist?

Es macht mir sehr zu schaffen, auch wenn ich mich nicht in seine Lage hineinversetzen kann und enormen Respekt davor habe, wie er damit umzugehen versucht. Mir gelingt das leider nicht so gut, ich muss so oft daran denken, was alles passieren kann und kann mich bei seinem Anblick nur schwer daran gewöhnen, ihn in einem (relativ zur Normallebenszeit) so kurzen Zeitraum hergeben zu müssen. Wenn ich einige Minuten schon darüber nachdenke, verfalle ich in Depressionen. Er sagte mir neulich, daß es ihm genauso gehe und daß er es daher versucht, zu ignorieren. Von dem Wunsch, daß wir an unserem Lebensabend gemeinsam im Park spazieren gehen können, habe ich mich fast komplett verabschiedet. Wir sind  im November 2007 3 1/2 Jahre zusammen, haben eine gemeinsame Wohnung und trotz normaler Streitigkeiten (wir sind beide Widder-Dickköpfe) bin ich so froh, daß ich ihn habe. Ich bin mir sicher, daß er genauso denkt und ich bin fest entschlossen, ihm beizustehen.

Oft dachte ich: Ausgerechnet diese Art von Tumor, die man so gut wie garnicht heilen kann. Ich denke oft daran, daß die möglichen Folgen Sprachverlust, Erbrechen, Koma ect so schlimm für ihn sein müssen und daß trotz Chemo, Strahlen. OP ect der Tumor meist wiederkommt. Ich denke daran, auch wenn immerhin laut Aussage der Ärzte eine 30%ige Chance besteht, daß der Tumor nicht bösartig wird innerhalb der nächsten 11 Jahre. Aber was danach? Wie lange danach? Werde ich jeden verdammten Tag damit zubringen, mich an den Tumor in seinem Kopf, die tickende Zeitbombe zu erinnern? Werde ich mir ihn irgendwann nur noch als "Tumor mit Körper" vorstellen? Werde ich und wird er überhaupt damit klarkommen, daß jede Woche beim neuen Routine-CT herauskommen kann, daß der Tumor metastasiert? Der Unterschied zu den anderen Menschen besteht, darüber dachte ich auch nach, ja nur darin, daß wir s i c h e r e r  wissen, wann er warscheinlich sterben wird. Eigentlich nichts besonderes, aber warum geht es mir dann so verdammt mies?

 Ich weiß auch, daß immerhin 11 Jahre eine lange Zeit sind, die wir noch genießen können und daß es sehr viel schlimmer hätte sein können und daß mir die anderen Menschen, die weniger Zeit haben, leid tun könnten. Aber das tröstet mich nicht wirklich und fühle mich anderen Menschen gegenüber schuldig meiner Gefühle.

Ich weiß, das sind für manche absurde Gedanken, aber ich hab sie nunmal.

Ich weiß genau, wie er im Moment darüber denkt, er verdrängt das ganze und weicht mir aus, wenn ich versuche, mit ihm darüber zu reden, sagt entweder gar nichts und hört nur zu, lenkt ab oder sagt dann ganz offen, daß wir bitte das Thema wechseln sollen. Andererseits will er aber auch mit anderen Ärzten sprechen und sich Therapievorschläge ausarbeiten lassen. Ein Ich von mir will das Ganze genauso verdrängen, aber der überwiegende Teil von mir will sich damit auseinandersetzen, ihm helfen, neue Therapien ect suchen, weil ich trotz allem die Hoffnung habe, den Tumor zu heilen, bevor er bösartig wird. Ich will ihm Zeit lassen, sich darüber klarzuwerden, daß dieser Tumor nunmal da ist und nicht weggeht, indem man ihn verdrängt. Aber ich will auch nicht die Zeit verstreichen lassen und mir nachher Vorwürfe machen, ich habe nicht mehr getan bzw. war nicht energisch genug. Ich denke, er wird noch eine ganze Weile brauchen, bis er und auch ich das einsehen und wir offen darüber reden können und das akzeptieren.. Wir müssen uns ja erstmal klar werden, was das bedeutet, den Leidensweg so am eigenen Leib zu spüren und sehen, was wir tun können bzw. wie ich ihm beistehen kann.

Ich weiß, das mein Freund mich jetzt, in dieser schweren Zeit besonders braucht, und obwohl ich nach und nach erst realisiere, was es bedeutet, mit ihm diesen Weg zu gehen (selbst, wenn wir es uns nicht versprochen hätten), wächst in mir nur der Wunsch, wir beide mögen doch bitte mehr Zeit haben als 11 Jahre. Für uns war bisher klar, daß wir heiraten und Kinder haben werden, doch wir wollten in jedem Fall nichts überstürzen und haben uns Zeit gelassen. Doch dann kommen mir wieder die Gedanken: Wie können wir jemals Kinder haben, wenn die Chance besteht, daß sie mit 7 oder 8 Jahren Halbwaisen sind? Ich weiß, die Chance besteht generell, aber man macht sich das nicht bewusst und es ist auch nicht so akut. Würden sie mich hassen? Würde ich mich selbst hassen? Aber ich will nicht jeden Tag warten, daß er stirbt und kein Leben mehr leben, mich von Depressionen auffressen lassen, aber das ist so so schwer für mich. Trotzdem versuche ich mich aufzuraffen und das Beste draus zu machen. Ich hoffe, daß mir das von Tag zu tag besser gelingt, je mehr ich mich mit der Tatsache abgefunden habe. Mein Freund hingegen ist noch überhaupt nicht soweit. Er wird so depressiv, wenn er daran denkt, ihm wäre es schon jetzt lieber, er würde sterben, statt auf den Tod zu warten (das kann ich verstehen, ich glaube, daß ich sicher genauso Gedanken hätte...). Ich will ihm so gern helfen, hab ihm schon mehrmals angeboten, daß wir das zusammen durchstehen, daß er mit mir reden kann, wenn er will, er sagt, daß er jetzt jemanden braucht, der das mit ihm durchsteht und daß ich die einzige bin, die das nur im Entferntesten verstehen kann.

Ich wollte mir hier nur Luft machen mit meinen Gedanken. Ich denke, es wird noch viel Zeit vergehen und über viele Dinge werd ich später, in einem Monat, einem Jahr oder einem Jahrzehnt anders denken. Aber jetzt ist jetzt und ich bin hier und er ist es auch noch. Ich hoffe, daß dieser Post anderen Leuten hilft, so wie es mir geholfen hat, hier zu lesen und ihn zu verfassen. Ich danke euch für euer Gehör. Vielleicht hat ja einer eine hilfreiche Idee, wie wir damit zurechtkommen oder jemand das gleiche Ponsgliom oder einen guten Arzt, wie auch immer, zur Hand oder kann mir Verhaltensweisen ect empfehlen.... ich brauche einfach einen oder mehrere Ratschläge und ein bischen gutes Zureden.

Liebe Grüße

Anja

Ulrich

  • Gast
Re:Tod in 11 Jahren?
« Antwort #1 am: 21. November 2007, 09:17:37 »
Laut Aussage der Ärzte ... eine Chance von 70%, daß er innerhalb von 11 Jahren bösartig wird.

So eine "Prognose" ist "dummes Zeug". Sucht Euch einen anderen Arzt, holt eine Zweitmeinung ein.

Offline Bea

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Re:Tod in 11 Jahren?
« Antwort #2 am: 21. November 2007, 09:19:41 »
Hallo Anja,

als Betroffene eines Astro II mache ich wenig Worte um die Tatsache, dass man mit der Diagnosestellung einen schweren Schlag bekommt. Die Lebenserwartung die man angeblich hat - und hier sagt man einem einen mMn statistischen Wert, haben Patient und Angehörige lange im Kopf. Deine Gedanken sind völlig legitim. Aber sie werden hoffentlich leicht verblassen und das ist gut so. Ich habe meinem Arzt als er mir max. 7 Jahre nach OP (mein Tumor wurde teiloperiert) in Aussicht stellte gesagt: Wenn ich mir darüber Sorgen mache, laufe ich unaufmerksam über die Straße und evtl. vor den nächsten Bus. Will heißen: Was kann uns das Leben in dieser Zeit alles geben? Ich habe 2 Kinder. Liebe Anja, das Leben ist lebenswert! Und ich wage es mal dir zu sagen; es ist der für euch bestimmte Weg. Wenn es schwer wird, versucht nicht daran zu denken was ihr verliert, sondern daran was ihr heute habt. Das nimmt euch niemand.

Und vielleicht hilft auch das:
Hab ich hier im Forum gefunden.

Lehrstuhl für Radiologie und MikroTherapie
Prof. Dr. med. Dietrich H.W. Grönemeyer
Grönemeyer-Institut für MikroTherapie
Universitätsstraße 142
D-44799 Bochum
Telefon +49 / 234 / 9780-200
Telefax +49 / 234 / 9780-210

Und das aus dem Netz:

Universität Witten/Herdecke
Lehrstuhl für Radiologie und MikroTherapie
Grönemeyer Institut für MikroTherapie
Universitätsstraße 142
D-44799 Bochum
Prof. Dr. med Dietrich H.W. Grönemeyer
Telefon (+49) (0)137-8551661 (49 Cent/Minute)
Faxabruf (+49) (0)900115074180
email: info@microtherapy.de

Alles erdenklich Gute,
Bea

Offline Bluebird

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Re:Tod in 11 Jahren?
« Antwort #3 am: 21. November 2007, 11:02:32 »
Liebe Azalea,

Deine Gedanken sind bewegend und für mich nachvollziehbar. Aber Bea hat Recht: den ersten Schock werdet ihr verarbeiten - und ihr solltet nicht da sitzen und warten, was in den nächsten Jahren passieren könnte. Als gläubige Christin sehe ich meinen HT nicht als Strafe, eher als Prüfung.

Die von BEA genannten Adressen sind eine Chance.

Viel Glück
LG
Bluebird
The best time to plant a tree was 20 years ago.
The second best time is NOW.
(Chinesisches Sprichwort)

fips2

  • Gast
Re:Tod in 11 Jahren?
« Antwort #4 am: 21. November 2007, 16:56:37 »
Liebe Azalea
Meinen Vorrednern muss ich auf jeden Fall recht geben.Besonders Ulrich.
Man kann nie voraussagen in wie weit und schnell die Kerbserkrankung fortschreitet.
Gerade hier haben wir die unterschiedlichsten Prognosen schon gehört und die Ergebnisse lagen meist oft weit daneben.
In welche Richtung,egal.

Ein Arzt der einem so einen Klotz hinschmeißt, sollte meiner Meinung nach, ein paar Nachhilfesemester in Psychologie nachholen.
Nur Gott weis wann unsre Uhr abgelaufen ist und welche Prüfungen uns noch bevorstehen.
Genießt die Zeit und lebt,lebt,lebt.

Mit dazu beitragen,dass man nicht zu einer gewissen Normalität zurückkehren kann, sind die,wenn ich das richtig verstanden habe, engen Zeiträume der CTs.Was soll das?

Kontrolle ja.Aber übertreiben kann man es auch.Wollt ihr 5oder 20,30 Jahre lang wöchentlich zum CT? Wie stellt sich das der Arzt vor?
Auch ein CT ist eine Belastung für den Körper.
Was ändert es an der Tatsache wenn 4 Monate früher oder später die Metastisierung festgestellt wird?Zumal dafür ein Ganzkörperscan gemacht werden müsste weil man ja nie weis wo die Metastisierung auftritt.
Die Kasse schlägt Salto vor Freude.Das mal so nebenbei bemerkt.

Ich persönlich,würde mit dem Arzt reden oder mir eine Zweitmeinung einer versierten Klinik einholen.Dann mit dem  Arzt oder Klinik ein für die Psyche und Überwachung sinnvolles Kontrollraster absprechen.

Das Leben versuchen so umzustellen als wie wenn man eine ganz normale chronische Erkrankung (Zucker Herzinfarkt) hätte.Auch von der Planung her.
Ich weis es ist leicht gesagt.
Aber stell dir vor, ihr seid zusammen irgendwann 50 oder 60 und beisst euch dann in den Allerwertesten, weil auf irgend eine Prognose hin,keine Kinder oder Enkelkinder habt.Obwohl ihr es euch so wünschtet.

Hierzu unser Erlebnis:
Auch meine Frau bekam in jungen Jahren prognostiziert keine Kinder zu bekommen.Ja ein Internist riet ihr sogar zur Abtreibung als sie schwanger war und ihre Darmerkrankung könnte zu bösartigem Krebs mutieren.Den Doc haben wir SOFORT gewechselt.
Wir haben der Abtreibung nicht zugestimmt und uns zu Kindern entschlossen und würden es nie bereuen.Die Großen sind mittlerweile volljährig und der Jüngste macht uns immer große Freude.
Noch zu unsrer Prognose:Bis jetzt nach 28 Jahren nach der Erstdiagnose ist die Erkrankung noch nicht zu Krebs mutiert.

Denkt in Ruhe darüber nach und fällt für Euch die Entscheidung.

Auch wenns jetzt etwas blöd klingt.Lasst euch von Gott und euren Gefühlen führen.Ihr macht das Richtige und seit keinem Rechenschaft schuldig außer euch selbst.

Liebe Grüße
Fips2


« Letzte Änderung: 21. November 2007, 17:13:32 von fips2 »

Ulrich

  • Gast
Re:Tod in 11 Jahren?
« Antwort #5 am: 21. November 2007, 17:50:41 »
Das Ponsgliom ist eine Erkrankung des Kinder- und Jugendalters.

Es gibt einige Kliniken, die darauf spezialisiert sind, vielleicht wird dort auch noch ein 21-Jähriger behandelt, lohnen würde sich eine Anfrage sicher, z.B. hier:

http://www.neurochirurgie.uni-duesseldorf.de/content/view/25/52/

oder hier:
http://www.medizin.uni-leipzig.de/tipp_db/tipp.php?action=show_entry&kat_id=3&entry_id=232

Aus dem letzten Link zitiere ich:
"Mit zwei kinderonkologischen Therapieangeboten haben wir in der Region ein Alleinstellungsmerkmal. Das eine betrifft Ponsgliom-Patienten. Hier verfolgen wir ein Therapiekonzept, das nur in sieben deutschen Kliniken angeboten wird. Dabei bekommen die Kinder zusätzlich zur Strahlentherapie eine immunologische Behandlung, Das heißt, sie erhalten einmal wöchentlich Antikörper, die das Wachstum dieses Hirntumors behindert. Da hier nahezu keine Nebenwirkungen auftreten, entsteht für die kleinen Patienten eine hohe Lebensqualität."

Und zum ersten Beitrag möchte ich noch anmerken, daß es möglicherweise eine Art "Kaffeesatzleserei" war, die zur Prognose "in 11 Jahren bösartig" bzw. dann zu dem (völlig unlogischen) Schluß "in 11 Jahren sterbe ich" führte. Gut- oder Bösartigkeit am CT feststellen zu können und dann zu sagen: "in 11 Jahren passiert das und das", dazu gehört schon eine spezielle Art von Genie.

Außerdem glaube ich nicht, daß er wöchentlich einmal ins CT geht, das hätte doch überhaupt keinen Sinn, allein die Strahlenbelastung, das ist unlogisch. Es hätte ja auch keine therapeutischen Konsequenzen...

In der ganzen Geschichte "ist der Wurm drin".

Azalea

  • Gast
Re:Tod in 11 Jahren?
« Antwort #6 am: 21. November 2007, 19:07:21 »
Hallo zusammen,

ich danke euch allen vielmals für die lieben Antworten, Ratschläge und Worte. Dank euch geht es mir schon sehr viel besser und ich weiß, wohin ich mich wenden kann.

Aber ich habe noch eine Frage: Kann ein Ponsgliom sowohl benige als auch magnil sein? (ich hoffe ich schreibe das richtig...) Oder bezieht sich der Name auf den Sitz des Tumors? Im Internet hatte ich nirgends eine solche prognose (gutartig, nach max 11 Jahren bösartig) gesehen, da war bei Ponsgliomen immer von "bösartig" die Rede. Der Arzt hatte die CT Aufnahmen laut Aussage zu einer Tumorklinik geschickt, die das bestätigen. Jetzt wo ihr das sagt, kommt mir das alles auch komisch vor. Ist es also möglich, daß sich der Arzt auch in der Bösartigkeit derart vertan hat und daß das Ding vielleicht schon bösartig ist?

Liebe Grüße

Anja

Offline Kanita

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Re:Tod in 11 Jahren?
« Antwort #7 am: 21. November 2007, 19:08:36 »
Hallo Anja,

Du bist ja völlig "aus dem Häuschen" ! Ich schließe mich Fips und Ulrich vollinhaltlich an.

Kommt erst mal zur Ruhe, ordnet Eure Gedanken und wendet Euch an einen anderen Arzt. Und zwar so schnell wie möglich. Die "11 Jahre"-Aussage ist wirklich total unprofessionell.

Und dann könnt Ihr überlegen, wie Eure Lebensplanung aussieht (denkt man nach 6 Monaten zusammen sein schon an Kinder?). Auf keinen Fall dürft Ihr Euch von einer so unsachlichen Aussage verrückt machen lassen.

Ich wünsche Euch einen Arzt der sich Zeit für Euch nimmt und die Gabe hat, Euch alles genauestens zu erklären. Insbesondere vernünftige Aussagen zur Prognose und Therapiemöglichkeit schildern kann.

Kopf hoch - es geht immer weiter. Packt es an ! Lieben Gruß - Kanita
Hoffnung ist nicht nur Zuversicht, dass alles gut ausgeht, sondern das alles seinen Sinn hat, egal wie es ausgeht.

Ulrich

  • Gast
Re:Tod in 11 Jahren?
« Antwort #8 am: 21. November 2007, 20:05:35 »
Der Arzt hatte die CT Aufnahmen laut Aussage zu einer Tumorklinik geschickt, die das bestätigen.

Warst Du eigentlich bei einem der Arztgespräche dabei oder wurde Dir die ganze Geschichte nur erzählt?

breezingbrina

  • Gast
Re:Tod in 11 Jahren?
« Antwort #9 am: 28. November 2007, 23:54:02 »
hallo du!
ich weiß was in dir vorgeht...denk auch immer daran, was in 11 jahren alles in der forschung noch passieren kann und wird!was allein in den letzten jahren alles passiert ist,ist wirklich der wahnsinn!!ich denke, dass es völlig normal ist, dass man erst den boden unter den füßen verliert!!am allerwichtigsten ist, dass man seine lebensqualität wiederfindet und wirklich intensiv lebt!wenn es der seele gut geht, dann fühlt man sich auch einfach körperlich besser, auch wenn dadurch natürlich die diagnose nicht verschwindet.
vielleicht könnt ihr mal nachfragen, ob es nicht eine klinische studie gibt an der dein freund teilnehmen kann?!das sind therapiemöglichkeiten durch medikamente bevor sie in das zulassungsverfahren kommen.
deine worte haben mich sehr berührt! ich wünsche dir und vor allem deinen freund sehr viel kraft und innere stärke!man darf trotz aller statistiken nie vergessen, dass jeder mensch und jeder tumor anders ist! ich finde toll, dass du versuchst optimistisch ggü. deinem freund zu sein!ich kann mir vorstellen, dass man das einfach braucht!ganz liebe grüße!

maikäfer89

  • Gast
Re:Tod in 11 Jahren?
« Antwort #10 am: 07. Dezember 2007, 09:21:05 »
Hey,
es tut mir sehr leid für dich und deinen Freund. Ich wünsche euch beiden viel Kraft für euren gemeinsamen Weg.
Habt ihr schon mal was von der Hit-GBM-D Studie gehört, jetzt HIT-HGG. Das ist eine Therapieoptimierungsstudie für maligne Gliome und Ponsgliome des Kleinkindalters- und Jugendalter.
Es gibt auch noch die SIOP-LGG-Studie für niedrig maligne Gliome. Dein Freund ist zwar schon etwas älter, aber ich kann mir vorstellen, wenn ihr euch mal an die studienzentralen wenden würdet, würden sie euch auskunft geben.
Studien bieten die besten Therapiemgl. an, da verschiedene Ärzte Deutschlandweit zusammenarbeiten.
Die Adresse von der HGG-Studienzentrale ist: Universitätsklinik für Kinder-und Jugendmedizin
Universitätsklinikum Halle
Ernst-Grube-Str. 40
06120 Halle (Saale)
Ansprechpartner: Dr. med. Kramm

LGG: I. Klinik für Kinder- und Jugendliche
Zentralklinikum Augsburg
Stenglinstr. 2
86156 Augsburg
Ansprechpartner: Frau Dr. Gnekow

Ein guter Strahlentherapeut ist Prof. Kortmann in Leipzig
Universitätsklinikum Leipzig
Referenzzentrum für Strahlentherapie
Härtelstr. 16-18
04107 Leipzig

Ich bin auf jeden Fall der Meinung, dass dein Freund die Diagnose nicht verdrängen darf und sich unbedingt weitere Arztmeinungen einholen sollte. Es kann nur sein Leben verlängern.
Er darf es nicht verdrängen. Die CT-Untersuchungen jede Woche finde ich dämlich, da er jetzt jede Woche mit der Angst leben muss, dass der Tumor metastasiert. Das ist belastend für die Psyche. Fragt euren Arzt, ob es da nicht andere Möglichkeiten gibt.

Nur Mut und nie die Hoffnung verlieren!

Ich hoffe meine Antwort ist nicht ganz so spät.

Vielleicht hören wir nochmal voneinander

 



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