HirnTumor-Forum

Autor Thema: Berichte vom 44. Hirntumorinformationstag am 4. Mai 2019 in Berlin  (Gelesen 1371 mal)

Offline KaSy

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44. Hirntumor-Informationstag am 4. Mai 2019 in Berlin

Der 44. Hirntumor-Informationstag wurde von der Deutschen Hirntumorhilfe e.V. organisiert.
Als Moderatorin begleitete Melanie Staege diesen Tag.

In ihren begrüßenden Worten teilte sie mit, dass der Hirntumor eine seltene Erkrankung sei, für die  das Verständnis in der Öffentlichkeit oft fehle sowie die Pharmaindustrie daran nur ein geringes Interesse zeige. In der Patientenversorgung gäbe es große regionale Unterschiede.
Es gäbe etwa 150 verschiedene Hirntumorarten. Die Erkrankung sei fast immer chronisch, lebenszeitverkürzend und könne von neurologischen und kognitiven Einschränkungen begleitet sein.

Die Deutsche Hirntumorhilfe e.V. bestehe seit 1998 und habe derzeit 1105 Mitglieder. Sie sei frei von Sponsoring, insbesondere durch die Pharmaindustrie. Sie finanziere sich ausschließlich durch Spenden. Seit mehr als 20 Jahren widme sie sich dieser Erkrankung auf verschiedenen Gebieten. Die zweimal jährlich stattfindenden Hirntumor-Informationstage dienten vor allem der fachlichen Information und dem Erfahrungsaustausch der Patienten, denn informierte Patienten seien besser in der Lage, in Arztgesprächen kompetent aufzutreten  und ihre Behandlung aktiv anzugehen.

Tagesordnung:
(aus dem Tagungsmaterial der Deutschen Hirntumorhilfe e.V.)

1. Klinische Studien: Die Hirntumortherapie von morgen
Prof. Dr. med. Peter Vajkoczy

Charité – Universitätsmedizin Berlin
Augustenburger Platz 1
13353 Berlin

Klinik für Neurochirurgie mit Arbeitsbereich Pädiatrische Neurochirurgie (CVK)
Telefon: 030 / 450 560 002
Fax: 030 / 450 560 900

2. Bewährtes und Neues in der Chemotherapie
Prof. Dr. med. Lars Bullinger

Charité – Universitätsmedizin Berlin
Augustenburger Platz 1
13353 Berlin

Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Hämatologie, Onkologie und Tumorimmunologie (CVK)
Telefon: 030 / 450 553 111
Fax: 030 / 450 553 914

3. Mistel, Weihrauch und Co.: Was nützt und was schadet?
PD Dr. med. Jutta Hübner

Universitätsklinikum Jena
Klinik für Innere Medizin II
Abteilung Hämatologie und Internistische Onkologie
Am Klinikum 1
07747 Jena
Chefsekretariat:
Telefon: 03641 / 93 24 201
Fax: 03641 / 93 24 202

Leben mit der Diagnose Hirntumor - Patienten berichten

4. Therapie von Meningeomen und Akustikusneurinomen
Prof. Dr. med. Uta Schick

Clemenshospital Münster
Düesbergweg 124
48153 Münster
Telefon: 0251 / 97 62 401
Fax: 0251 / 97 62 402

5. Medikamentöse Behandlung von Epilepsien
Dr. med. Stefan Stodiek

Evangelisches Krankenhaus Alsterdorf
Chefarztsekretariat Neurologie und Epileptologie
Elisabeth-Flügge-Straße 1
22337 Hamburg
Telefon: 040 / 50 77 42 06
Fax: 040 / 50 77 34 71

6. Langzeitüberleben mit Glioblastom: Realität oder Fiktion?
Dr. med. Caroline Hertler

Universitätsspital Zürich
Kompetenzzentrum Palliative Care USZ
Rämistrasse 100
8091 Zürich
Schweiz
Telefon: 041 / 44 / 255 35 35

7. Rezidivtherapie: Was, wenn der Tumor wiederkommt?
Prof. Dr. med. Jörg-Christian Tonn

Neurochirurgische Klinik und Poliklinik
Klinikum der Universität München
Großhadern
Marchioninistraße 15
81377 München
Telefon: 089 / 44 007 2591
Fax: 089 / 44 007 2592

8. Stellenwert der immuntherapeutischen Konzepte und von Cannabis in der Hirntumortherapie
PD Dr. med. Marcel Alexander Kamp

Universitätsklinikum Düsseldorf
Moorenstraße 5
40225 Düsseldorf
Telefon: 0211/ 81 00
Fax: 0211/ 81 04 855

9. Supportive Therapie: Arbeit für die Lebensqualität
Prof. Dr. med. Herwig Strik

Sozialstiftung Bamberg
Klinikum Bamberg
Neurologische Klinik
Burgerstraße 80
96049 Bamberg
Telefon: 0951 / 503 13601
Fax: 0951 / 503 13609

10. Neues aus der Strahlentherapie
Prof. Dr. med. Stephanie E. Combs

Klinikum Rechts der Isar
Technische Universität München
Ismaninger Straße 22
81675 München
Telefon: 089 / 41 404 501

Debatte: Pro und Kontra Off-Label-Use
Prof. Dr. med. Peter Vajkoczy
Dr. med. Caroline Hertler
Prof. Dr. med. Jörg-Christian Tonn
PD Dr. med. Marcel Alexander Kamp
Prof. Dr. med. Herwig Strik

KaSy
« Letzte Änderung: 31. Mai 2019, 19:30:34 von KaSy »
Wenn man schon im Müllkasten landet, sollte man schauen, ob er bunt angemalt ist.

Der Hirntumor hat einen geänderten und deswegen nicht weniger wertvollen Menschen aus uns gemacht!

Offline KaSy

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44. Hirntumor-Informationstag am 4. Mai 2019 in Berlin

1. Klinische Studien: Die Hirntumortherapie von morgen

Prof. Dr. med. Peter Vajkoczy

Charité – Universitätsmedizin Berlin
Augustenburger Platz 1
13353 Berlin

Klinik für Neurochirurgie mit Arbeitsbereich Pädiatrische Neurochirurgie (CVK)
Telefon: 030 / 450 560 002
Fax: 030 / 450 560 900

Informationen aus dem Tagungsmaterial der Deutschen Hirntumorhilfe e.V.:

„Professor Dr. med. Peter Vajkoczy ist Direktor der Klinik für Neurochirurgie an der Berliner Charité. Der international gefragte Spezialist für die Tumorentfernung in hochsensiblen Arealen übernahm im  Mai 2007 als deutschlandweit jüngster Chefarzt und Professor für Neurochirurgie die Leitung des renommierten Instituts. Als Kliniker ist er täglich mit der Versorgung der Patienten  mit neurologischen und neuroonkologischen Krankheitsbildern konfrontiert und engagiert sich darüber hinaus in der hauseigenen Projektgruppe klinische Neuroonkologie in der neuroonkologischen Forschung. In seinem Eröffnungsvortrag wird Professor Vajkoczy einen  Überblick über klinische Studien und innovative Forschungsansätze im Bereich der Hirntumortherapie geben.“

Vortrag:
(in einzelnen Aussagen, so wie ich es mitbekommen habe, KaSy)

Die Therapie bei Glioblastomen
Sie beginnt mit einer Operation und/oder einer Biopsie. Damit kann der Typ des Tumors mit allen bekannten Merkmalen festgestellt werden.
Es folgen eine gleichzeitige Chemo- und Radiotherapie.
Die Chemotherapie wird sechs Monate lang fortgesetzt.
Eventuell kann eine Behandlung mit TTF (Tumortherapiefeldern) folgen.

Allgemeine Aussagen zur Qualität von Studien
Die Durchführung von Studien erfordert eine hohe Sorgfalt bei der Auswahl des medizinischen Forschungszentrums, der Auswahl und der Anzahl der Probanden usw.
Studien, bei denen bestimmte Endpunkte nicht vorher publiziert wurden, müssen kritisch gesehen werden. Denn, wenn man mittels einer Studie eigentlich nichts sucht, aber dennoch etwas findet und sich darüber freut und es erst dann veröffentlicht, dann ist das fraglich.
Studien werden in den Phasen 1 bis 4 durchgeführt:
Phase 1: Der Wirkstoff wird mit wenigen gesunden freiwilligen Probanden getestet: Dauer bis zur Wirksamkeit, Dosis, ab der Nebenwirkungen auftreten, ...
Phase 2: 100 bis 500 erkrankte Probanden erhalten das aus dem Wirkstoff entwickelte Medikament oder eine Vergleichsbehandlung (das bisher bestmögliche Medikament oder ein Placebo), wobei unbekannt bleibt, wer welche Behandlung erhält (Doppel-Blind-Studie). Untersucht werden die Wirksamkeit, die Verträglichkeit, die Dosierung, ...
Phase 3: Das Medikament wird in vielen Ländern an tausenden Erkrankten erprobt. Dabei geht es um die Feststellung weniger häufiger Nebenwirkungen.
Phase 4: Das nun zugelassene Medikament, wird weiter erprobt.

Informationen zu Studien

MGMT+GBM (MGMT-Gen = MGMT-Promoter-Methylierung + Glioblastom):
Die Kombination von Temozolomid und CCNU zeigte ein längeres Überleben.
Jedoch waren die Patientenzahlen zu gering, die Toxizität ist wegen der Gabe von zwei statt einem Medikament höher. 

Wirkung von Depatuxizumab-Mafodotin:
Es ist ein Antikörper, der bei einem zu hohen Vorkommen des Wachstumsrezeptors
EGFR (EGFR = Epidermal Growth Factor Receptor) dessen Verringerung als Ziel hat:
Es besteht eine hohe okuläre Toxizität, dh. Die Augen sind zu 100 % betroffen! Als Folgen können Fatigue u.a. entstehen.

IDH 1/2-Mutation:
Das generelle Ziel besteht darin, den genetischen Aufbau des Tumors zu bestimmen und davon ausgehend eine zielgerichtete individuelle Therapie durchzuführen.
Aber nicht jedes Zentrum bietet alle Studien an.

Immuntherapie:
Die DC-VAX-Studie umfasst etwa 1600 Patienten. Die Ergebnisse der Therapiegruppe wurden „gelobt“, aber die Ergebnisse der Kontrollgruppe, die ein Placebo erhalten haben, wurden nicht publiziert. (Ich weiß nicht, ob mit „Placebo“ ein wirkungsloses Medikament oder das bisher am besten geeignete Medikament aus der Standardtherapie gemeint ist. KaSy)

Studie zur Chirurgie:
Mit dem Intraoperativem MRT, also einem MRT-Gerät im OP-Saal, werden bessere Ergebnisse bei der Tumorentfernung erzielt, da direkt nach der OP eine MRT-Kontrolle erfolgen und gegebenenfalls weiter operiert werden kann.

Präoperative Diagnostik:
Durch den Einsatz der Navigierten transkraniellen Magnetstimulation (TMS) vor der Operation wird die funktionelle OP-Planung zur Schonung wichtiger Hirnbereiche verbessert.

(Ich bin mir nicht sicher, alles verstanden zu haben. Interessierte sollten sich für konkretere Informationen an ihre Ärzte, an Prof. Vajkoczy oder an die Deutsche Hirntumorhilfe e.V. wenden. KaSy)

Antworten auf Patientenfragen in der Podiumsdiskussion:

Wie kommt man in Studien?
Man kann seinen Arzt fragen, einen anderen Arzt um eine zweite Meinung bitten oder die Tumorkonferenz wird die Teilnahme an einer Studie vorschlagen.
Eine Altersbeschränkung von einem biologischen Alter von etwa 60 bis 70 Jahren gilt, da die Nebenwirkungen noch zu erprobender neuer Medikamente auch mit einem höheren Alter und einer schlechteren Konstitution zu tun haben. 

Wie kann man die Medikamente erhalten, die in Studien genutzt werden?
Medikamente, die noch nicht durch Studien durch sind, können nur in Studien angewendet werden, sie sind noch nicht für die Standardtherapie zugelassen.

Haben die Studien in den USA bessere Erfolge?
In den USA ist es anders, es wird mehr Wirbel um gute Ergebnisse gemacht, während negative Ergebnisse unter den Tisch fallen.

Wird man in den USA besser behandelt?
In den USA können die Ärzte das nicht besser als in Deutschland. Wir sind sachlicher, genauer. Wir handeln und führen Studien durch, reden aber nicht zu rasch und zu laut darüber. Nicht wer lauter redet, ist besser.

Das wollten unsere Gäste bei den letzten Informationstagen von den Experten wissen
(aus dem Tagungsmaterial der Deutschen Hirntumorhilfe e.V.)

Gibt es in Deutschland Studien zum Einsatz von onkolytischen Viren bei Gliomen?
PD Dr. Karsten Geletneky, Darmstadt:
In den zurückliegenden Jahren wurde einige solcher Viren bei malignen Gliomen untersucht. Allerdings sind diese Verfahren meistens nicht bis zum Einsatz in Patienten weiterentwickelt worden. Zum einen liegt das daran, dass die erforderlichen Investitionen insbesondere bei seltenen Erkrankungen schwer aufzubringen sind. Vor allem die Finanzierung größerer Studien der Phase II oder III ist sehr schwer zu realisieren. Dazu kommt, dass die Ergebnisse aus frühen Pilotstudien oft nicht so überzeugend waren, um genügend potenzielle Förderer heranzuziehen. In den USA gibt es immerhin einige virenbasierte Therapien, die derzeit in Studien getestet werden. Man muss abwarten, ob diese Ansätze zukünftig auch in Europa weiterverfolgt werden.

Warum gibt es verhältnismäßig wenige Studien für Patienten mit niedriggradigen Hirntumoren?
Prof. Dr. Herwig Strik, Bamberg:
Niedriggradige Hirntumore, wie z.B. Astrozytome oder Oligodendrogliome WHO-Grad-II, sind ca. 4- bis 6-fach seltener als die hochgradigen Glioblastome. Gleichzeitig sind aber die Krankheitsverläufe deutlich länger. Dadurch zeigen sich Unterschiede erheblich später und es werden mehr Patienten benötigt, um statistisch eindeutige Ergebnisse zu erhalten. (…) Dennoch gibt es gerade auch in letzter Zeit einige Initiativen, um auch bei diesen Tumorarten die Behandlung weiterzuentwickeln.

Wer führt klinische Studien durch?
Prof. Dr. Martin Glas, Essen:
Entweder führt ein onkologisches Zentrum selbst eine klinische Studie durch und beantragt die dafür notwendigen öffentlichen Fördermittel. Andererseits gibt es auch Studien, die von der Pharmaindustrie gesponsert werden. Da gibt es ganz klare Regeln und Richtlinien an jeder Universität, wie viel Einfluss die Pharmaindustrie nehmen darf.

Wie kann ich an einer klinischen Studie teilnehmen?
Prof. Dr. Martin Glas, Essen:
Wenn Interesse an einer Studienteilnahme besteht, kann man sich direkt an ein onkologisches Zentrum wenden, das an klinischen Studien beteiligt ist. Es ist ratsam, mit den Ärzten vor Ort über die vorhandenen Möglichkeiten zu sprechen. Bei Fragen zur Verfügbarkeit aktueller klinischer Studien können Sie sich auch an den Informationsdienst der Deutschen Hirntumorhilfe wenden.

Wie gut sind die neuroonkologischen Zentren miteinander vernetzt?
Prof. Dr. Peter Vajkoczy, Berlin:
Ich glaube, es gibt im Allgemeinen heute eine gute Vernetzung zwischen Klinikern und Forschern. Aber es ist ein weiter Weg, bis etwas Neues in die Klinik kommt. Nicht jede Klinik kann an sämtlichen Ansätzen forschen und nicht jede Forschung erhält die notwendige Unterstützung. Vor diesem Hintergrund ist der Austausch zwischen den an der Forschung Beteiligten sehr wichtig.

KaSy (kursiv gedruckte Textteile von KaSy)
« Letzte Änderung: 18. Juni 2019, 02:14:35 von KaSy »
Wenn man schon im Müllkasten landet, sollte man schauen, ob er bunt angemalt ist.

Der Hirntumor hat einen geänderten und deswegen nicht weniger wertvollen Menschen aus uns gemacht!

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44. Hirntumor-Informationstag am 4. Mai 2019 in Berlin

2. Bewährtes und Neues in der Chemotherapie

Prof. Dr. med. Lars Bullinger

Charité – Universitätsmedizin Berlin
Augustenburger Platz 1
13353 Berlin

Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Hämatologie, Onkologie und Tumorimmunologie (CVK)
Telefon: 030 / 450 553 111
Fax: 030 / 450 553 914

Informationen aus dem Tagungsmaterial der Deutschen Hirntumorhilfe e.V.:

„Prof. Dr. med. Lars Bullinger ist Direktor der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Hämatologie, Onkologie und Tumorimmunologie der Charité Universitätsmedizin Berlin. Als Experte für Tumorerkrankungen befasst sich Prof. Bullinger insbesondere mit der Entwicklung innovativer, personalisierter Therapiestrategien für eine verbesserte Patientenversorgung. Seine Forschungsaktivitäten konzentrieren sich hierbei auf bösartige Krebserkrankungen, die durch zunehmend differenzierte molekulare Charakterisierungen zielgerichtet behandelt werden können. Die chemotherapeutische Behandlung gehört zu den zentralen Bausteinen der Hirntumortherapie. In seinem Vortrag wird Prof. Bullinger erläutern, welche  Möglichkeiten der Chemotherapie derzeit eingesetzt werden, für welche Patienten die neue kombinierte Chemotherapie infrage kommt und wer von den bewährten Therapieverfahren profitiert.“ 

Vortrag:
(in einzelnen Aussagen, so wie ich es mitbekommen habe, KaSy)

Für diffuse astrozytäre und oligodendrogliale WHO-I- und WHO-II-Gliome und für diffuse astrozytäre WHO-IV-Gliome (Glioblastome) gelten die Onkopedia Leitlinien (Stand März 2019), bei denen zwischen Tumoren mit unmethyliertem MGMT und methyliertem MGMT unterschieden wird. Jüngere Patienten mit unmethyliertem MGMT werden mit einer Kombination aus Strahlen- und Chemotherapie behandelt, während (biologisch) ältere Patienten nur mit der Strahlentherapie behandelt werden, da bei ihnen die Chemotherapie die Lebensqualität einschränken würde.

Studie zu TTF:
Zur Funktionsweise der Behandlung mit Tumortherapiefeldern (TTF) erklärte er: Krebszellen entstehen im Körper, die Zellen teilen sich und wenn sie nicht daran gehindert werden, teilen sie sich unkontrolliert. Die durch die Elektroden erzeugten Ströme sollen das verhindern.
Angewandt werden soll diese Therapie mindestens 20 Stunden täglich. Außer den möglichen Kontaktekzemen auf der Kopfhaut und der großen Wärme im Sommer gibt es  keine Nebenwirkungen. Es wurde ein geringer Überlebensvorteil festgestellt.
(Lest dazu bitte auch im 7. Vortrag von Prof. Dr. Tonn.)

Reziviv:
Im Rezidivfall kann die Therapie mit dem in Deutschland nicht zugelassene Bevacizumab fortgesetzt werden.

Studie zur Immuntherapie:
Die immuntherapeutischen Ansätze bestehen darin, mit Antikörpern das Immunsystem zu aktivieren, um sich gegen den Tumor zu wenden. Durch die verbesserte „Immun-Checkpoint-Blockade“ ist eine bessere Kontrolle darüber möglich, dass nur Krebszellen gestört werden.

CUSP 9:
Von Prof. Dr. Halatsch aus Ulm wurde die Therapie entwickelt, mit verschiedenen Medikamenten, die für andere Krankheiten zugelassen sind, Hirntumoren zu behandeln. Die Grundlage dafür besteht darin, dass es nicht nur eine Ursache für die Entstehung von Hirntumoren gibt. Demzufolge gibt es auch nicht nur einen einzigen Weg für die Behandlung von Hirntumoren.

Fazit:
Die Kombinationstherapien sind die Zukunft (und teilweise auch schon die Gegenwart) in der Hirntumortherapie.

Antworten auf Patientenfragen in der Podiumsdiskussion:

Warum ist Bevacizumab in den USA zugelassen, in Europa und Deutschland aber nicht?
Der Nutzen von Bevacizumab ist für die Patienten nicht so groß.
Mit einer begründeten Anfrage des behandelnden Arztes bekommt man es.

Welche Untersuchungen gibt es zu TTF?
Eine Studie überprüft die Wirksamkeit der mit den TTF erzeugten Ströme auf den Hirntumor.
Eine weitere Studie widmet sich der Wirksamkeit der während der Therapie intensiveren Zuwendung an den Patienten. Das häufigere und bessere Kümmern durch Angehörige sowie die regelmäßigen ärztlichen Nachfragen könnten zur Wirksamkeit von TTF beitragen.
(Lest dazu bitte auch im 7. Vortrag von Prof. Dr. Tonn.)

Warum führt die Pharmaindustrie mehr Studien in den USA durch?
Die Durchführung von Studien ist in den USA einfacher, aber sind die Ergebnisse dann auch besser?
Oft sind an diesen Studien auch deutsche Zentren beteiligt.

Kann man Temozolomid auch länger als die empfohlenen 6 Zyklen nehmen?
Viel hilft nicht unbedingt viel, aber es ist verständlich, dass Patienten bei guter Verträglichkeit die Chemotherapie fortsetzen möchten, um das Gefühl zu haben, etwas zu tun.

Das wollten unsere Gäste bei den letzten Informationstagen von den Experten wissen
(aus dem Tagungsmaterial der Deutschen Hirntumorhilfe e.V.)

Warum wird die lokale Chemotherapie nicht routinemäßig bei malignen Gliomen eingesetzt?
Prof. Dr. Veit Rohde, Göttingen:
Bei dieser Therapie muss man auch mögliche Komplikationen berücksichtigen. Man erkauft sich sozusagen eine zusätzliche Wirksamkeit gegen Tumorzellen durch ein erhöhtes Komplikationsrisiko. Es treten hierbei z.B. häufiger Wundheilungsstörungen, Schwellungen oder epileptische Anfälle auf. Aus diesem Grund ist beim Einsatz der Chemotherapie-Plättchen (Carmustin-Wafer) eine besondere Nachsorge wichtig. Die Therapie kann eine gute Option sein für Patienten, die aufgrund des MGMT-Status weniger von der Standardbehandlung mit Temozolomid profitieren.

Wann spricht man von einem methylierten MGMT-Promoter?
Prof. Dr. Ulrich Herrlinger, Bonn:
Das ist insofern nicht so einfach zu sagen, weil jeder Test seinen eigenen Grenzwert hat. Bei dem Pyrosequenzierungstest, den wir verwenden, wäre ich mir bei einem Wert über 12% relativ sicher, dass wir die Gruppe der Patienten erfassen, die auch in der CeTeG-Studie behandelt wurden. Das kann ich aber nicht pauschal sagen. Im Zweifelsfall muss man mit den Ärzten über den verwendeten Test sprechen.

Unter welchen Voraussetzungen könnte eine adjuvante Chemotherapie mit Temozolomid über 6 Zyklen hinaus fortgesetzt werden?
Prof. Dr. Ulrich Herrlinger, Bonn:
Es gibt keine guten Daten, die einen Vorteil anderer Schemata gegenüber den standardisierten 6 Zyklen zeigen. Es gibt Sonderfälle, in denen man bis 12 Zyklen weitermachen kann. So etwa bei den anaplastischen Astrozytomen, hier sprechen die vorliegenden Daten der CATNON-Studie dafür. Für die Behandlung der Glioblastome ist dieses Vorgehen aber nicht etabliert und muss individuell besprochen werden.

Kann man erhöhte Leberwerte infolge der kombinierten Chemotherapie mit CCNU und Temozolomid medikamentös behandeln?
Prof. Dr. Ulrich Herrlinger, Bonn:
Nein. Je nachdem, wie stark die Werte erhöht sind, muss eine engmaschige Kontrolle erfolgen. Bei sehr hohen Werten muss die Weiterbehandlung mit CCNU eventuell ausgesetzt werden und auch eine Therapiepause des Temozolomids erfolgen, denn auch Temozolomid hat ein gewisses Risiko, dass es zu Veränderungen der Leberwerte kommt. Darauf sollte unbedingt geachtet werden.

Kann noch auf die kombinierte Chemotherapie umgestellt werden, wenn schon mit der adjuvanten Temozolomid-Therapie begonnen wurde?
Prof. Dr. Ulrich Herrlinger, Bonn:
Aus der Studie können wir keine Antwort auf diese Frage ableiten. Das muss in jedem einzelnen Fall individuell entschieden werden. Wenn schon 3 oder 4 adjuvante Zyklen absolviert worden sind, sehe ich eigentlich keine Grundlage, die Therapie noch umzustellen.

KaSy (kursiv gedruckte Textteile von KaSy)
« Letzte Änderung: 07. Juni 2019, 23:23:20 von KaSy »
Wenn man schon im Müllkasten landet, sollte man schauen, ob er bunt angemalt ist.

Der Hirntumor hat einen geänderten und deswegen nicht weniger wertvollen Menschen aus uns gemacht!

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3. Mistel, Weihrauch und Co.: Was nützt und was schadet?

Prof. Dr. med. Jutta Hübner
Universitätsklinikum Jena
Klinik für Innere Medizin II
Abteilung Hämatologie und Internistische Onkologie
Am Klinikum 1
07747 Jena
Chefsekretariat:
Telefon: 03641 / 93 24 201
Fax: 03641 / 93 24 202

Informationen aus dem Tagungsmaterial der Deutschen Hirntumorhilfe e.V.:

„Prof. Dr. med. Jutta Hübner ist Stiftungsprofessorin für integrative Onkologie am Universitätsklinikum Jena und Leiterin der Arbeitsgruppe integrative Onkologie des Dr. Senckenbergischen chronomedizinischen Instituts an der Universität Frankfurt/Main. Sie wirkt als Koordinatorin und Expertin der Leitlinie komplementäre Medizin im onkologischen  Leitlinienprogramm. Sie ist Verfasserin zahlreicher Publikationen und etablierter Standardwerke zur supportiven Krebstherapie. Prof. Hübner wird in ihrem Vortrag auf komplementärmedizinische Verfahren wie Misteltherapie, Weihrauch und populäre Ernährungshinweise für Krebspatienten eingehen und dabei über Grenzen, Nutzen und Mythen rund um die ergänzenden Anwendungen aufklären.“

Vortrag:
(in einzelnen Aussagen, so wie ich es mitbekommen habe, KaSy)

Komplementäre Medizin

Der Begriff „komplementär“ bedeutet „ergänzend“. Die komplementärmedizinischen Verfahren ergänzen die Schulmedizin, sie laufen nebenher, parallel dazu.
Im Unterschied dazu bedeutet der Begriff „alternativ“ „anstelle von“. Die Alternativtherapie ersetzt also die Schulmedizin.
Der Begriff „supportiv“ bedeutet „unterstützend“. Die supportive Krebsbehandlung dient dazu, die Nebenwirkungen der Schulmedizin mit ärztlich verordneten Mitteln abzuschwächen.

Komplementäre Mittel werden von den Patienten meist selbst gesucht oder ihnen in ihrem Umfeld gutgemeint angeraten.

Auf jeden Fall soll man darüber den Arzt informieren, der dann mitteilen kann, ob diese zusätzlichen Mittel mit der laufenden Therapie zusammenpassen. Zusätzliche Mittel können die Wirkung der Therapie verstärken, sie können aber auch die Nebenwirkungen verstärken.

Vorsicht ist geboten, wenn derartige Mittel zu teuer (mehr als 1 € pro Tag) sind. Dann sollte man genauer hinschauen, ob diese Mittel wirklich dem Patienten nutzen oder ob auf Kosten der Erkrankten gehandelt wird. (siehe auch: Podiumsdiskussion)

Was kann ich als Patient selber tun (Basics)?

Gesunde Ernährung und viel Bewegung haben nur gute Wirkungen.
Der Körper wird gekräftigt, das Immunsystem wird gestärkt, die Therapien werden besser vertragen.
In der Ernährung sind Gemüse und Obst immer gut.
Wer sich darüber mehr informieren möchte, kann das Buch „Krebszellen mögen keine Himbeeren“ lesen.
Das bedeutet aber nicht, dass man nun nur noch Himbeeren essen soll ...

Nahrungsergänzungsmittel

Curcumin ist auch bei Krebspatienten in Mode gekommen, es muss aber nicht sein.

Antioxydantien sind Bestandteile vieler Nahrungsergänzungsmittel. Sie hemmen oder verhindern die Chemotherapie!

Folsäure sollte nur bei Mangel genommen werden.

Vitamin D ist nützlich, wenn ein Mangel besteht. (siehe auch: Podiumsdiskussion)

Gemüse und Obst in der normalen Ernährung sind unbedenklich.

Mistel und Weihrauch helfen eher nicht. (siehe auch: Podiumsdiskussion)

Aprikosenkerne enthalten Blausäure (Zyanid). Sie werden als sogenanntes Vitamin B 17 gehandelt, sind aber kein Vitamin. Auch Fertigprodukte enthalten die Substanz Amygdalin, die Vergiftungen hervorrufen kann. Davon ist dringend abzuraten.

Ketogene Diät bedeutet, dass alle Kohlenhydrate weggelassen werden. Die Nahrung besteht dann meist aus mehr Fetten und Eiweißen. Diese Art der Ernährung hat Nebenwirkungen. Sie schadet Krebspatienten. In kleinen Studien ergab sich kein Vorteil. (siehe auch: Podiumsdiskussion)

Weitere komplementäre Möglichkeiten

Bei Übelkeit sollte der Arzt informiert werden, der geeignete Medikamente verordnet. Möchte man zusätzliche Mittel verwenden, sollte man auch den Arzt fragen, denn Ingwer z.B. verträgt sich nicht mit jedem Medikament.

Entspannung ist gut und wichtig. Es gibt verschiedene Entspannungsverfahren wie Qi Gong, Thai Chi, Yoga, Singen und viele mehr. Man soll ein Verfahren wählen, dass einem Spaß macht.

TTF hat vielleicht einen Vorteil dadurch, dass man sich besser um den Betroffenen kümmert. Es kommt die Frage auf, ob TTF selbst einen Vorteil erbringt und ob die persönliche Zuwendung einen Beitrag zum längeren Überleben leistet.

Antworten auf Patientenfragen in der Podiumsdiskussion:

Warum ist ketogene Diät schädlich?
Alle Zellen verarbeiten und brauchen Zucker, nicht nur Krebszellen. Wenn Zucker nicht in der Nahrung enthalten ist, wandelt der Körper andere Bestandteile der Nahrung oder direkt aus dem Körper in Zucker um. Sogar Tumorzellen können ketogene Nahrung verstoffwechseln! Ketogene Ernährung führt zur Gewichtsabnahme und schwächt dadurch das Immunsystem. Hände weg von der ketogenen Diät!

Warum raten Sie von ergänzenden Mittel ab, wenn sie teurer als 1 € pro Tag sind?
Diese Aussage gilt für die alternativen Zusatzmittel. In Ausnahmen können komplementäre Mittel genommen werden, selbst wenn sie teurer sind.

Darf man jeden Sport treiben?
Prinzipiell darf man alles tun. Vorsicht ist dann geboten, wenn der Arzt bestimmte Sportarten (z.B. bei Epilepsie) einschränkt. Selbst Extremsport ist durchaus nicht verboten.

Warum soll Weihrauch nicht helfen?
Weihrauch hat eventuell eine abschwellende Wirkung auf Ödeme und kann bei längerer Anwendung von Cortison dieses ersetzen. Man sollte aber den Arzt fragen, ob es zur Chemo- und Strahlentherapie passt, da es über starke Antioxydantien verfügt! Nach Abschluss der Therapien kann man es anwenden. Es ist jedoch teuer.

Sollte man Vitamin D immer nehmen?
Wenn ein Mangel festgestellt wird, dann ja, sonst nicht.

Welchen Nutzen haben Enzympräparate?
Sie haben eventuell eine abschwellende Wirkung, sind aber teuer.

Was bewirkt die chinesische Medizin?
Die chinesische Medizin, die in Deutschland angeboten wird, ist zum Teil gefälscht, auf jeden Fall ist sie schlecht zu überprüfen.

Ist Akupunktur hilfreich?
Akupunktur ist eine Placebo-Behandlung. Es ist egal, wohin die Nadel sticht. Sie beruht vor allem auf der persönlichen Zuwendung.

Was halten Sie von CBD bzw. Cannabis?
Die Wirkung von CBD bzw. Cannabis ist unklar. Es ist dazu leider keine vernünftige Forschung mehr möglich.

Ist Flor-Essenz nützlich?
Flor-Essenz ist eine Mischung aus 8 Heilkräutern. Gegen Krebs hilft sie nicht.
(Als „heiliger Trank der Indianer“ soll Flor-Essenz“ das Wohlbefinden fördern.)

Sollte man sich zum Stärkung des Immunsystems Vitamin C-Infusionen geben lassen?
Es genügt ein Apfel. Zuviel Vitamin C schadet, da es Antioxydantien enthält.

Wie ist es mit Honig?
Honig sollte man nur direkt essen.

Gibt es auch Chemotherapeutika aus Naturstoffen?
Prof. Dr. Bullinger:
Chemotherapeutika werden aus Eibe, aus Meerestieren, also aus Naturmaterialien hergestellt.

Wie bedeutsam ist die persönliche Zuwendung?
Prof. Dr. Vajkoczy:
Die persönliche Zuwendung ist sehr wichtig, auch durch Neurochirurgen. Man sollte die Palliativ-Medizin frühzeitig einbinden. Palliative Betreuung bedeutet nicht, dass es dem Ende zugeht. Palliativ-Teams haben mehr und bessere Möglichkeiten, sich dem Patienten persönlich zuzuwenden. Das führt zu einer höheren Motivation für die Therapien und damit zu einer verbesserten Lebensqualität, die mit einem längeren guten Überleben einhergehen kann.

Das wollten unsere Gäste bei den letzten Informationstagen von den Experten wissen
(aus dem Tagungsmaterial der Deutschen Hirntumorhilfe e.V.)

Wann ist die Einnahme von Vitamin D sinnvoll?
Prof. Dr. Jutta Hübner, Jena:
Die Einnahme von Vitamin D kann sinnvoll sein für Patienten, die über längere Zeit immer wieder Kortison bekommen, die in ihrer Bewegung eingeschränkt sind und sich seltener im Freien (im Sonnenlicht) aufhalten. Dies sind Risikofaktoren für die Ausbildung einer Osteoporose und Vitamin D hilft, den Knochen zu stabilisieren.

Wie viel Vitamin C sollte man maximal während einer Tumortherapie zu sich nehmen?
Prof. Dr. Jens Büntzel, Nordhausen:
Während einer Strahlentherapie sollte keine Hochdosis-Vitamin-C-Einnahme erfolgen. Dabei sprechen wir von mehreren Gramm pro Tag. Nimmt man über die Nahrung täglich 0,5g bis 1g zu sich, ist das unbedenklich.

Kann Kurkuma in der Tumortherapie eingenommen werden?
Prof. Dr. Jutta Hübner, Jena:
Kurkuma wird auch derzeit in Studien untersucht. Möglicherweise hat es eine unterstützende Wirkung zur Chemotherapie. Es gibt aber auch Daten, die zeigen, dass Kurkuma negative Wirkungen haben kann. Aus diesem Grund würde ich es nur als Gewürz und nicht als Nahrungsergänzungsmittel empfehlen.

Welche Nebenwirkungen können bei der Einnahme von Cannabis auftreten?
Wolfgang Doerfler, München:
Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, Müdigkeit, Nervosität oder Verwirrtheit können auftreten. Bei einer kompetenten Anleitung und langsamem Einschleichen der Therapie können diese Begleiterscheinungen aber meistens gut kontrolliert werden. Außerdem müssen potenzielle Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten beachtet werden. Insofern ist es wichtig, mit offenen Karten zu spielen: Reden Sie mit ihren Onkologen, auch wenn Sie auf Widerstand stoßen. Die meisten Ärzte werden Verständnis dafür haben, dass Sie zusätzlich etwas für sich tun wollen, aber Nutzen und Risiko müssen gut gegeneinander abgewogen werden.

Kann eine Misteltherapie bei einer Hirntumorerkrankung eingesetzt werden?
Prof. Dr. Jutta Hübner, Jena:
Eine Aktivierung des Immunsystems gegen den Tumor ist immer mit einer umgebenden Entzündung verbunden und diese wiederum mit einer Schwellung, dem sogenannten Ödem. Aus diesem Grund raten wir von einer Misteltherapie, die ebenfalls das Immunsystem aktiviert, bei Hirntumoren ab, da eine Zunahme des Hirnödems und damit eine Gefährdung des Patienten nicht auszuschließen ist.

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« Letzte Änderung: 27. Juli 2019, 16:11:26 von KaSy »
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44. Hirntumor-Informationstag am 4. Mai 2019 in Berlin

Leben mit der Diagnose Hirntumor - Patienten berichten

(in einzelnen Aussagen, so wie ich es mitbekommen habe, KaSy)

Sabine Kloske
34 Jahre
Glioblastom seit Dezember 2014
Therapien: Operation, Strahlentherapie, Chemotherapie
Methadon
jetzt „krebsfrei“

Erik
29 Jahre
Glioblastom seit Dezember 2016
Standardtherapie: Operation, Strahlentherapie, Chemotherapie
TTF
Er erscheint ausgesprochen lebensfroh und sagt:
"Glioblastom ist kein Todesurteil!"

Frau V.
ca. 30 Jahre
2013 Astrozytom
Standardtherapie: Operation, Strahlentherapie, Chemotherapie
2015 Glioblastom
Standardtherapie: Operation, Strahlentherapie, Chemotherapie
2017 Glioblastom
Standardtherapie: Operation, Strahlentherapie, Chemotherapie
Resttumoren sind vorhanden
seit 2014 Langzeitchemotherapie mit Temozolomid
TTF nur 2-3 Monate
Frau V. Hat zwei Kinder und unternimmt mit ihnen viel. Beim Fahrradfahren störte sie die Wärmeentwicklung durch TTF. Sie musste immer wieder anhalten. Das wollte sie jedoch nicht und verzichtete fortan auf TTF.
Ihr Motto: "Mach, was Spaß macht! Lebe!"

Martin C.
59 Jahre
Glioblastom seit Februar 2009
Operation mit der 5ALA-Methode in Kiel
Strahlentherapie mit 60 Gy
Chemotherapie, 6 Zyklen
jetzt keine weitere Therapie
"Meine Therapie ist meine tolle Ehefrau!"

Herr A.
Glioblastom seit 5 Jahren, also seit 2014
Standardtherapien
Seit dem Vortrag von Dr. Friesen nimmt er Methadon.
Alle drei Monate wird ein MRT gemacht und es zeigte stets Stillstand.
Amygdalin ist in jedem Apfel in den Kernen.

Er ernährt sich nach der naturheilkundlichen Gerson-Therapie:
Er fastet an jedem Tag 18-20 Stunden, isst in dieser Zeit nichts.
Er trinkt kein Wasser.
Er trinkt täglich sehr oft frisch gepresste vitalstoffreiche Gemüsesäfte.
Die Ernährung ist salzfrei.
Raffinierter Zucker „ist Gift“.
Zweimal täglich nimmt er zur Fettversorgung einen Löffel Leinöl. (Nur dieses ist geeignet, da mit jeder anderen Art Fett die Tumoren wieder wachsen.)
Fünf mal täglich entgiftet er seine Leber mit einem Kaffee-Anal-Einlauf.
Zusätzlich nimmt er Vitamin B12 zur Anregung der Blutbildung.

Herr. S.
Er spricht als Angehöriger für seine Ehefrau.
Bei ihr wurde im Februar 2011 ein inoperables, 36 mm x 45 mm großes Glioblastom entdeckt.
Die Prognose lautete 6 Monate.
Es fand die Standardtherapie mit Strahlen- und Chemotherapie statt.
Nach einer Biopsie war sie einseitig gelähmt.

Das Ehepaar suchte daraufhin andere Wege:
Sie nimmt viel indischer Weihrauch.
Ihre Ernährung ergänzt sie mit Vitaminen.
Geistheilung
Er äußerte in ruhigen Worten sein Verständnis dafür, dass dies als Scharlatanerie abgetan werden könnte. Auch sie hätten gezweifelt. Aber sie hätten jemanden gefunden, dem sie sehr vertrauen,   dem es wirklich um die Patienten und nicht um das Geld geht. Innerlich bewegt schilderte er die persönliche Zuwendung und die Erfolge bei der Wirkung auf den Tumor, die auch sie beide überraschte. Der Tumor verkleinerte sich nach den regelmäßigen Behandlungen nach und nach um 50 % und verkapselte sich. Auch heute noch sind sie in größeren Abständen bei ihrem Geistheiler.

KaSy
« Letzte Änderung: 03. Juni 2019, 23:25:24 von KaSy »
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44. Hirntumor-Informationstag am 4. Mai 2019 in Berlin

4. Therapie von Meningeomen und Akustikusneurinomen

Prof. Dr. med. Uta Schick

Clemenshospital Münster
Düesbergweg 124
48153 Münster
Telefon: 0251 / 97 62 401
Fax: 0251 / 97 62 402

Informationen aus dem Tagungsmaterial der Deutschen Hirntumorhilfe e.V.:

„Prof. Dr. med. Uta Schick ist Chefärztin der Klinik für Neurochirurgie am Clemenshospital Münster. Sie ist Verfasserin zahlreicher Beiträge in internationalen medizinischen Lehr- und etablierten Standardwerken ihres Fachgebietes. Ihre Behandlungschwerpunkte im Bereich Neurochirurgie und neurochirurgischer Intensivmedizin liegen insbesondere in der Therapie von Hirntumoren der Schädelbasis und Orbita, Gefäßchirurgie und Behandlung von Aneurysmen und Angiomen, der Kinder-Neurochirurgie sowie minimalinvasiver Wirbelsäulenchirurgie. Prof. Schick wird die Therapieoptionen bei Meningeomen und Akustikusneurinomen vorstellen und patientennah erläutern, unter welchen Umständen und zu welchen Bedingungen eine chirurgische Tumorentfernung sinnvoll ist.“

Vortrag:
(in einzelnen Aussagen, so wie ich es mitbekommen habe, KaSy)

Meningeome
Sie sind die häufigsten nichtglialen Hirntumoren.
Die Inzidenz (Anzahl der neu auftretenden Erkrankungen innerhalb einer Personengruppe von bestimmter Größe während eines bestimmten Zeitraums) beträgt 4,5 Neuerkrankte pro 100 000 Personen pro Jahr.
Dass sie bei Frauen öfter vorkommen, liegt daran, dass sie häufig Progesteron-Rezeptoren aufweisen.
Meningeome gehen stets von der Hirnhaut aus. Diese befindet sich an vielen Stellen im Gehirn und daher findet man sie in verschiedenen Hirnbereichen.
Bei genetischen Untersuchungen von Meningeomzellen wurden mehrere verschiedene Auffälligkeiten erkannt. (Ich habe sie nicht alle mitschreiben können. KaSy) Das Methylierungsprofil der Tumorzellen ist stabil und verändert sich auch bei Rezidiven nicht.
In der Diagnostik mit einem CT bzw. MRT werden eine hohe Kontrastmittelaufnahme und häufig Verkalkungen festgestellt.
Bei manchen Patienten treten multiple Meningeome auf, also an verschiedenen Stellen befinden sich gleichzeitig Meningeome. Diese können nahezu überall vorkommen.
Bei den Meningeomen der WHO-Grade I, II und III liegt die 5-Jahres-Überlebensrate bei 73% bis 94%.

Therapie
Vorrangig werden Meningeome operiert, wenn sie benigne sind (WHO-Grad I).
Für die Entscheidung, ob eine Operation durchgeführt wird, ist die Abwägung von Risiko und Nutzen dieser Therapie von Bedeutung. Dabei gehet es um die Größe der Raumforderung, die Symptomatik, den bisherigen Verlauf und den Patientenwunsch.
Bei der Tumorentfernung müssen die Ansatzstelle und die „dural tails“ entfernt werden. (Dural tails sind für Meningeome charakteristische Ausläufer in die Dura. Ihr Vorkommen ist der Grund, warum Teile der Dura = Hirnhaut mit entfernt und in der gleichen Operation ersetzt werden müssen.)
Bei einer Knochenbeteiligung muss auch der Knochen radikal entfernt (und meist in der gleichen Operation ersetzt) werden.
Operationen an Meningeomen dauern viele Stunden.

Bei kleineren Meningeomen ist eine alleinige Bestrahlung mit dem Gamma- oder Cyberknife, auch evtl. als Einzeitbestrahlung möglich.

Postoperative Therapievarianten:
WHO-Grad I :
- nach einer Total-OP:   keine Bestrahlung
- nach einer subtotalen OP:   Beobachtung / fraktionierte Bestrahlung
- bei Drohung einer Sehstörung:   fraktionierte Bestrahlung
WHO-Grad II :
- nach einer Total-OP:   Beobachtung / fraktionierte Bestrahlung
- nach einer subtotalen OP:   fraktionierte Bestrahlung
WHO-Grad III :
- fraktionierte Bestrahlung

Rezidivneigung
benigne Meningeomen mit dem WHO-Grad I:  7% – 20%
Schädelbasismeningeome: 20% - 50%
atypische Meningeome (WHO-Grad II):  29% - 38%
maligne (anaplastische) Meningeome (WHO-Grad III):  50% - 78%

Es gibt keine sinnvolle medikamentöse Therapie
Die Untersuchungen der Wirksamkeit von Medikamenten sind enttäuschend!
Keine Wirkung zeigten Antiöstrogene und Antiprogesterone (= Antihormone)
Hydroxyharnstoff hat eine gewisse Wirkung.
Hydroxy-Urea ist eventuell wirksam.
Nicht wirksam bzw. nicht sinnvoll sind Bevacizumab, Temozolomid, Imatinib, Sandostatin.

Orbita-Meningeome
Diese Tumoren befinden sich in, über, neben, unter oder hinter der Augenhöhle bzw. dem Auge. Für die Entfernung wird ein besonders guter Neurochirurg gebraucht.
Je nach der Lage des Tumors muss der Operateur einen geeigneten Zugang auswählen, der z.B. lateral (seitlich), transkraniell (von oben), transkonjunktival (durch die Bindehaut), supraorbital (im Verlauf der Augenbraue) liegen kann.
Um zum Tumor vorzudringen, muss der Operateur evtl. Knochenteile entfernen, die er später wieder einsetzt und mit Titanplättchen und Titanschräubchen befestigt.

Wenn der Tumor den Sehnervenkanal betrifft, muss dieser Kanal zu seiner Entlastung geöffnet werden, wodurch eine Sehverbesserung eintreten kann.
Ist der Augenmuskelnerv betroffen, kann es eine vorübergehende Störung von bis zu drei Monaten sein oder sie ist dauerhaft.
Ist der anliegende Knochen betroffen, muss er radikal entfernt und ersetzt werden.
Eine komplette Entfernung dieser Meningeome ist schwierig.
Derartige Operationen dauern sehr lange.

Petroclivale Meningeome
Sie sind eine große Herausforderung für den Neurochirurgen und galten lange als inoperabel. Sie wachsen sehr lange symptomlos und können sehr groß werden. Sie befinden sich an der Schädelbasis, an Hirnnerven, am Hirnstamm, an wichtigen Gefäßstrukturen.
Um sie zu entfernen, muss man sorgfältig an diesen wichtigen Bereichen vorbei operieren. Das kann zu möglichen oder sicheren Ausfällen führen. Eine komplette Entfernung wird angestrebt.
Das ist aber nicht immer möglich, wenn durch die OP die Lebensqualität zu sehr eingeschränkt wird.

Akustikusneurinome
Es sind benigne, langsam wachsende Tumoren, die meist einseitig auftreten. Bei Neurofibromatose Typ 2 treten sie beidseitig auf. Sie befinden sich überwiegend im inneren Gehörgang, seltener im Kleinhirnbrückenwikel.

Als Symptome dieser Tumoren können auftreten:
- Schwerhörigkeit für hohe Töne ab 1 kHz
- Tinnitus bei 80% der Patienten
- Gangataxie (gestörte Bewegungskoordination)
- Gleichgewichtsstörungen (inkonstanter Schwankschwindel, dikreter Drehschwindel)
- Doppelbilder
- Übelkeit, Erbrechen
- Liquorstau
Der Abfluss des Liquors = Hirnwasser ist durch den Tumor gestört. Dadurch wird der Hirndruck höher.
Hirndruckzeichen können sein: Übelkeit, Erbrechen, Inappetenz = Appetitlosikeit, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Vigilanzstörung = Störung der Daueraufmerksamkeit, Unruhe, Schlaflosigkeit, unbeeinflussbare unnormale Haltungen der Arme/Hände und Beine/Füße.

- Hirnstammsymptomatik
Pupillenreaktionsstörungen, Nystagmen = unnormale rasche Augenbewegungen, Augenmuskellähmungen, Sprechstörungen, Schluckstörungen, motorische = Bewegungsstörungen, Lähmungserscheinungen

Therapiemöglichkeiten:

„wait and see“:
Während in regelmäßigen mehrmonatigen Abständen MRT-Kontrollen erfolgen, wird geschaut, ob der Tumor wächst, ob er Symptome zeigt oder sie sich verstärken. Es wird  abgewartet, bis eine Therapie angezeigt ist.

Alleinige Strahlentherapie:
Bei kleineren Tumoren ist eine Einzeitbestrahlung mit dem Gamma- oder Cyberknife möglich. Nach dieser kann die Arbeitsfähigkeit spätestens nach einer Woche gegeben sein.
Bei sehr gutem Gehör und nur leichter Hirnstammverlagerung werden größere Tumoren mit einem Linearbeschleuniger fraktioniert (Aufteilung der Gesamtstrahlendosis in einzelne Fraktionen, mit denen über mehrere Wochen arbeitstäglich bestrahlt wird, um das gesunde Hirngewebe zu schonen) stereotaktisch (Fixierung des Kopfes an der Bestrahlungsliege mit einer individuellen Maske oder einem an den Kopf geschaubten Metallrahmen) bestrahlt.

Operation:
Größere und große Akustikusneurinome, die den Hirnstamm verlagern, und kleinere, bei denen Schwindelsymptome und Fallneigung auftreten, werden operiert. Hierbei kann der Neurochirurg einen HNO-Arzt hinzuziehen. Bis zur Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit kann es nach der Operation wenigstens 130 Tage dauern.

Antworten auf Patientenfragen in der Podiumsdiskussion:

Ist eine postoperative Rekonstruktion der Funktionen des Auges möglich?
Den Augenschluss sollte man rasch korrigieren.
Möglich ist eine Unterlidplastik.
Zeitweise kann ein Uhrglasverband getragen werden.
Zehn Jahre nach der Operation ist zu viel Zeit vergangen.

Wie wird verfahren, wenn nach der Bestrahlung noch ein Resttumor vorhanden ist?
Man muss überlegen, ob eine weitere Therapie möglich ist. Bei Wachstum kann bestrahlt werden.

Kann man mit seiner Ernährung Meningeome beeinflussen?
Die Ernährung spielt keine Rolle.

Darf man Hormone nehmen, wenn man ein Meningeom hat?
Wenn die Frage steht, dass zusätzliche Hormone (hormonelle Verhütung, Hormonersatztherapie) verabreicht werden sollen, sollten die Hormonrezeptoren bestimmt werden. Dabei werden häufiger Progesteronrezeptoren als Östrogenrezeptoren gefunden. Sind keine Hormonrezeptoren vorhanden, ist eine Hormonbehandlung möglich.
Die Bestimmung von Hormonrezeptoren ist nur bei entnommenem Tumormaterial möglich. Es muss also eine Operation erfolgt sein. Im Falle von „wait and see“ ist diese Untersuchung nicht möglich.

Muss jedes Meningeom operiert werden?
Es muss nicht jedes entdeckte Meningeom operiert werden. „Wait and see“ ist möglich.
Vor allem, wenn wegen bestimmter Symptome MRT-Untersuchungen erfolgten und dabei zufällig Meningeome gefunden wurden, die nichts mit der Symptomatik zu tun haben, kann man abwarten. Manche Meningeome zeigen im Verlauf in den zunächst 3-6-monatigen MRT-Kontrollen kein Wachstum. Es sollte aber weiterhin jährlich kontrolliert werden. Insbesondere beim Auftreten von Symptomen, für die das Meningeom verantwortlich ist, sollte baldmöglich eine Therapie begonnen werden, da die Veränderungen möglicherweise bleibend sein können. Wie lange eine Person mit dem Zufallsfund eines Meningeoms leben kann, hängt auch von ihrer psychischen Situation ab. Hier ist das Einfühlungsvermögen des Neurochirurgen gefragt, der von einer (noch) unnötigen Operation abrät und gegebenenfalls eine psychotherapeutischen Beratung empfiehlt.

Das wollten unsere Gäste bei den letzten Informationstagen von den Experten wissen
(aus dem Tagungsmaterial der Deutschen Hirntumorhilfe e.V.)

Wie hoch ist das Risiko einer Malignisierung als Folge einer Bestrahlung?
Prof. Dr. Cordula Matthies, Würzburg:
Bei der Bestrahlung der gutartigen Tumoren ist die Sensitivität wahrscheinlich bis zum 40. Lebensjahr am größten. Allerdings sehen wir insbesondere bei Kindern und Jugendlichen, die im frühen Alter eine Strahlentherapie erhalten haben, zehn Jahre oder später häufig Sekundärtumoren oder auch maligne Tumoren. Bei den Akustikusneurinomen und Meningeomen ist die Malignisierung sehr selten; wahrscheinlich sind die Zahlen aber unterschätzt, weil sehr viele mit Gamma-Knife behandelte Patienten nicht langfristig in Kontrolle sind. (…) Abgesehen von der genetischen Disposition kann man bislang keine Faktoren nennen, die mit einem erhöhten Risiko einhergehen; bei einer Neurofibromatose ist das Risiko sicherlich größer.

Welche Behandlungsoptionen gibt es bei einer Faszialislähmung?
Prof. Dr. Cordula Matthies, Würzburg:
Die meisten Faszialislähmungen erholen sich nach einer Operation. Das kann wenige Wochen oder ein bis zwei Jahre dauern. Wenn der Nerv sich überhaupt nicht erholt, sollte man innerhalb der ersten zwölf Monate eine Nervenersatzoperation in Erwägung ziehen. Kann der Nerv in dieser Zeit nicht mit einer solchen Operation versorgt werden, stehen außerdem plastische Möglichkeiten zur Verfügung (…). Weitere Optionen können Muskeltransfers oder Nervenkombinations-Operationen sein.

Welche Rolle spielen Hormonrezeptoren bei Meningeomen?
Prof. Dr. Uta Schick, Münster:
Ein gewisser Anteil der Meningeome weist Progesteron- oder Östrogen-Rezeptoren auf. D.h., diese Tumoren können beschleunigt wachsen, wenn entsprechende Hormonpräparate eingenommen werden. Außerdem ist es möglich, dass ein Meningeom im letzten Drittel der Schwangerschaft, wenn es zu einem massiven Progesteronschub kommt, schneller wächst. Grundsätzlich ist davon abzuraten, Hormonpräparate einzunehmen, wenn dies nicht unbedingt erforderlich ist, z.B. zum Zweck der Verhütung. Im Zweifelsfall sollten die Rezeptoren vom Pathologen bestimmt werden.

Kann man die Sehfunktion während der Operation überwachen?
Prof. Dr. Veit Rohde, Göttingen:
Nein. Hierfür gibt es kein intraoperatives Monitoring. Das heißt, man kann nur die Lage der Sehrinde und damit die Position der Sehfunktion bestimmen, um einen Ausfall zu vermeiden. Allerdings kann man durchaus mit den Patienten darüber diskutieren, ob im Zweifelsfall ein kleinerer Gesichtsfelddefekt zugunsten einer gesteigerten Radikalität der Resektion zu tolerieren ist.

Gibt es Alternativen zur MRT-Verlaufskontrolle mit gadoliniumhaltigem Kontrastmittel?
Prof. Dr. Steffen Rosahl, Erfurt:
Ja, in der Tat. Eine Möglichkeit besteht darin, hochauflösende T2-Aufnahmen anzufertigen, die sich auch für eine Verlaufskontrolle gut eignen.

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« Letzte Änderung: 03. Juni 2019, 23:46:07 von KaSy »
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44. Hirntumor-Informationstag am 4. Mai 2019 in Berlin

5. Medikamentöse Behandlung von Epilepsien

Dr. med. Stefan Stodieck

Evangelisches Krankenhaus Alsterdorf
Chefarztsekretariat Neurologie und Epileptologie
Elisabeth-Flügge-Straße 1
22337 Hamburg
Telefon: 040 / 50 77 42 06
Fax: 040 / 50 77 34 71

Informationen aus dem Tagungsmaterial der Deutschen Hirntumorhilfe e.V.:

„Dr. Stefan Stodieck ist seit August 1998 Chefarzt der Klinik für Neurologie und Epileptologie am Evangelischen Krankenhaus Alsterdorf und verantwortet zudem die ärztliche Leitung des Norddeutschen Epilepsiezentrums Hamburg. Die überregionale Spezialeinrichtung der höchsten Versorgungsstufe wurde von Dr. Stodieck aufgebaut und arbeitet in interdisziplinärer Kooperation mit weiteren anderen Kliniken und Schwerpunktpraxen eng zusammen. Bei vielen Hirntumorpatienten ist ein erstmalig auftretender epileptischer Anfall das erste Krankheitszeichen. Dr. Stodieck erläutert die Grundlagen der medikamentösen Anfallsprävention und -behandlung und gibt praxisnahe Hinweise für den Alltag mit Epilepsie.“

Vortrag:
(in einzelnen Aussagen, so wie ich es mitbekommen habe, KaSy)

Was ist Epilepsie?
Epilepsie ist eine Erkrankung des Gehirns, wenn es mindestens einen epileptischen Anfall gab und eine anhaltende Neigung zu weiteren Anfällen besteht.
Etwa 900 000 Menschen in Deutschland hatten bereits einmalig einen epileptischen Anfall.
In jedem Jahr haben 40 000 Personen erstmalig einen epileptischen Anfall.
Davon sind ein Drittel Kinder und ein Drittel sind älter als 60 Jahre.
10% davon haben nur einmal in ihrem Leben einen solchen Anfall.
5% haben Epilepsie.

Wie verläuft ein epileptischer Anfall?
Ein epileptischer Anfall tritt plötzlich, unerwartet, ohne Auslöser, ohne Vorwarnung auf.
Er dauert 30 Sekunden bis 3 Minuten, selten länger.
Beim gleichen Patienten tritt er stereotyp auf, er hat also immer den gleichen Verlauf.

Bei verschiedenen Patienten sind die Symptome fokaler (fokal = von einem Krankheitsherd ausgehend) Anfälle sehr unterschiedlich.
Symptome fokaler Anfälle:
- Kribbeln, Verkrampfungen, Zuckungen; Ausbreitung von der Hand aus über eine Dauer von 10 Sekunden bis zu 3 Minuten
- Sehen farbiger Bälle, Kreise, Muster (im Gesichtsfeld einseitig, wenn ein Tumor ursächlich ist)
- vom Bauch her aufsteigendes flaues Gefühl
- plötzlicher unangenehmer Geruch
- Erinnerungsbilder, Déjà-vu-Erlebnis (Ursache im Temporallappen)
- Sprachstörungen
- Desorientiertheit
- Benommenheit, Schwindel, „Mir ist irgendwie ganz komisch.“
- areagibel („a-reagibel“; gleichförmiges Verhalten, ohne reagieren zu können): starrer Blick, nesteln, schmatzen

Generalisierter Anfall („Grand mal“ = „großes Übel“):
1. Phase: Versteifung des Körpers (tonische Phase) Es kommt zu einem Sturz.
2. Phase: Der ganze Körper zuckt (klonische Phase), weitere Symptome können hinzukommen.
3. Phase: Nach wenigen Minuten kommt der Patient zu sich und ist meist lange sehr erschöpft.

Hirntumor als Ursache
Die Ursachen epileptischer Anfälle sind zu 8% - 15% Hirntumoren.
Diese werden mitunter durch einen erstmalig auftretenden epileptischer Anfall erst diagnostiziert.

Diese Anfälle sind meist „fokal“. Der Begriff „fokus“ ist als „Brennpunkt“ evtl. bekannt. In der Medizin wird mit „fokus“ ein „Krankheitsherd“ bezeichnet. Dieser ist bei Hirntumorpatienten die Stelle im Gehirn, wo sich der Tumor befindet.
Nach einer Hirntumortherapie können weiterhin oder neu epileptische Anfälle entstehen. Deren Ursache befindet sich in dem Bereich, wo der Tumor war bzw. ein Resttumor ist. Auch  Operationsnarben oder Ödeme im Gehirn können zu Auslösern für Anfälle werden.
Hirntumorpatienten können auch generalisierte Anfälle haben. Diese können aus beginnenden fokalen Anfällen entstehen, wenn sich die Erregung über beide Hirnhälften ausbreitet.


Warum müssen epileptische Anfälle behandelt werden?
Epileptische Anfälle können Verletzungen zur Folge haben.
Vor allem aber führen sie zu Kontrollverlust. Die Gefahr besteht, dass sich die Patienten sozial zurückziehen und in depressive Stimmungen verfallen.
Wer einen Anfall hatte, darf nicht Auto fahren.

Wenn ein Hirntumor nach einem Anfall entdeckt wurde, muss eine Behandlung mit Antikonvulsiva erfolgen. (Der Begriff „Antiepileptikum“ ist falsch.) Es ist nicht sinnvoll, diese Medikamente zu geben, um der Entstehung von Anfällen vorzubeugen!

Der Begriff „antikonvulsiv“ bedeutet „gegen Krämpfe wirksam“. Der Begriff „antiepileptisch“ würde suggerieren, dass mit Medikamenten die Epilepsie geheilt werden kann. Wenn eine Epilepsie besteht, kann sie selbst nicht medikamentös behandelt werden. Die Medikamente hemmen die Erregbarkeit der Neuronen bzw. die Erregungsweiterleitung im Gehirn und wirken unterdrückend gegen epileptische Anfälle.

Nicht jeder Hirntumor erzeugt Anfälle.
Die Anfälle werden durch „Fernwirkungen“ des Tumors ausgelöst, nicht durch den Tumor direkt.
Die Operation eines Tumors, der durch einen Anfall diagnostiziert wurde, erzeugt demzufolge nicht immer Anfallsfreiheit.
Falls man durch die Behandlung mit Antikonvulsiva die Anfälle nicht in den Griff bekommt, kann eine „Anti-Epilepsie-Operation“ helfen, die jedoch umfangreicher ist als die Operation des Hirntumors.

Was sollte man während der Einnahme der Antikonvulsiva beachten?
- Die Medikamente sind dauerhaft, lebenslang und regelmäßig einzunehmen.
- Eine diabetische Erkrankung ist schlecht.
- Sport ist gut.
- Stress ist schlecht.
- Gesunde Ernährung ist gut, ketogene Ernährung hilft nicht.

Welche Medikamente gibt es?
- Es stehen mehr als 25 Medikamente zur Verfügung.
- Sie sind meist gut verträglich.
- Die Verträglichkeit und die Wirksamkeit sind individuell unterschiedlich.
- Sie haben unterschiedliche „Störwirkungen“.
Ich nehme an, dass mit „Störwirkungen“ Nebenwirkungen gemeint sind, die so stark sind, dass das Medikament nicht verwendet werden kann. Bei manchen Patienten treten Nebenwirkungen auf, die wegen Vorerkrankungen unerwünscht sind. Mitunter entstehen erst bei einer bestimmten hohen Dosis Unverträglichkeiten, die zur Dosissenkung oder zum Wechsel des Medikaments führen.
Beispiele könnten sein, dass Patienten, die bereits depressive Stimmungen aufweisen, keine Antikonvulsiva bekommen sollen, die als Nebenwirkung depressiv machen. Patienten, die unter Schwindel und deswegen unter Gangunsicherheit leiden, sollten kein Medikament mit der Nebenwirkung Gangunsicherheit erhalten. Besonders aktiven, leicht erregbaren Patienten darf man keine Medikamente verschreiben, die aggressiv machen.
Hier ist der Neurologe gefragt, der seinen Patienten gut kennen sollte, um das für ihn passende Medikament für die Erstbehandlung auszuwählen.


Die Eigenschaften der Antikonvulsiva sollten sein:
- keine Arzneimittelwechselwirkungen
- schnelle Aufdosierung
- sichere Wirkung
- gute Verträglichkeit
- geringe Risiken und Nebenwirkungen
- günstig für die Stimmungslage
(Dies trifft insbesondere für Hirntumorpatienten zu, da sie häufiger weitere Medikamente nehmen, die ihrerseits Nebenwirkungen haben, und sie sich ohnehin in einer psychisch schwierigen Lage befinden können.)

Beispiele:
- Levetiracetam hat eine rasche Wirkung, kann die Reizbarkeit erhöhen, evtl. zu Depressionen führen.
- Lamotrigin hat wenige Arzneimittelwechselwirkungen. Die Aufdosierung dauert aber 2-3 Monate. Es ist gut für die Stimmung und die Kognition.
- Lacosamid kann Gangunsicherheit erzeugen.
- Valproat hat möglicherweise Wechselwirkungen mit Temozolomid, die man beachten sollte. Es hemmt eventuell das Tumorwachstum.
- Pregabalin (als Zusatztherapie) verbessert den Schlaf.

Wie handelt man im Notfall bei einem Grand mal?
Man macht am besten nichts.
Man sollte auch nichts in den Mund stecken.
Bei bekannter Epilepsie ist ein Transport in ein Krankenhaus nicht erforderlich.

Midazolam kann Kindern (bis 18 Jahre) als Flüssigkeit auf die Mundschleimhaut gegeben werden.

Lorazepam (= Tavor expidet, 2,5 mg) kann auf die Zunge gelegt werden. Es wirkt jedoch nicht rasch genug. Es macht 24 Stunden lang müde und man darf am kommenden Tag nicht Auto fahren. Es macht abhängig.

Epilepsie und Führerschein?
Nach einem Jahr Anfallsfreiheit mit oder ohne Therapie darf man wieder Auto fahren.
Bei leichten Anfällen ohne Bewusstseinsverlust, ohne Einschränkung des Reaktionsvermögens, ohne motorische Beeinträchtigung sollte man auch ein Jahr lang nicht Auto fahren.

Konkretere Angaben für Privat- und Berufskraftfahrer stehen in unserem Forum beim Thema „Neurologie / Epilepsie“.

Antworten auf Patientenfragen in der Podiumsdiskussion:

Ist eine Aphasie auch ein Anfall?
Wenn die Zeitdauer des Sprechverlustes kurz ist, kann es sich um einen Anfall handeln.
Man sollte ein CT, ein EEG oder andere Untersuchungsverfahren durchführen.
Bei einem Hirntumorpatienten können auch andere Medikamente ursächlich sein.

Lässt die Wirksamkeit der Medikamente nach?
Die Wirksamkeit lässt nicht nach.
Wenn Anfälle trotz gleichbleibender Medikation häufiger oder stärker werden, ist das aber auch nicht unbedingt ein Zeichen dafür, dass der Tumor wächst.
Die Anfälle können sich im Verlauf von Jahren ändern, meist werden sie schlimmer.

Wann kann man die Medikamente absetzen?
Nur im Ausnahmefall dürfen die Medikamente abgesetzt werden.
Wenn man nie einen Anfall hatte, sind keine Medikamente nötig.
Wenn man nur leichte Anfälle hat, muss nicht unbedingt eine Medikation erfolgen.
Prophylaktisch ist keine Medikation erforderlich.

Wenn man keine Anfälle mehr hat, kann man dann die Medikamente absetzen?
Falls es tatsächlich zu einer Komplett-Remission kommt, kann getestet werden, ob man die Medikamente ganz absetzen kann.
Bei einer Verringerung der Dosis bzw. beim völligen Absetzen besteht jedoch wieder das einjährige Autofahrverbot.
Bei guter Verträglichkeit sollte man die Medikamente weiter nehmen.

Warum muss man ein ganzes Jahr anfallsfrei sein, um wieder Auto fahren zu dürfen?
Das eine Jahr ist eine Norm. Man sollte nicht schon früher wieder fahren, nur weil man keine Anfälle mehr hat.
Der Versicherungsschutz kann erlöschen, falls man durch einen Anfall einen Unfall verursacht. Das Führen eines PKW stellt viel höhere Ansprüche an den Fahrer und ist nach längerem Nichtfahren mit erhöhtem Stress verbunden. Es möchte sicher niemand für den Tod eines Menschen verantwortlich sein, nur weil man selber das „eine Jahr“ nicht beachten wollte.

Bewirken Antikonvulsiva bei jahrelanger Einnahme Schäden?
Die neueren Medikamente sind für den Dauergebrauch geeignet und haben keine Langzeitschäden zur Folge.

Wie hoch ist die minimale Dosis der Antikonvulsiva?
Das muss individuell erprobt werden.
(siehe weiter unten)

Darf man mit Epilepsie mit dem Flugzeug fliegen?
Das ist von ärztlicher Seite her möglich. Man sollte aber die Bedingungen der jeweiligen Fluggesellschaft beachten. Für die im Handgepäck mitgeführten Medikamente muss man besondere Verordnungen bei sich führen.

Hat Valproat nur die genannten Vorteile?
Valproat hat auch Nachteile.
(siehe weiter unten)

Ist Cannabis gegen Anfälle wirksam?
Cannabis ist mäßig wirksam.
Es verstärkt die Wirkung anderer Medikamente.
Es macht müde.
Es gibt dazu eine sehr schlechte Studienlage.
Eigentlich ist es gegen Anfälle nicht einsetzbar.

Das wollten unsere Gäste bei den letzten Informationstagen von den Experten wissen
(aus dem Tagungsmaterial der Deutschen Hirntumorhilfe e.V.)

Können durch antikonvulsive Medikamente Langzeitschäden entstehen?
Prof. Dr. Uwe Schlegel, Bochum:
Langzeitschäden sind nicht zu befürchten. Es gibt aber akute Nebenwirkungen, die vor allem in den ersten Wochen der Behandlung auftreten. Zusätzlich muss man beachten, dass insbesondere das Medikament Valproat ab einer Dosierung von 800 mg Fehlbildungen an Föten verursachen kann. Levetiracetam und Lamotrigin sind dagegen wahrscheinlich unbedenklich.

Müssen bei der Diagnose eines malignen Glioblastoms dauerhaft Antikonvulsiva eingenommen werden, wenn es nur zu einem präoperativen Anfall kam?
Prof. Dr. Uwe Schlegel, Bochum:
Das individuelle Risiko für weitere Anfälle kann nicht sicher bestimmt werden. Auch gesunde Personen ohne epileptische Anfälle haben mitunter im EEG epilepsietypische Potenziale, andererseits haben Personen mit Epilepsie zum Teil ein unauffälliges EEG. Das heißt, man kann das Risiko kaum beziffern. Es kommt sicherlich auch darauf an, ob und welche Nebenwirkungen durch die Medikamente auftreten. Daraufhin muss man eine individuelle Entscheidung treffen, ob das Medikament abgesetzt werden kann.

Wie kann ich erkennen, dass die Antikonvulsiva-Therapie richtig dosiert ist?
Prof. Dr. Hajo Hamer, Erlangen:
Die richtige Dosis ist die, die anfallsfrei macht und keine oder kaum Nebenwirkungen mit sich bringt. An diese muss man sich eventuell schrittweise herantasten.

Kann die Einnahme von Levetiracetam Wesensveränderungen bewirken?
Prof. Dr. Hajo Hamer, Erlangen:
Unter Levetiracetam erleben 20-30% aller Menschen eine gesteigerte Impulsivität; es kann also passieren, dass man schneller aus der Haut fährt. Und das kann Beziehungen belasten und ein Grund sein, die Dosis zu verändern oder das Medikament zu wechseln. Andererseits sollte man wissen, dass Levetiracetam auch depressiv machen oder depressive Verstimmungen verstärken kann.

Kann man Anfälle vorhersagen und gibt es eine Primärprophylaxe?
Prof. Dr. Hajo Hamer, Erlangen:
Nicht jeder Tumor verursacht eine Epilepsie. Man kann eine solche nicht primär verhindern. Erst wenn ein Anfall auftritt, kann eine entsprechende Therapie beginnen. Mittels eines EEG kann man nicht vorhersagen, ob, wann oder warum Anfälle auftreten; man kann lediglich feststellen, dass eine Epilepsie vorliegt und wo sie ist. Wenn Sie keine Anfälle haben, müssen Sie keine Medikamente gegen eine Epilepsie nehmen.

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44. Hirntumor-Informationstag am 4. Mai 2019 in Berlin

6. Langzeitüberleben mit Glioblastom: Realität oder Fiktion?

Dr. med. Caroline Hertler

Universitätsspital Zürich
Kompetenzzentrum Palliative Care USZ
Rämistrasse 100
8091 Zürich
Schweiz
Telefon: 041 / 44 / 255 35 35

Informationen aus dem Tagungsmaterial der Deutschen Hirntumorhilfe e.V.:

„Dr. med. Caroline Hertler ist Oberärztin des Kompetenzzentrums Palliative Care der Klinik für Radio-Onkologie am Universitätsspital Zürich. In enger Zusammenarbeit mit dem assoziierten Hirntumorzentrum des Tumorzentrums Zürich ist Dr. Hertler insbesondere in die interdisziplinär ausgerichtete Betreuung von Glioblastom-Patienten involviert. Neben der Beteiligung an zahlreichen richtungsweisenden klinischen Studien gilt ihr neuroonkologisches Forschungsinteresse zudem einer optimalen, Lebensqualität sichernden Begleittherapie. Zusammen mit Prof. Dr. Michael Weller leitet sie die aktuell laufende, retrospektive EORTC-1419-Studie, in deren Rahmen international generierte Datensätze von Langzeitüberlebenden gesammelt und ausgewertet werden. Auf dem Hirntumor-Informationstag wir Dr. Hertler einen Einblick in die Arbeit der Forschungsgruppe geben und erste Zwischenergebnsisse präsentieren.“ 

Vortrag:
(in einzelnen Aussagen, so wie ich es mitbekommen habe, KaSy)

Das Langzeitüberleben von Glioblastom-Patienten geht in der Regel mit neuro-kognitiven Einschränkungen einher.


Ergebnis einer kleinen Studie
Es wurde eine kleine Studie mit langzeitüberlebenden Glioblastom-Patienten durchgeführt.

An dieser waren 55 Patienten beteiligt, die alle älter als 36 Jahre waren und in Geschlecht, Ausbildung, Beruf, Begleiterkrankungen, Familiengeschichte ähnlich waren.

Eine Ursache für deren Langzeitüberleben war nicht zu finden.

In der Studie wurden die folgenden Besonderheiten der Genetik der Tumorzellen festgestellt:
Der Wachstumsrezeptor EGFR (Epidermal Growth Factor Receptor) kam mit 26% bei den Langzeitüberlebenden weniger vor als in der Kontrollgruppe, wo er 44% betrug. Für p53 * war es ähnlich. Die 1p/19q-Deletion kam in den Tumorzellen weniger vor.
Das MGMT-Gen, also die MGMT-Promoter-Methylierung, kam mit 74% bei den Langzeitüberlebenden häufiger als in der Kontrollgruppe vor, wo er 43% betrug. Die IDH1-Mutation in den Tumorzellen kam häufiger vor.

*Von p53 hatte ich zuvor noch nicht gehört oder gelesen und habe mich damit unter Verwendung des DocCheckFlexikons aus dem Internet beschäftigt. Ich denke mir das nun so und hoffe, dass ich es richtig erkläre:

Das p53-Protein besitzt die Fähigkeit, den Zellzyklus (den Vorgang der Zellteilung) zu unterbrechen und damit die Proliferation (die beschleunigte Zellteilung) einer genomisch suspekten oder entarteten Zelle (z.B. einer Krebszelle) zu verhindern. Die Zelle hat dadurch mehr Zeit, die DNA-Schäden zu reparieren oder bei nicht korrigierbaren Fehlern des Genoms den programmierten Zelltod (= Apoptose) einzuleiten.

Bei einem hohen Anteil der Tumorerkrankungen kommt dieses p53-Protein in mutierter Form vor.  Diese p53-Mutation kann also nicht mehr bewirken, dass die entartete Zelle sich selbst zerstört. Demzufolge kann die unerwünschte Zellteilung rascher erfolgen, wenn der Anteil der p53-Mutationen in den Tumorzellen höher ist.

In diesem Fall wirken übrigens auch die Strahlentherapie und die Chemotherapie weniger gut. Diese Therapien haben ja das Ziel, die DNA der Tumorzellen zu schädigen und ihren Zelltod einzuleiten. Dabei müsste das p53-Protein mitwirken. Als p53-Mutation ist es aber wirkungslos. Die Zellteilung findet also trotz dieser Therapien weiterhin statt. Sie wird bestenfalls verlangsamt.

Wenn in den Tumorzellen aber nicht so viele wirkungslose p53-Mutationen vorhanden sind, gibt es also mehr wirksame p53-Proteine und dadurch ist die Fähigkeit der entarteten Tumorzellen größer, ihre DNA-Schäden zu reparieren oder, falls dies nicht möglich ist, ihren eigenen Zelltod einzuleiten.

Kurz gesagt: Je weniger p53-Mutationen, um so langsamer wächst der Tumor und umso länger überlebt der Patient.

Insofern bin ich mir einigermaßen sicher, dass Dr. Hertler in ihrer Aussage von p53-Mutationen sprach, die in den Tumorzellen Langzeitüberlebender weniger vorkommen.



Eine riesige Untersuchung ...
Um komplex die Voraussetzungen für das Langzeitüberleben von Glioblastom-Patienten zu finden, muss eine riesige Untersuchung stattfinden.

Dabei müssen sehr viele Voraussetzungen erfragt, berücksichtigt und untersucht werden:

Krankheitsverlauf:
Alter über 18 Jahre
mehr als 5 Jahre Überleben
Histologie des Tumorgewebes
alle MRT-Aufnahmen im Verlauf der Zeit
alle erfolgten Therapien
auch Komplementärtherapien

persönlicher Bereich:
Familie (Zusammenleben, Vater, Mutter, Geschwister, deren Vorerkrankungen, Wohnung, ...)
eigenes Leben (Kindheit, schulische Entwicklung, Freizeitgestaltung, ...)
Ernährung (Muttermilch, Art der Ernährung in der Kindheit, Jugend, später, ...)
vorherige und Begleiterkrankungen
Urlaub (Orte, Reisen dorthin, Dauer, Häufigkeit, ...)
Impfungen
Umwelteinflüsse


Erste Ergebnisse:
Ein höherer Anteil der Langzeitüberlebenden weist die folgenden Merkmale auf:
75,9% mit (methyliertem) MGMT-Promoter
29,3% mit IDH-Mutation
53% jüngere Patienten (unter 60 Jahre)
68,8% mit einem höheren Resektionsausmaß

Die Untersuchung, ob die Anzahl der Rezidive eine Ursache für das längere Überleben sein kann, führte zu keinen wesentlichen Unterschieden!

Antworten auf Patientenfragen in der Podiumsdiskussion:

Ändern sich die genetischen Marker im Laufe der Erkrankung?
Die Marker ändern sich eher nicht.
Die Feststellung des Vorhandenseins und des Anteils der genetischen Marker ist aber auch abhängig vom vorhandenen Zellschnitt, der für die histologische Untersuchung zur Verfügung steht.

Ab wann gilt man als Langzeitüberlebender?
Das können bereits 2 Jahre oder 5 Jahre oder längere Zeitdauern sein.
Es gibt dafür keine festgelegte Zahl.

Das wollten unsere Gäste bei den letzten Informationstagen von den Experten wissen
(aus dem Tagungsmaterial der Deutschen Hirntumorhilfe e.V.)

Können sich molekulare Marker wie die MGMT-Promoter-Methylierung, die IDH1-Mutation oder die 1p/19q-Kodeletion im Verlauf der Krankheit verändern?
Prof. Dr. Michael Weller, Zürich:
Es gibt krankheitsdefinierende Mutationen, die sich vermutlich niemals ändern. Dazu gehören insbesondere IDH-Mutationen und die 1p/19q-Kodeletion, die in der neuen WHO-Klassifikation auch als diagnosebestimmende Mutationen eingeführt wurden. Bei der MGMT-Promoter-Methylierung sieht es komplizierter aus, weil es sich bei der Bestimmung dieses Markers nicht um einen „Schwarz-Weiß-Befund“ handelt wie bei den anderen Markern. Die meisten Untersuchungen zur MGMT-Promoter-Methylierung legen aber nahe, dass dieser Marker im Tumor gleichmäßig ausgeprägt ist und sich im Krankheitsverlauf nur sehr selten ändert.

Wie oft sollte eine MRT-Verlaufskontrolle durchgeführt werden?
Prof. Dr. Peter Hau, Regensburg:
Eine mögliche Richtlinie lautet bei Grad-IV-Tumoren eine Bildkontrolle alle zwei Monate, bei Grad-III-Tumoren alle drei Monate und bei Grad-II-Tumoren alle vier Monate. Nach einer gewissen Zeit können die Abstände vergrößert werden. Allerdings sollten die MRT-Kontrollen lebenslang weitergeführt werden, weil das Rezidivrisiko nie völlig verschwindet.

Gibt es Langzeitüberlebende mit der Diagnose Glioblastom?
Prof. Dr. Walter Stummer, Münster:
Ja. Wichtig ist die Erkenntnis, dass darunter auch Patienten sind, die zum Teil mehrfach operiert wurden. Ein Rezidiv bedeutet nicht unweigerlich einen schlechten Verlauf. Es lohnt sich zu kämpfen.

KaSy (kursiv gedruckte Textteile von KaSy)
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7. Rezidivtherapie: Was, wenn der Tumor wiederkommt?

Prof. Dr. med. Jörg-Christian Tonn

Neurochirurgische Klinik und Poliklinik
Klinikum der Universität München
Großhadern
Marchioninistraße 15
81377 München
Telefon: 089 / 44 007 2591
Fax: 089 / 44 007 2592

Informationen aus dem Tagungsmaterial der Deutschen Hirntumorhilfe e.V.:

„Prof. Dr. med. Jörg-Christian Tonn ist langjähriger Direktor der Neurochirurgischen Universitätsklinik der LMU München Großhadern. Zu seinen Behandlungsschwerpunkten gehören u.a. Schädelbasistumoren und Tumoren der Wirbelsäule. Sein Forschungsinteresse gilt insbesondere der klinischen und experimentellen Neuroonkologie. In seiner täglichen Behandlungspraxis ist Prof. Tonn vielfach mit der Betreuung von Hirntumorpatienten betraut. Auf dem Hirntumor-Informationstag gibt der Experte Auskunft über Behandlungsoptionen der Rezidivsituation und erläutert Chancen und Risiken von Re-Operation und Re-Bestrahlung.“

Vortrag:

Rezidiv oder Pseudoprogression?

Veränderungen in der MRT-Bildgebung, die auf ein Rezidiv hinweisen, können auch auf eine andere Ursache zurückzuführen sein, etwa eine Vernarbung oder eine Entzündungsreaktion. Vor allem während der ersten drei Monate nach einer Radiochemotherapie ist es nicht sicher möglich, durch die Bildgebung ein Tumorrezidiv von einer therapiebedingten Veränderung, einer sogenannten Pseudoprogression, zu unterscheiden. In dieser Situation wiederholt man die MRT-Kontrolle vier Wochen später oder veranlasst eine histologische Untersuchung. Ist die Kontrastmittelaufnahme nach vier Wochen nicht mehr zu sehen, handelt es sich um eine Pseudoprogression und die Therapie kann wie geplant weiterlaufen. Bleiben Unsicherheiten bestehen, kann heute vielerorts eine FET-PET, eine nuklearmedizinische Untersuchungsmethode, durchgeführt werden. Dadurch können Tumorrezidiv, eine unspezifische Veränderung oder Narbengewebe gut voneinander abgegrenzt werden. Zudem hilft das FET-PET bei der Planung einer Operation oder Strahlentherapie.
Kann anhand der Bildgebung nicht zweifelsfrei geklärt werden, ob ein Rezidiv vorliegt oder nicht, muss eine histologische Sicherung durch eine Operation oder eine stereotaktische Serienbiopsie erfolgen.
Meningeome ändern sich nach der Operation und der Strahlentherapie und ähneln dann Rezidiven, sie sind aber keine. (KaSy)

Individuelle Entscheidung notwendig

Danach stellt sich die Frage: Was ist die beste Therapieoption im Falle eines bestätigten Rezidivs? Da es keine einheitlichen Empfehlungen zur Rezidivtherapie von Gliomen gibt, sollten grundsätzlich sowohl eine erneute OP, Strahlentherapie oder Chemotherapie als auch experimentelle Verfahren in Erwägung gezogen werden. Zusätzlich ist an eine palliative Begleitung zu denken, von der Patienten zu jedem Zeitpunkt profitieren und die daher eigentlich von Beginn an in die Therapie einbezogen werden sollte.
Die palliative Begleitung bedeutet nicht, dass „es dem Ende zugeht“, sondern sie führt zu längerem Überleben, teilweise sogar ohne Medikation. (KaSy)
Eine Operation kommt dann in Betracht, wenn der klinische Zustand des Patienten dadurch verbessert oder mindestens erhalten und eine komplette Entfernung des sichtbaren Tumors erreicht werden kann. Zudem sollten im Rahmen eines im Tumorboard festgelegten Therapiekonzepts weitere adjuvante Therapien, z.B. eine Re-Bestrahlung oder eine erneute Chemotherapie erfolgen. Der Nutzen einer alleinigen Re-Operation ist dagegen begrenzt, vor allem dann, wenn nur eine Teilresektion des Tumors möglich ist.

Re-Bestrahlung als Mittel der Wahl

Ist das Tumorrezidiv kleiner als 6 cm im Durchmesser und liegt die erste Strahlentherapie mindestens 6 Monate zurück – dann ist eine Re-Bestrahlung mit 36 bis 38 Gy eine sinnvolle Option. Eine andere Form der Strahlentherapie, die nicht perkutan, also von außen mittels einer Strahlenkanone erfolgt, ist die Brachytherapie mit Jod-Seeds. Diese kleinen Kapseln sind in etwa so groß wie ein Reiskorn und mit dem Radionuklid Jod-125 gefüllt. Sie verbleiben über eine Dauer von 20 bis 22 Tagen im Tumor und geben dort lokal eine sehr hohe Strahlendosis von 200 Gy ab. Die Dosis fällt in die Peripherie sehr schnell ab, so dass das umgebende Gewebe nicht geschädigt wird. In der Praxis zeigen sich gute Ergebnisse mit dieser Behandlung, die allerdings nur bei kleinen Läsionen unter 3 cm anwendbar ist. Die Brachytherapie kann auch dann eingesetzt werden, wenn zuvor bereits eine perkutane Strahlentherapie erfolgt ist.
Die Brachytherapie ist wiederholt anwendbar. Die sehr hohe Dosis von bis zu 200 Gy zerstrahlt in der Umgebung alle Zellen, zwischen gesunden und Krebszellen wird nicht unterschieden. (KaSy)

MGMT-Status entscheidend für erneute Chemotherapie

Im Hinblick auf die Chemotherapie im Rezidivfall hat die DIRECTOR-Studie gezeigt, dass der Nutzen entscheidend vom MGMT-Status abhängt. Liegt im Tumor eine Methylierung des MGMT-Promoters vor, profitieren die Patienten von einer erneuten Chemotherapie, wobei das jeweilige Schema (also eine Einnahme an 7 von 14 Tagen oder an 21 von 28 Tagen) keine Rolle spielt. Wichtig ist aber, dass der Progress nicht unter einer Temozolomid-Therapie aufgetreten ist, denn dies zeigt das Therapieversagen des Medikamentes an. Alternativ zum Temozolomid kann die erneute Chemotherapie auch mit Lomustin erfolgen.
Bevacizumab (Avastin©) schließt die Blut-Hirn-Schranke, wodurch das Kontrastmittel nicht aufgenommen wird, der Tumor ist aber immer noch da. (KaSy)

Antikörper verbessert Ergebnisse der Chemotherapie

Hinweise auf eine Wirksamkeit in der Rezidivtherapie des Glioblastoms liegen mittlerweile für den Einsatz von Depatux-M vor. Der im Rahmen einer Phase-II-Studie eingesetzte monoklonale Antikörper richtet sich spezifisch gegen das gehäuft in Tumorzellen vorzufindende Protein EGFR. Damit gehört die Behandlung in das Spektrum der Immuntherapien. In der Studie führte die Kombination von Depatux-M und Temozolomid zu einem maßgeblichen Überlebensvorteil gegenüber einer Behandlung mit Temozolomid oder Lomustin allein. Dieser Effekt zeigte sich nur im Kombinationsarm, das heißt, Depatux-M allein war nicht besser als eine erneute Chemotherapie. Schaut man noch genauer in die Ergebnisse der Studie, zeigt sich, dass nur die Patienten deutlich von der Kombination von Depatux-M und Temozolomid profitieren, bei denen zwischen der letzten Gabe von Temozolomid und dem Auftreten des Rezidivs mindestens vier Monate lagen. Die Ergebnisse sind jedoch auch insofern ermutigend, da der Effekt der Kombination nicht vom MGMT-Status abhängt – methylierte und nichtmethylierte Patienten profitierten gleichermaßen.

Kein Nutzen der Elektrohaube beim Glioblastomrezidiv

Auch elektromagnetische Wechselfeldern wurden in der Rezidivtherapie getestet. Die sogenannten Tumortherapiefelder (TTF), die über Elektroden abgegeben werden, welche dauerhaft auf die kahl rasierte Kopfhaut geklebt werden müssen, sollten die Zellteilung hemmen. Der Effekt dieser physikalischen Methode wurde für das Glioblastomrezidiv in der klinischen Studie mit einer erneuten Chemotherapie verglichen. Die Ergebnisse beider Gruppen zeigten keine Unterschiede. Das heißt, dass die Behandlung des Glioblastoms mit TTF im Rezidivfall versagt hat, zumal die Patienten unter TTF mit erheblichen Einschränkungen im Alltag konfrontiert werden.

Licht gegen Tumorzellen

Die photodynamische Therapie mit der Aminosäure 5-ALA beruht darauf, dass sich diese nach oraler Gabe verstärkt in Tumorzellen anreichert und dort zu dem fluoreszierenden Molekül Protoporphyrin IX umgewandelt wird. Wird dieses Protoporphyrin IX mit Weißlicht beleuchtet, zerfällt es in freie Radikale, die zu einer Schädigung der Tumorzellen führen. Diese Beleuchtung erfolgt während der Tumoroperation über Lichtsonden. Die Freisetzung der freien Radikale stimuliert wiederum eine Immunantwort des Patienten, wodurch weitere Reaktionen gegen die Tumorzellen in Gang gesetzt werden können.

Fazit

Besteht der Verdacht eines Tumorrezidivs, sollten die diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen bezogen auf die individuelle Situation des Patienten ausgeschöpft werden. Hierbei kann grundsätzlich auf alle Verfahren zurückgegriffen werden, die auch bei der Erstdiagnose zum Einsatz kommen. Im Zusammenhang mit neueren Therapieansätzen ergeben sich daraus vielfältige Möglichkeiten, ein Tumorrezidiv erfolgreich zu behandeln.“

© 22.05.2019 bdr, Deutsche Hirntumorhilfe e.V., Forum der Deutschen Hirntumorhilfe e.V.
(Kursiv gedruckte Ergänzungen von KaSy)

Antworten auf Patientenfragen in der Podiumsdiskussion:

Wenn man ein Rezidiv hat, wann sollte man es operieren lassen?
Gleich!
Nicht erst, wenn Symptome auftreten.
Je kleiner das Rezidiv ist, umso besser gelingt die Operation und umso bessere Ergebnisse erbringt eine Bestrahlung.

Wenn man nach einem Ersttumor später ein Rezidiv hat, ändert sich dann der WHO-Grad?
Der WHO-Grad wird oft höher.

Ist es sinnvoll, bei einem WHO-Grad-II-Meningeom ein PET-CT durchführen zu lassen?
Ein PET-CT* ist in diesem Fall sehr sinnvoll, da in WHO-Grad-II-Meningeomen auch WHO-III-Zellen enthalten sein können.
Ein PET-CT ist eine Kombination aus Positronen-Emissions-Tomographie (PET) und Computertomographie (CT) in einem Gerät.
Bei Meningeomen wird Gallium68-DOTATATE genutzt, um die Zellen mit einer erhöhten Stoffwechselaktivität zu markieren. Dieses Mittel wird in einer geringen Dosis etwa 90 min vor der Untersuchung intravenös gespritzt und verteilt sich dann im Körper. Es ist eine radioaktive Substanz mit einer Halbwertzeit von 90 min, die innerhalb der folgenden Stunden zerfällt.

Warum haben histologische Untersuchungen mitunter keine eindeutigen Ergebnisse?
Diese Untersuchungen sind schwierig, da es auf die Zellschnitte ankommt, die dem Pathologen vorliegen.
Tumoren sind nicht immer ausschließlich einer Tumorart zuzuordnen, es können Zellen verschiedener Arten und mit unterschiedlichen Eigenschaften vorkommen.

Kann man herausbekommen, ob es sich um ein Rezidiv oder um Narben oder Nekrose handelt?
Das ist im PET-CT eindeutig erkennbar.
Allerdings stehen PET-CTs noch nicht überall zur Verfügung.
Nur im Zweifelsfall sollte das MRT durch eine PET-CT-Untersuchung ergänzt werden.
Ist das MRT eindeutig, ist kein PET-CT nötig.

Bedeutet eine Kontrastmittelaufnahme im MRT immer ein Rezidiv?
Es kann ein neuer Tumor sein oder auch nicht.

Wird ein PET-CT von den Krankenkassen bezahlt?
Wenn der Arzt eine Begründung schreibt, dann ja.

Ist der Einsatz von Bevacizumab in der Rezidiv-Therapie sinnvoll?
In der Rezidivtherapie ist es möglich, Bevacizumab einzusetzen, eventuell auch sinnvoll, wenn gar nichts anderes mehr möglich ist.
Im MRT ist der Tumor dann nicht mehr zu sehen, weil Bevacizumab die Blut-Hirn-Schranke schließt.
Es gibt Hinweise, dass Bevacizumab zu einer Rückbildung bestrahlungsbedingter Nekrosen führen könnte.
Vereinzelt entstanden unter Bevacizumab bei Bestrahlungen im Gehirn Wundheilungsstörungen bei bereits verheilten OP-Narben, seltener auch Blutungen im Hirn.

Welche Therapie wird für Oligodendrogliome angewandt?
Der heutige Standard ist bereits bei der Erstdiagnose eine Operation mit nachfolgender Kombination aus Radio- und Chemotherapie, da vermehrt Rezidive beobachtet wurden.

Wie erkennt und unterscheidet man Hirnmetastasen?
Sie sind im PET-CT eindeutiger erkennbar.
Behandeln kann man kleine Metastasen mit Einzeitbestrahlungen.

Das wollten unsere Gäste bei den letzten Informationstagen von den Experten wissen
(aus dem Tagungsmaterial der Deutschen Hirntumorhilfe e.V.)

Welchen Nutzen hat eine erneute Operation bei einem zweiten oder dritten Rezidiv eines Glioblastoms?
PD Dr. Mario Löhr, Würzburg:
Dies wird unterschiedlich eingeschätzt. Wir favorisieren in vielen Fällen Re-Operationen, auch wenn hierzu derzeit kein wirklich guten prospektiven Daten vorliegen. Es gibt aber eine ganze Reihe retrospektiver Untersuchungen, die nahelegen, dass durch eine Re-Operation tatsächlich die Prognose bei Glioblastomen verbessert werden kann. Wenn ein Patient in gutem Zustand ist und durch den Eingriff kein schwerwiegender Schaden zu befürchten ist, dann sollte man eine weitere Operation in Erwägung ziehen.

Sollte der molekulargenetische Befund abgewartet werden, bevor mit einer Therapie begonnen wird?
Prof. Dr. Gabriele Schackert, Dresden:
Die Molekulargenetik ist zuverlässiger als die Pathologie. Zur vollständigen Diagnose gehören heute aber beide Komponenten. Die Therapieentscheidung sollte auf Basis der integrierten Diagnose getroffen werden, d.h., sowohl das Ergebnis der Histologie als auch das der Molekulargenetik sollten vorliegen.

Wann führt man ein FET-PET durch?
Prof. Dr. Jörg-Christian Tonn, München:
Wir machen ein FET-PET, wenn wir befürchten, dass der Tumor bereits bestimmte Strukturen infiltriert hat oder noch an anderer Stelle sitzt als dort, wo eine Kontrastmittelaufnahme zu sehen ist. Bei einem Rezidiv führen wir ein FET-PET häufiger durch. Eine der Domänen dieser Untersuchung ist die Unterscheidung der echten Rezidive von den sogenannten Pseudorezidiven, welche nicht nur nach Radio-Chemo-Therapie, sondern auch nach lokalen Bestrahlungen auftreten können. Immer wenn wir im Zweifel sind, ob es sich wirklich um ein Rezidiv handelt, machen wir die PET-Untersuchung.

Sollte man vor einer Rezidiv-Operation immer eine Biopsie machen?
Prof. Dr. Jörg-Christian Tonn, München:
Die Biopsie hat dann ihren Stellenwert, wenn die Resektion des Rezidivs nicht zur Diskussion steht und vom Ergebnis der Biopsie eine Behandlungskonsequenz abhängt, z.B. eine Re-Bestrahlung. Wenn man aber an neue Behandlungsmöglichkeiten der „targeted therapy“ denkt, kann es sein, dass zukünftig auch bei Rezidiven häufiger Biopsien durchgeführt werden, um festzustellen, ob ein Patient für eine spezielle zielgerichtete Therapie infrage kommt.

KaSy (kursiv gedruckte Textteile von KaSy)
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44. Hirntumor-Informationstag am 4. Mai 2019 in Berlin

8. Stellenwert der immuntherapeutischen Konzepte und von Cannabis in der Hirntumortherapie

PD Dr. med. Marcel Alexander Kamp[/u]
Universitätsklinikum Düsseldorf
Moorenstraße 5
40225 Düsseldorf
Telefon: 0211/ 81 00
Fax: 0211/ 81 04 855

Informationen aus dem Tagungsmaterial der Deutschen Hirntumorhilfe e.V.:

„PD Dr. med. Marcel Alexander Kamp ist Oberarzt an der Neurochirurgischen Klinik des
Universitätsklinikums Düsseldorf. Sein Behandlungsschwerpunkt und Forschungsinteresse liegt im Bereich der Neuroonkologie. In seinem Vortrag wird Dr. Kamp aufzeigen, welchen Stellenwert immuntherapeutische Konzepte in der Hirntumortherapie derzeit einnehmen, mögliche Entwicklungen skizzieren und erläutern, von welchen Therapieoptionen Patienten bereits heute profitieren. Der zweite Teil des Vortrags ist der Frage gewidmet, ob und inwiefern die Anwendung von Cannabinoiden in der Hirntumortherapie sinnvoll sein kann.“

Vortrag:
(in einzelnen Aussagen, so wie ich es mitbekommen habe, KaSy)

Es wird an einer Impfung gegen maligne Gliome geforscht.

Hilft eine Impfung gegen maligne Gliome? Das wäre prinzipiell möglich, indem man eine „T-Killerzelle“ aus Anti-Genen, das sind veränderte Tumor-Eiweiße, in die Tumorzelle einschleust und so den Tod der Tumorzelle bewirkt.

T-Zellen gehören zur Zellgruppe derLymphozyten. Sie werden bereits in der vorgeburtlichen Zeit erzeugt. Sie spielen eine wichtige Rolle im menschlichen Immunsystem.
Das "T" in T-Zelle steht für Thymus, wo die „Ausdifferenzierung“ der Zellen stattfindet.
Das bedeutet, dass von allen (100 %) entstandenen T-Zellen alle die (90 %) aussortiert werden, die auf körpereigene Eiweiße reagieren würden und damit dem eigenen Körper Schaden zufügen würden. Letzteres bezeichnet man als Auto-Immun-Reaktion.
Übrig bleiben die (10 %) T-Zellen, die körperfremde Eiweiße erkennen. Diese fremden Gene, also Anti-Gene, schädigen den Körper, z.B. erzeugen sie nicht nur Schnupfen, Husten, sondern auch Hirntumoren. Im Normalfall sind ausreichend T-Zellen vorhanden, die die Anti-Gene erkennen und selbst in diese fremden Zellen eindringen und deren Zelltod verursachen. So funktioniert das Immunsystem.
Sind aber nicht ausreichend T-Zellen vorhanden, können sich z. B. Zellen ungewollt teilen und sie werden nicht oder zu wenig daran gehindert. Es entsteht ein Tumor.
Um nun dem Immunsystem, das selbst nicht genügend T-Zellen einsetzen kann, zu helfen, müssen T-Zellen im Labor erzeugt werden. Dabei nutzt man die Erkenntnis des Prinzips der T-Zellen-Bildung. Dabei hat man gegenüber der normalen Entwicklung der T-Zellen und deren Ausdifferenzierung im Thymus den Vorteil, dass man die bereits vorhandenen körperfremden Eiweiße kennt. Sie müssen aus dem Tumor entnommen werden und dann produziert man nur das passende Anti-Gen.
(Das klingt so einfach … aber:)


Dazu müssen aus Tumoren Tumor-Eiweiße extrahiert werden.
Daraus werden im Labor „T-Killerzellen“ erzeugt.
Diese werden in die Tumoren gegeben.
Nun kann kann eine Immunantwort erwarten, den Tod der Tumorzelle.

Erforderlich sind lebende Tumorzellen.
Ihr Reinheitsgrad muss über 60 % betragen.
Dann kann man daraus T-Killerzellen für die Impfung erzeugen.

Studien zur Impfung

Es wurden dazu mehr als 41 Studien durchgeführt mit über 500 neu diagnostizierten Glioblastomen und mehr als 250 Rezidiv-Gliomen.

Das Verfahren ist gut durchführbar.

Es ist recht sicher, denn die Nebenwirkungen sind relativ gering und es traten nur vereinzelt schwere Nebenwirkungen auf.

19 Studien mit 520 Patienten ergaben ein durchschnittliches Gesamtüberleben von 11-38 Monaten.

Bei 3 Studien betrug die Überlebenszeit bis zu 15 Monate.

2 kleinere Studien suggerieren einen Überlebensvorteil im Vergleich zur Standardtherapie, allerdings gab es im Vergleich zur Radio-Chemotherapie nach Stupp schwere Blutbildveränderungen und damit keine Gesamtverbesserung.

Probleme bei den Studien sind, dass sie zum Teil nicht vergleichbar sind.
Z.B. hat man Probanden, bei denen die Resektionsrate des Tumors zwischen 70 % und 100 % liegt.

Für neue Studien muss man lebendes Tumormaterial haben, das heißt, bereits vor der ersten Operation muss die Studienteilnahme geklärt sein.

Kann man das eigene Immunsystem so beeinflussen, dass es von selbst die Immunantwort gibt?

Es wurde die CheckMate143-Studie durchgeführt, bei der Nivolumab als Checkpoint-Inhibitor (im Vergleich mit Bevacizumab) eingesetzt wurde. Einen deutlichen Vorteil gab es nicht.

Immun-Checkpoints sind wichtige Kontrollpunkte des Immunsystems.
Wenn das Immunsystem richtig funktioniert, greift es auch keine körpereigenen Zellen an. Es kann aber auch vorkommen, dass es doch körpereigene Zellen angreift. Dann müssen Wachposten des Kontrollpunkts das verhindern.
Vielleicht kann man dieses Prinzip des Immunsystem mit einem Rudel Wölfe vergleichen. Alle Tiere leben miteinander und füreinander. Ein Wolf wird tollwütig. Er würde dem ganzen Rudel ernsthaft schaden, wenn man ihn aus dem Verband nicht aussondern würde. Wenn er nicht von allein das Rudel verlässt, müssen einzelne Tiere ihn verjagen und zwar so weit über die Grenzen des Gebietes hinweg, dass er den Weg zurück nicht mehr findet. Jetzt findet der tollwütige Wolf aber doch irgendeinen Weg, der ihn in das Gebiet seines Rudels zurückführt und er schleicht sich heimlich ein. Er trifft jüngere Wölfe, die ihn nicht kennen und steckt sie auch mit der Tollwut an. Diese stecken ihre Wolfsfreunde an und bald befindet sich im gesunden Rudel eine Gruppe tollwütiger Wölfe, die nach und nach das ganze Rudel anstecken, bis es ausstirbt.
Dieser sich am Wachposten des Kontrollpunktes vorbei schleichende Wolf ist vergleichbar mit der Tumorzelle, die sich hineinschleicht, sich teilt und zum tödlichen Hirntumor wird, weil der Wachposten, also das eigene Immunsystem ihn nicht erkennen konnte.
Der Wachposten muss nun unterstützt werden, denn das darf nicht passieren.
Ein Wolf muss her, um das Eindringen der sich als gesunde Wölfe tarnenden Tiere zu verhindern, es „abzublocken“, es zu „hemmen“. Er muss das Kommando übernehmen.
Dieser Kommandeur ist im Immunsystem der Checkpoint-Inhibitor.


Ist es von Vorteil, vor einer OP, bzw. einer Rezidiv-OP einen Immun-Checkpointblocker (=Inhibitor) in den Tumor zu geben?

Es geht um die Frage, ob man die Chemotherapie bzw. Immuntherapie bereits vor der Operation des Tumors durchführt. Das ist ein neuer Ansatz, wo jedoch noch keine aussagekräftigen Ergebnisse vorliegen. Es traten schwere Nebenwirkungen auf, wodurch dieser Weg noch unklar ist.

Das wäre der Weg, die bereits vorhandene tollwütige Gruppe innerhalb des Wolfsrudels zu zersetzen, indem man Kommandeure einschleust, die innerhalb der kranken Gruppe Tiere aussondern. (Chemotherapie, Immuntherapie)
Die Entfernung der möglichst gesamten tollwütigen, nun aber geschwächten, Gruppe würde erst danach erfolgen. (Operation)


Welche Wirkung kann Cannabis haben?

Dabei besteht die Problematik im Unterschied von:
- Zellkulturen
- Tierversuchen
- Therapie am Menschen

Mit einer sehr geringen Probandenzahl von 27 Patienten wurden zwei Studien durchgeführt:
- Studie I : Cannabis hat keine lebensbedrohliche Wirkung.
- Studie II : Es gab kein bzw. kaum ein verbessertes Gesamtüberleben.

Die Therapie mit Cannabis zu ergänzen ist zwar eine relativ sichere Therapie, der Überlebensvorteil ist jedoch fraglich. Cannabis ist nicht für die Hirntumortherapie konzipiert! Insofern wurde die Studie vorzeitig abgebrochen.

Zusammenfassung des Vortrags:

Die Impfung ist möglich, das Prinzip ist ausbaubar.
Der Einsatz von Checkpoint-Inhibitoren ist zur Zeit noch nicht möglich, kann aber weiter ausgearbeitet werden.
Der Einsatz von Cannabis ist fraglich.

Antworten auf Patientenfragen in der Podiumsdiskussion:

Ist die Impfung auch für Gliome bei Kindern möglich?
Kinder sind nicht in den Impf-Studien enthalten. (Kinder sollten keine Testpersonen sein.)

Kann man statt des synthetisch hergestellten Cannabis auch die natürliche Pflanze verwenden?
Bei der Nutzung der Cannabispflanze ist die Aussagekraft über die Wirkungen und die Wechselwirkungen, z.B. mit Temozolomid, zu gering.

Das wollten unsere Gäste bei den letzten Informationstagen von den Experten wissen
(aus dem Tagungsmaterial der Deutschen Hirntumorhilfe e.V.)

Was ist der Unterschied zwischen medizinischem Cannabis und solchem auf dem „freien“ Markt?
Wolfgang Doerfler, München:
Für medizinisches Cannabis gibt es bestimmte Auflagen bezüglich Anbau, Verarbeitung, Transport und Weiterverarbeitung. Es handelt sich um ein standardisiertes Produkt, von dem man weiß, welche der bekannten Inhaltsstoffe in welcher Menge enthalten sind. Das weiß man bei Cannabis, welches nicht über den offiziellen Weg bezogen wird, nicht. Außerdem kann Cannabis vom Schwarzmarkt stark verunreinigt sein.

Worauf lässt sich die Wirksamkeit von Cannabis zurückführen?
Wolfgang Doerfler, München:
Mittlerweile kennen wir einige Wirkmechanismen von Cannabis im Organismus. Viele Körperzellen haben bestimmte Andockstellen, die sogenannten Cannabinoid-Rezeptoren CB1 und CB2. Diese werden vorwiegend auch von körpereigenen Substanzen angesteuert, aber eben auch von den bekannten Inhaltsstoffen der Pflanze THC und CBD. CB1-Rezeptoren finden sich z.B. auch auf Glioblastomzellen. Hier gibt es Hinweise, dass durch die Anregung dieser Rezeptoren das Wachstum der Tumorzellen gehemmt wird oder die Tumorzellen absterben. Die meisten Untersuchungen wurden jedoch bislang im Labor durchgeführt und es ist nicht leicht zu sagen, inwiefern die Effekte bei Menschen übertragen werden können.

Für welche Einsatzgebiete gibt es derzeit Belege für einen klinischen Nutzen von Cannabis?
Wolfgang Doerfler, München:
Das sind mit einer guten Evidenz die Behandlung chronischer (neuropathischer) Schmerzen als auch von Übelkeit und Erbrechen während der Chemotherapie. Eines der Haupteinsatzgebiete von Cannabis in der supportiven Therapie ist zudem die Behandlung von Appetitlosigkeit. Nicht so gut belegt ist die Linderung von Schlafstörungen. Es gab bislang nur wenige Studien, die einen Effekt von Cannabis in der Therapie von Hirntumoren untersuchten. Auf dieser Grundlage lässt sich derzeit noch keine klare Aussage treffen. Allerdings wird dieser Ansatz aktuell auch in klinischen Studien weiter erforscht.

Welche Ansätze für Immuntherapien gibt es?
PD Dr. Karsten Geletneky, Darmstadt:
Eine Möglichkeit sind Checkpoint-Inhibitoren – Antikörper, die das „Abschalten“ der Immunzellen durch den Tumor verhindern. Eine andere Möglichkeit ist das Prinzip der Impfung, wobei dem Immunsystem Eiweißstoffe zugeführt werden, gegen die eine Immunreaktion in Gang gesetzt werden soll. Hierbei stellt sich das Problem, dass diese Eiweißstoffe spezifisch für den Tumor sein müssen. Leider kennt man insbesondere beim Glioblastom zu wenige dieser tumorspezifischen Antigene. Die neuesten Ansätze beziehen sich auf sogenannte CAR-T-Zellen, also Immunzellen, die gentechnisch so verändert werden, dass sie spezifische Tumorantigene erkennen können. Auch hier stellt sich das Problem, geeignete Zielmoleküle auf den Tumorzellen zu finden. Außerdem wird derzeit an virusbasierten Therapien gearbeitet.

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Antw:Berichte vom 44. Hirntumorinformationstag am 4. Mai 2019 in Berlin
« Antwort #10 am: 24. Juni 2019, 17:00:12 »
44. Hirntumor-Informationstag am 4. Mai 2019 in Berlin

9. Supportive Therapie: Arbeit für die Lebensqualität

Prof. Dr. med. Herwig Strik

Sozialstiftung Bamberg
Klinikum Bamberg
Neurologische Klinik
Burgerstraße 80
96049 Bamberg
Telefon: 0951 / 503 13601
Fax: 0951 / 503 13609

Informationen aus dem Tagungsmaterial der Deutschen Hirntumorhilfe e.V.:

„Prof. Dr. med. Herwig Strik ist Chefarzt der Neurologischen Klinik des Klinikums Bamberg. Der Facharzt für Neurologie mit den Zusatzbezeichnungen spezielle neurologische Intensivmedizin, Rehabilitationswesen und medikamentöse Tumortherapie in der Neurologie verfügt über eine umfangreiche Expertise in der Behandlung von Hirntumoren, Schlaganfällen, multipler Sklerose und Parkinson sowie im Bereich der neurologischen Rehabilitation. Prof. Strik verantwortet die Arbeit an der Zertifizierung des Bamberger Hirntumor-Zentrums mit. In seinem Vortrag wird er auf die Potenziale der supportiven Therapie eingehen und erläutern, wie unterstützende Behandlungen während und nach der Tumortherapie die Lebensqualität der Patienten wirkungsvoll aufrechterhalten und verbessern können.“ 

Vortrag:
(in einzelnen Aussagen, so wie ich es mitbekommen habe, KaSy)

Es gibt verschiedene Auswirkungen der Tumorerkrankung selbst:
- Hirnödem
- Epileptische Anfälle
- Psychische Störungen
- Schlafstörungen
- Fatigue, Tagesmüdigkeit

Es gibt Nebenwirkungen der Tumortherapie:
- Blutbildveränderungen, z.T. fieberhaft
- Nebenwirkungen der Chemotherapie mit Temozolomid
und viele andere ...

Supportive Therapie bei Schlafstörungen und Einschlafstörungen
Bei Krebspatienten treten sie doppelt so oft auf wie in der Normalbevölkerung.
Besonders große Schwierigkeiten treten beim Tag-Nacht-Rhythmus auf.

Logisch sind dafür die folgenden Ursachen:
- Depression
- Schmerzen
- Angst
- Sorgen um die Familie, das Geld, den Arbeitsplatz, ...

Was kann man tun?
- Wenn die Schlafprobleme durch Dexamethason verursacht sind, genügt es, es einmal morgens zu nehmen, anstatt es abends auch noch einmal zu nehmen.
- Schmerzen treten besonders nachts verstärkt auf, wenn man zur Ruhe kommt. Daher sollte man vor allem zur Nacht Schmerzmittel nehmen.
- Wenn Schlafstörungen vor (oder nach) den MRT-Kontrollen bzw. durch soziale Sorgen hervorgerufen werden, hilft eine gute psychosoziale Beratung und Betreuung.
- Symptomorientiert können eventuell Antidepressiva bzw. Neuroleptika eingesetzt werden.
- Vorsicht mit Alkohol, Opiaten, Cannabis, diese erzeugen keinen natürlichen Schlaf.

Supportive Therapie bei Übelkeit durch Temozolomid
Ein Drittel der mit Temozolomid behandelten Patienten leiden unter Übelkeit.
Es gibt Medikamente dagegen und die sollte man auch nehmen. Nach der Einnahme von Temozolomid hört die Übelkeit nicht gleich auf. Diese Nebenwirkung kann zu Depressionen führen und je depressiver der Patient ist, desto mehr leidet er unter Übelkeit.
Als Medikamente stehen zur Verfügung:
- Metoclopramid
- Alizaprid
- Ondansetron
- Granisetron (gibt es auch als Pflaster)
Es gibt weitere Mittel, die länger wirken.

Supportive Therapie bei psychosozialer Belastung
- Psychoonkologische Beratung
- Medikamentöse Behandlung zulassen!
- Besser Antidepressiva statt Beruhigungsmittel!
- Vorsicht durch den Arzt gilt, falls der Patient unter Antidepressiva bzw. Antikonvulsiva misstrauisch wird, Wahnzustände erlebt, Suizidgedanken hat oder ähnliche Symptome zeigt!

Noch ein Tipp:
Stündlich auf die Toilette gehen ist günstig für den Blutkreislauf.

Antworten auf Patientenfragen in der Podiumsdiskussion:

Welche Nebenwirkungen hat Dexamethason (Cortison) auf den Zuckerspiegel?
Durch Dexamethason steigt der Zuckerspiegel, es kann ein Diabetes entstehen.
Nach dem Ausschleichen/Absetzen ist der Diabetes dann behandelbar.

Das wollten unsere Gäste bei den letzten Informationstagen von den Experten wissen
(aus dem Tagungsmaterial der Deutschen Hirntumorhilfe e.V.)

Wie unterscheidet man, ob Persönlichkeitsveränderungen psychisch bedingt sind oder organische Veränderungen, also den Tumor, als Ursache haben?
PD Dr. Mirjam Renovanz, Mainz:
Neuroonkologische Erkrankungen sind mit erheblichen psychosozialen Belastungen verbunden, was Anpassungs- oder Angststörungen, Depressionen oder andere Veränderungen begünstigen kann. Hirntumoren können auch physisch bedingte neurokognitive und emotionale Veränderungen auslösen, die zu psychischen Auffälligkeiten führen. Die Frage, ob die Persönlichkeitsveränderung vom Tumor selbst oder durch die Gesamtsituation ausgelöst ist, ist jedoch zweitrangig. Wichtig ist, dass man überhaupt erkennt, dass der Patient psychisch belastet ist und dass eine Unterstützung notwendig ist. Unterstützungsangebote – psychoonkologisch, palliativmedizinisch, seelsorgerisch oder über die Sozialarbeit – sind an vielen Behandlungszentren etabliert und sollten von Ärzten, Patienten und Angehörigen genutzt werden.

Wie kann man einen Patienten dazu motivieren, psychoonkologische Unterstützung anzunehmen?
PD Dr. Mirjam Renovanz, Mainz:
Die Wirksamkeit psychoonkologischer Maßnahmen ist eng an die freiwillige Bereitschaft und Motivation der Patienten geknüpft: Man sollte daher niemanden, der Unterstützungsmaßnahmen dieser Art rigoros ablehnt, dazu überreden oder unter Druck setzen. Empfiehlt man eine  psychoonkologische Behandlung, befürchten Betroffene, dass sie „irgendwie verrückt“ sind, viele haben Angst vor einer Stigmatisierung und ziehen sich zurück.

Dagegen helfen möglichst niedrigschwellige Angebote.: Es kann hilfreich sein, den  Psychoonkologen in der neuroonkologischen Sprechstunde dabei zu haben. So wird es leichter, ihn als Teil des Behandlungsteams zusammen mit Neurochirurgen, Neurologen, Strahlentherapeuten etc. wahrzunehmen. Ist der Kontakt einmal hergestellt, sind viele Patienten dann doch bereit, sich allein oder mit Angehörigen zum Gespräch zu treffen. Es kommt gar nicht so selten vor, dass Patienten, die zunächst eher ablehnend reagieren, zu einem späteren Zeitpunkt positiv von Hilfsangeboten überrascht werden und stark profitieren. In Bezug auf psychoonkologische Hilfe gilt also: Ermutigen ja, drängeln bitte nicht!

Angehörige können übrigens auch unabhängig vom Patienten Hilfe in Anspruch nehmen, um ihre Situation besser zu bewältigen.

Kann ein Hirnödem auch mit Weihrauch (Boswelliasäuren) behandelt werden?
Prof. Dr. Ulrich Herrlinger, Bonn:
Ergänzend zur Therapie mit Kortison können bei manchen Patienten Boswelliasäuren eingesetzt werden. In einer ersten Studie zeigten sich positive Effekte auf das Hirnödem. (…) Die Therapie eines großen, raumfordernden Ödems mit Boswelliasäuren allein ist nicht möglich. Bei einigen Patienten kann nach Ausschwemmen des Ödems in der Abdosierungsphase der Corticosteroide mit Boswelliasäuren aber eine längerfristige Stabilisierung der Situation erreicht werden, sodass insgesamt der Steroidbedarf sinkt.

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Antw:Berichte vom 44. Hirntumorinformationstag am 4. Mai 2019 in Berlin
« Antwort #11 am: 28. Juni 2019, 14:12:35 »
44. Hirntumor-Informationstag am 4. Mai 2019 in Berlin

10. Neues aus der Strahlentherapie

Prof. Dr. med. Stephanie E. Combs

Klinikum Rechts der Isar
Technische Universität München
Ismaninger Straße 22
81675 München
Telefon: 089 / 41 404 501

Informationen aus dem Tagungsmaterial der Deutschen Hirntumorhilfe e.V.:

„Prof. Dr. med. Stephanie E. Combs ist Direktorin der Klinik und Poliklinik für Radioonkologie und Strahlentherapie des Klinikums rechts der Isar, München und Direktorin des Instituts für Innovative Radiotherapie am Helmholtz Zentrum München sowie Sprecherin der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie e.V. (DEGRO). Sie verfügt über besondere Expertise im Bereich der Hochpräzisionsstrahlentherapie, Therapieoptimierung von Schädelbasistumoren und der Neuroonkologie. Frau Prof. Combs wird in ihrem Vortrag die verschiedenen bewährten wie auch neuen Formen der Strahlentherapie sowie deren Einsatzmöglichkeiten und ihre Rolle im neuroonkologischen Gesamtkonzept vorstellen.“

Vortrag:
(in einzelnen Aussagen, so wie ich es mitbekommen habe, KaSy)

Die Hirntumorbehandlung besteht meist aus der Operation, der Strahlentherapie und der Chemotherapie. Dabei gilt nicht „viel hilft viel“. Es muss die optimale Therapiekombination gewählt werden, die maximal gegen den Tumor wirkt und eloquente (Risiko-) Bereiche minimal beeinträchtigt. Dies gilt insbesondere für die Strahlentherapie.

Intraoperative Bestrahlung   
Während der Operation wird lokal (direkt im und um den Tumor herum) eine Strahlendosis appliziert (verabreicht).
Dieses Verfahren wird im Klinikum Rechts der Isar in München angewandt.
Es ist aber noch kein Standard. 

Protonen- / Ionen-Bestrahlung
Die Bestrahlung mit Protonen bzw. Ionen ist im Unterschied zur Bestrahlung mit Photonen, Elektronen, Röntgen eine Teilchenbestrahlung
Die Teilchen geben ihre höchste Dosis erst im Zielgebiet, also dem Tumor, ab. Danach erfolgt ein steiler Dosisabfall.
Bei der Bestrahlung mit Photonen wird ein geringer Teil der Dosis im Verlauf der Strahlen an gesunde Zellen abgegeben. Diese werden nur geschädigt, falls sie sich gerade teilen, was sie (außer den Haarzellen) nur sehr selten tun. Dann aber haben sie die Fähigkeit, sich innerhalb kurzer Zeit selbst zu reparieren. Die gesunden Zellen werden meist nicht dauerhaft geschädigt.)


Geeignet ist die Teilchenbestrahlung, falls hochsensible Bereiche geschont werden müssen, z.B. der Hirnstamm, die Sehnerven usw.
Einen Vorteil hat sie nur für sehr wenige Krankheiten.

Sie erbringt einen Vorteil bei Tumoren am Hirnstamm und bei Chordomen (sehr seltene bösartige Knochentumoren in der Wirbelsäule oder der Schädelbasis).

Vor allem wird sie bei Kindern eingesetzt, (weil sich deren Gehirn noch in der Entwicklung befindet, sich also auch die Hirnzellen noch häufiger teilen)

Bei Erwachsenen zeigt die Teilchenbestrahlung keine Überlegenheit gegenüber der Bestrahlung mit Photonen.

Bestrahlung mit variabler Dosis
Hirntumoren sind nicht unbedingt einheitliche Gebilde, bei denen jede Zelle mit der gleichen Dosis bestrahlt werden muss. Deshalb wurde die Intensitätsmodulierte Radiotherapie (IMRT) entwickelt, die ein Standardverfahren ist.

Früher hat man bei WHO-Grad-II-Tumoren nach der Operation abgewartet, ob sich ein Rezidiv entwickelt und hat erst dann nach einer erneuten Operation bestrahlt.
Jetzt ist es möglich, das entnommene Tumormaterial auf genetische Merkmale und Unterschiede zu untersuchen. Man kann erkennen, ob die Tumoren außer WHO-Grad-I-Zellen auch Zellen der WHO-Grade II und III enthalten.
Wenn das so ist, wird nachbestrahlt. Der Tumorbefund muss aber unbedingt histologisch gesichert sein!
Eine vorherige komplette Resektion (operative Entfernung) ist vorteilhaft für den Erfolg der Bestrahlung.

Re-Bestrahlung
Eine erneute Bestrahlung derselben Stelle ist möglich.
Besser ist es, wenn bereits 6 -12 Monate seit der letzten Bestrahlung vergangen sind.
Jüngere Patienten profitieren mehr von Re-Bestrahlungen.
Vor einer Bestrahlung sollte stets versucht werden, den Tumor operativ so weit wie möglich zu verkleinern.

Folgen der Strahlentherapie bei Meningeomen
Überwiegend ist die Lebensqualität nach der Bestrahlung die gleiche wie vorher.
Bei einigen Patienten (mit zuvor auffälligen Symptomen) kann sie besser werden.
Bei manchen Patienten verschlechtert sich die Lebensqualität.

Aber es entstehen keine Meningeom-Rezidive, wo bestrahlt wurde!
(Das kann ich persönlich aus eigener Erfahrung bisher bestätigen. KaSy)

Antworten auf Patientenfragen in der Podiumsdiskussion:

Kann man während der Strahlentherapie Sport treiben?
Ja, wenn es Spaß macht.

Wie hoch ist das Risiko, nach einer Protonenbestrahlung später einen Tumor zu entwickeln?
Nach etwa 30 Jahren können bei 1 % der Patienten neue Tumoren entstehen. Dieses Risiko ist also sehr gering.

Kann bei der Protonentherapie eine Strahlennekrose entstehen und wie wird sie behandelt?
Eine Strahlennekrose ist möglich.
Ohne Symptome wird sie nicht behandelt.
Ansonsten ist z.B. eine Operation möglich.

Kann die gleiche Stelle erneut bestrahlt werden?
Das ist immer eine individuelle Entscheidung.
(Nach mehrfachen Bestrahlungen der gleichen Stellen können stärkere dauerhafte Folgen auftreten.)
Wenn die gleiche Stelle wieder bestrahlt werden soll, ist es umso besser, je länger die vorherige Bestrahlung her ist.

Sollte bei Hirntumoren mit dem WHO-Grad II nach der Operation eine Nachbehandlung erfolgen?
Eine Bestrahlung sollte nach der Operation erfolgen.
Ob eine Chemotherapie durchgeführt wird, wird individuell entschieden.

Können noch 4,5 Jahre nach der Strahlentherapie Spätfolgen neu auftreten?
Das ist selten, aber möglich. Hier muss man genau schauen.

Wie geht man mit Übelkeit um, die während der Strahlentherapie auftritt?
Wenn die Übelkeit bereits während der Strahlentherapie auftritt, dann kann sie noch etwa 6 Wochen lang anhalten.
Es gibt Medikamente, die man dagegen nehmen sollte! (siehe Vortrag Nr. 9 von Prof. H. Strik)

Das wollten unsere Gäste bei den letzten Informationstagen von den Experten wissen
(aus dem Tagungsmaterial der Deutschen Hirntumorhilfe e.V.)

Kann die Brachytherapie bei einem teilresezierten Gliom eingesetzt werden?
Prof. Dr. Jürgen Voges, Magdeburg:
Unter der Voraussetzung, dass es sich um einen IDH-mutierten Tumor, WHO-Grad-II handelt, könnte man eventuell vertreten, drei Monate zu warten und dann nach einer Bildkontrolle abzuklären, ob der verbleibende Tumorrest mittels Brachytherapie behandelt werden könnte. Dies kommt also nur für wenige Patienten infrage. Alle anderen Situationen sind durch gute Standardtherapien abgedeckt.

Wie lange wirkt die Strahlentherapie nach?
Prof. Dr. Stephanie E. Combs, München:
Die Strahlung wirkt biologisch in den Zellen über Wochen und Monate nach. Deswegen spiegelt mitunter das erste Kernspin nach einer Strahlentherapie nicht das volle Ausmaß der Therapie wider.

Muss vor einer zweiten Bestrahlung eine Operation erfolgt sein?
Prof. Dr. Stephanie E. Combs, München:
Nicht zwingend, aber die Option sollte in jedem Fall geprüft werden. Wenn eine Operation mit einem vertretbaren Risiko für den Patienten möglich ist, sollte sie auch durchgeführt werden. Je kompletter operiert werden kann, desto besser. Patienten, die beide Therapien erhalten, profitieren am meisten.

Welchen Nutzen hat eine Re-Bestrahlung im Rezidivfall?
PD Dr. Frank A. Giordano, Mannheim:
Es gibt eine große Fraktion an Skeptikern, aber auch Kollegen, die häufiger eine erneute Strahlentherapie durchführen. Grundsätzlich ist die Größe des Rezidivs entscheidend. Bei großen, über mehrere Bereiche ausgedehnten Tumoren ist der Nutzen einer Re-Bestrahlung begrenzt. Bei einem relativ kleinen Tumorvolumen kann eine Re-Bestrahlung infrage kommen.

Wann kommt eine erneute Strahlentherapie in Betracht?
Prof. Dr. Jürgen Debus, Heidelberg:
Das hängt davon ab, ob der Tumor genau an der Stelle entstanden ist, die bereits bestrahlt wurde. In dieser Situation sollte die vorherige Strahlentherapie mindestens ein halbes Jahr zurückliegen. Tritt der Tumor an einer anderen Stelle auf, gibt es Möglichkeiten, eine komplette zweite Therapie, bestehend aus Operation, Strahlen- und medikamentöser Therapie, durchzuführen.

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Antw:Berichte vom 44. Hirntumorinformationstag am 4. Mai 2019 in Berlin
« Antwort #12 am: 28. Juni 2019, 14:24:44 »
44. Hirntumor-Informationstag am 4. Mai 2019 in Berlin

Debatte: Pro und Kontra Off-Label-Use

Prof. Dr. med. Peter Vajkoczy
Dr. med. Caroline Hertler
Prof. Dr. med. Jörg-Christian Tonn
PD Dr. med. Marcel Alexander Kamp
Prof. Dr. med. Herwig Strik
Moderation: Melanie Staege (Deutsche Hirntumorhilfe e.V.)


Informationen zum Thema
(aus dem Tagungsmaterial der Deutschen Hirntumorhilfe e.V.)

Was ist Off-Label-Use?

Von Off-Label-Use spricht man, wenn Medikamente außerhalb des ursprünglichen Anwendungsgebietes eingesetzt werden. Es sind Medikamente, die man normalerweise nicht für die Behandlung von Hirntumoren verwenden würde.

In der Regel ist eine spezielle Behandlung als Standardtherapie für eine bestimmte Erkrankung verfügbar und erfolgreich erprobt. Kann die Erkrankung mit dem zugelassenen Medikament nicht ausreichend therapiert werden, wird untersucht, ob eine Kombination der Standardbehandlung mit einer weiteren Substanz einen Vorteil für den Patienten bringt.

Wann werden Medikamente off-label eingesetzt?

Off-Label-Use kommt infrage, wenn
- es für eine Erkrankung kein zugelassenes Medikament gibt
- die zugelassenen Wirkstoffe ausgeschöpft sind
- die zugelassenen Wirkstoffe nebenwirkungsreicher sind
- durch die ergänzende Gabe von Substanzen ggf. eine Verbesserung des Behandlungsergebnisses erreicht werden kann

Welche Medikamente können off-label eingesetzt werden?

Die Grundlage der Auswahl eines Medikaments für den Off-Label-Einsatz ist stets eine sogenannte Rationale oder Plausibilität. Die ist gegeben, wenn beispielsweise anhand einer Phase-III-Studie bereits abzusehen ist, dass es zur baldigen Zulassung einer überlegenen Therapiekombination kommt.

Aber auch positive Ergebnisse aus Phase-I- oder Phase-II-Studien, anderweitigen Untersuchungen (z.B. statistischen Erhebungen) oder Erkenntnisse aus Versuchen in Zellkulturen können Therapieerfolge vermuten lassen und als Argumentationsgrundlage für einen Off-Label-Use dienen.

Von einer umfassenden klinischen Untersuchung der Wirksamkeit bis zur Zulassung von neuen Therapien und  Therapiekombinationen vergehen oft über 10 Jahre. Für Patienten stellt sich die Frage, ob die vielversprechenden Medikamente schon eher eingesetzt werden können, auch wenn eine Wirksamkeit noch nicht wissenschaftlich mit einer entsprechenden Beweiskraft erforscht ist.

Beispiele für Off-Label-Use

1. CCNU plus Temozolomid
Nach der Zulassung des Zytostatikums Temozolomid für die Erstlinientherapie des Glioblastoms im Jahr 2005 (Stupp) wurden verschiedene Kombinationen mit zusätzlichen Substanzen und Medikamenten in klinischen Studien getestet, um die Standardtherapie zu verbessern, auch der Nitroseharnstoff Lomustin (CCNU). Die Ergebnisse einer Phase-I-Studie weisen auf eine bessere Wirksamkeit der Kombination hin. Daraufhin wurde eine Studie (NOA-09) konzipiert, die die Kombination bei Glioblastompatienten mit einem bestimmten Merkmal im Tumorgewebe (MGMT) untersuchte. Die Untersuchung zeigte einen eindeutigen Vorteil für die Kombinationstherapie. In Kürze wird eine Veröffentlichung der Ergebnisse erwartet.

2. Metformin
Bei der Analyse von Registerdaten aus Bayern fiel auf, dass Patienten mit Typ-2-Diabetes und Metformintherapie seltener an Krebs starben. Die antitumorale Wirkung von Metformin war zudem aus Versuchen an Zellkulturen belegt. Daraufhin wurde untersucht, ob es unter Gliompatienten, die unter Diabetes litten und mit Metformin behandelt wurden, Hinweise auf eine Wirksamkeit des Metformins auf die Tumorerkrankung gab. Die Metforminbehandlung war bei bestimmten Hirntumorarten mit einer signifikant höheren Überlebenswahrscheinlichkeit verbunden.Dies veranlasste, die Wirkung der Metformingabe in Kombination mit der Standardbehandlung des Glioblastoms in einer Phase-II-Studie seit 2017 zu untersuchen.

Ärzte Zeitung online, 29.08.18, Antidiabetikum gibt Gliompatienten etwas Hoffnung
Quelle: https://www.ärztezeitung.de/medizin/krankheiten/krebs/zns-tumoren_hirntumor/article/970346/metformin-antidiabetikum-gibt-gliompatienten-etwas-hoffnung.html

3.Chloroquin
Vom Antimalariawirkstoff Chloroquin kannte man die antitumorale Wirkung aus Zellkulturen. Chloroquin wurde daraufhin 2005 in einer Phase-I-Studie (Soleto) zusätzlich zur Standardtherapie verabreicht. Ohne dass bei den Patienten unter der Chloroquintherapie schwerwiegende Nebenwirkungen aufgetreten wären, war die Überlebenszeit in dieser Gruppe wesentlich besser. Dies führte in der Folgezeit zum Einsatz von Chloroquin in verschiedenen Studien. Seit 2015 rekrutiert eine Studie in den Niederlanden zur Behandlung des Glioblastoms, bei der Chloroquin zusätzlich verabreicht wird.

Ärzte Zeitung online, 29.08.18, Malariamedikament half Hirntumorpatientin
Quelle: https://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/krebs/forschung/medizinischer-gluecksgriff-die- chemo-wirkte-nicht-mehr-malaria-medikament-half-26-jaehriger-hirntumorpatientin_id_6518089.html

4. Disulfiram
Disulfiram, das als „Antabus“ seit Jahrzehnten zur Unterstützung der Abstinenz bei Alkoholabhängigkeit angewendet wird, könnte auch bei Krebserkrankungen wirksam sein. Erste Berichte über Krebspatienten, die unter der Behandlung einer gleichzeitigen Alkoholabhängigkeit mit Disulfiram genesen sind, wurden laut Medline bereits in den 1960er Jahren in der medizinischen Literatur veröffentlicht. Eine Analyse des dänischen Krankenregisters ergab, dass Disulfiram-Nutzer seltener als andere Menschen an Brust- oder Prostatakrebs erkranken (European Journal of Cancer Prevention 2014; 23: 225-232). Derzeit werden mehrere klinische Studien zur Behandlung des Glioblastoms mit zusätzlicher Gabe von Disulfiram durchgeführt.

Ärzteblatt.de, 11.12.17: Alkoholismus-Medikament greift Krebszellen an
Quelle: https://www.ärzteblatt.de/nachrichten/86948/Disulfiram-Wie-ein-Alkoholismus-Medikament-Krebszellen-angreift


Debatte: Pro und Kontra Off-Label-Use

Ausgehend davon, dass Hirntumorerkrankungen oft nicht heilbar sind, stimmten die an der Debatte teilnehmenden Ärzte dem Off-Label-Einsatz von vielen, aber nicht allen, Medikamenten zu.

Dies gilt für die Hirntumorpatienten, in denen die Standardtherapie keinen Erfolg mehr erbringt. Der Arzt muss davon überzeugt sein, dass eine Weiterbehandlung mit anderen Substanzen einen Vorteil erbringen könnte. Der Patient muss diese Entscheidung mittragen und mit seinen Wünschen einbezogen werden. Er unterschreibt sein Einverständnis, dass er mit einem nicht zugelassenen Medikament behandelt wird.

Die Ärzte würden diese Patienten auch mit Medikamenten im Off-Label-Use versorgen und dafür auch erhöhte Aufwendungen auf sich nehmen.

Sie unterstützen bei diesbezüglichen Anträgen an die Krankenkasse mit Befunden, die den Vorteil der Off-Label-Use-Medikamente deutlich begründen, oder sie stellen diese Anträge bei Notwendigkeit auch selbst. Wenn es zu lange bis zur Genehmigung dieser Anträge dauert, wird die Behandlung auch bereits vor der Zusage begonnen. Sollte der Antrag dann jedoch von der Krankenkasse abgelehnt werden und ein weiterer Antrag nicht aussichtsreich sein, würde die Finanzierung durch die Krankenhäuser getragen werden.

Letzteres ist bei niedergelassenen Ärzten auch möglich, aber mit mehr Problemen verbunden.

Der Arzt kann trotz der Unterschrift bei vorzeitigem Behandlungsbeginn und späteren Folgeschäden durch die Patienten, deren Angehörige, aber auch von Ärztevereinigungen zur Verantwortung gezogen werden.


Beim Einsatz von Methadon sind die Probleme gravierender:

Nahezu alles, was an zusätzlichen Substanzen die Standardtherapie unterstützt bzw. zur besseren Lebensqualität beiträgt, befürworten und verschreiben die Ärzte. Sie beraten die Patienten bezüglich der Wirksamkeit, Schädlichkeit, Nutzlosigkeit, der Nebenwirkungen und der Wechselwirkungen mit der derzeitigen Therapie.

Bei Methadon liegen die Probleme aber anders.

In Zell-Tests wurde festgestellt, dass Methadon in den Tumorzellen ein Wirkverstärker für die Chemotherapie sein kann. Ein Arzt berichtete aus einem Hospiz, dass die Sterbenden, denen Methadon gegeben wurde, länger und besser lebten.

Diese beiden Informationen führten zu vielen Nachfragen nach Methadon bei den Ärzten.

Methadon zählt zu den Betäubungsmitteln (BTM) und diese kann man nicht einfach so empfehlen und schon gar nicht verschreiben, weil es dafür sehr strenge Vorschriften gibt. Andererseits haben Neurochirurgen, Strahlentherapeuten und Onkologen keine praktischen bzw. klinischen Erfahrungen mit Methadon, das beim Drogenentzug und bei der Sterbebegleitung genutzt wird. Nun sollten sie es als Wirkverstärker für die Chemotherapie einsetzen. Sie suchten nach Informationen, die für Hirntumorpatienten zutreffen, um sie entsprechend beraten zu können. Ist Methadon wirksam oder nicht, welche Dosierung gilt unter welchen Bedingungen, welche Nebenwirkungen hat es, passt es zur aktuellen Therapie oder schadet es womöglich, wie sind die Langzeitwirkungen. Für die Tumorbehandlung standen jedoch nur die Zell-Tests zur Verfügung, die auf Menschen nicht übertragbar sind. In den Hospizen wurde es als Schmerzmittel eingesetzt.

Inzwischen gingen Patienten und Angehörige an die Medien und in die hohe Politik, stellten Forderungen. Von vielen Seiten wurden Erfolgsmeldungen übermittelt, die nur schwer überprüfbar waren, da es sich oft um Einzelfälle handelte, wenn auch um mehrere Einzelfälle. Es fehlten die Bedingungen, die Vergleichbarkeit. Misserfolge wurden eher nicht mitgeteilt.

Das ging derart schnell, dass die Ärzte kaum hinterher kamen. Mittlerweile wurden im Internet Dosisempfehlungen, Zusatzmittel und Adressen von Ärzten mitgeteilt, die Methadon verschreiben. Kannten diese Ärzte die Hirntumorpatienten, deren Krankheitsverlauf, die erfolgten Therapien und all das, was man wissen muss, um ein solches Medikament zu verschreiben?

Die betreuenden Ärzte hatten nicht nur den Mehraufwand, sich zu informieren, sie mussten nun bei ihren Patienten auch all die Wirkungen des Methadon mit erfragen und beobachten, eventuell weitere Medikamente gegen die Nebenwirkungen verschreiben.

Die vorliegenden Tests an Zellen im Labor und erfolgreiche Fallbeispiele genügen nicht für die ärztlichen Begründungen, die die Krankenkassen benötigen, um BTM-Rezepte für Methadon zu akzeptieren. Da geht es nicht um den als gering beschriebenen Preis dieses Medikaments.

Es handelt sich hier auch nicht um den Off-Label-Use eines Medikaments. Methadon soll gleichzeitig mit der Standardtherapie verschrieben werden, ohne zu wissen, wie diese Behandlung wirken wird. Es wird von Patienten verlangt, weil sie davon ausgehen, dass bei ihnen mit Methadon die Chemotherapie besser wirken wird. Mitunter wurden Patienten von Bekannten unter Druck gesetzt, Methadon zur Chemotherapie zu nehmen, ihnen wurde ein schlechtes Gewissen gemacht, sie würden nicht genug tun. Ärzten wurde unterstellt, sie würden sich nicht für ihre Patienten interessieren, nicht genug für sie tun.

Wenn aber Ärzte Medikamente einsetzen, die nicht für die Krankheit zugelassen sind, müssen sie das äußerst sorgfältig mit dem Patienten besprechen. Wenn es noch keine geprüften Nachweise für die Wirkungen, Nebenwirkungen, Ausschlusskrankheiten, Dosierungsempfehlungen, Wechselwirkungen … gibt, also für alles, was im Beipackzettel eines Medikaments steht, das die 3 bzw. 4 Phasen der Studien für seine Zulassung durchlaufen hat, dann muss das der Arzt herausfinden. Er muss den Patienten sehr viel gründlicher begleiten, häufiger einbestellen, sich intensiver um ihn kümmern. Diese Zeit fehlt eigentlich für seine anderen Patienten.

Hinzu kommt aber Gravierenderes: Wenn es zu Folgeschäden kommt, werden diese unter Umständen nicht von der Klinik, dem Arzt, der Pharmafirma getragen. Der Patient unterschreibt zwar, dass er das Medikament bekommt, ohne dass es zugelassen ist und es auch nicht im Rahmen einer Studie verabreicht wird. Dennoch kann es womöglich zu heftigen Regressforderungen an Ärzte kommen, insbesondere an niedergelassene Ärzte. Das muss nicht einmal durch die betroffenen Patienten oder deren Angehörige geschehen, die die Gültigkeit der Patientenunterschrift im Nachhinein anzweifeln und vor Gericht gehen. Auch die Ärztevereinigungen haben das Recht (und die Pflicht?), derartigen Fälle einer Verabreichung von Medikamenten, die zu einem Schaden geführt haben, sehr gründlich und auch vor Gericht auf den Grund zu gehen. Der Arzt kann seine Approbation verlieren.

Forderungen nach klinischen Studien wurden immer häufiger gestellt. Das wäre der richtige Weg. Jedoch ist es unter den gegenwärtigen Bedingungen nicht leicht, geeignete Patienten für diese Studien zu finden. Alle Patienten, die bereits Methadon nehmen, stehen für diese Studien nicht mehr zur Verfügung. Und über die Zell-Test-Phase ist man auch in Forscherkreisen noch kaum hinausgekommen.

(Das, was ich hier zum Thema „Methadon“ schrieb, stammt zum Teil aus der „Debatte: Pro und Kontra Off-Label-Use“. Ich habe aber auch viele Informationen genutzt, die sich im Laufe der Zeit bei mir angesammelt haben, seitdem „Methadon“ in den Internet-Foren und Medien sehr oft bestimmend auftauchte und teilweise zu gegensätzlichen und leider verhärteten Meinungen führte.  Auch in die Veranstaltungen der Deutschen Hirntumorhilfe e.V. wurde „Methadon“als Thema mit aufgenommen.
Ich verstehe jeden Patienten und Angehörigen, der die tödlich verlaufende Hirntumorerkrankung mit allen Mitteln aufhalten möchte und nach jedem „Strohhalm“ greift.
Ich verstehe aber auch die Ärzte, die allen Patienten helfen wollen und dies nicht tun können, wenn sie sich nicht auf sichere Medikamente verlassen können.
Ich hoffe, dass es mir bei aller Subjektivität gelungen ist, sachlich zu bleiben.)


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