HirnTumor-Forum

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Chemotherapie / Angiogenese-Hemmer Bevacizumab
« Letzter Beitrag von KaSy am 20. November 2020, 16:52:58 »
In der Wissenschaftszeitschrift "Bild der Wissenschaft" vom November 2020 erschien auf Seite 8 der folgende Artikel.
Inm Artikel geht es nicht direkt um Hirntumoren, jedoch um die Wirkungsweise der Chemotherapeutika, die die Gefäßneubildung verhindern.
Bevacizumab (Avastin®) ist ein solches Therapeutikum.
Hirntumoren bilden zwar keine Metastasen (Tochtergeschwülste, Absiedelungen) in anderen Organen, aber im Gehirn selbst wäre das möglich.
(Weitere Wirkungen und Nebenwirkungen wurden nicht beschrieben.)


"Mehr Metastasen durch Sauerstoffmangel

Normalerweise benötigt ein Krebstumor eine gute Blutversorgung und viel Sauerstoff, um zu wachsen.
Deshalb verhindern einige Chemotherapien gezielt die Gefäßneubildung im Tumorgewebe.
Doch der daraus resultierende Sauerstoffmangel kann eine Metastasenbildung von Tumoren fördern, wie Forscher um Nicola Aceto von der Universität Basel festgestellt haben.

In Versuchen mit an Brustkrebs leidenden Mäusen lösten sich Gruppen von Krebszellen vor allem aus den Tumorbereichen, die mit Sauerstoff unterversorgt waren.
"Es ist etwa so, als würden sich zu viele Menschen in einem engen Raum drängen. Dann gehen einige nach draußen, um frische Luft zu schnappen", sagt Aceto.

Doch die Studie ergab auch, dass sich diese Absiedelung von Tumorzellen verhindern lässt:
Erhielten die Mäuse ein Mittel, das das Gefäßwachstum anregt und damit die Blutversorgung ihrer Tumoren fördert, blieb die Metastasierung aus.
Allerdings wuchs der Primärtumor.

Bei der Krebstherapie müsste demnach abgewogen werden, was für den Patienten gefährlicher ist: die Ausgangsgeschwulst oder die Metastasen."
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Meningeom / Meningiom / Antw:Verdacht auf Meningeom
« Letzter Beitrag von TinaF am 18. November 2020, 09:52:44 »
Hallo Blümscha,

ich musste damals auch lange auf den histologischen Befund warten. Ich war längst entlassen und zu einem meiner zahlreichen Wundkontrolltermine in der Ambulanz, als mir der Prof endlich sagen konnte, dass es ein Meningeom war.

LG TinaF
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Meningeom / Meningiom / Antw:Verdacht auf Meningeom
« Letzter Beitrag von KaSy am 18. November 2020, 09:24:09 »
Morjen
Der NC könnte das wissen. Aber im Labor finden sie es heraus!
Carpe diem.
KaSy

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Meningeom / Meningiom / Antw:Verdacht auf Meningeom
« Letzter Beitrag von Blümscha am 18. November 2020, 09:05:49 »
Liebe KaSy,

vielen Dank. Ich musste soooo lachen: " Und wenn sie darauf lange warten müssen, dann ist es ein sehr "lahmarschiger" Tumor, der Dich ewig lange nicht mehr nerven wird."
 ;D ;D ;D ;D ;D
Jawohl, den hab ich gebucht  ;D
Ich werde mal nachfragen, denn nach der OP meinte der Operateur, dass die Lage usw höchst ungewöhnlich war und er absolut nicht sagen kann, um was es sich handelt  :o

Ja, ich nutze hier jeden Tag. Statt vier Wochen werde ich "nur" drei machen, aber die um so bewusster....

Danke, für die Info bzgl Krebsinformationstag und all Deine Mühen.

Liebe Grüße
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Meningeom / Meningiom / Antw:Verdacht auf Meningeom
« Letzter Beitrag von KaSy am 17. November 2020, 22:37:53 »
Liebe Blümscha,
Der histopathologische Befund sollte längst vorliegen, die OP war ja vor mehr als zwei Wochen.
Aber mach Dir keinen Kopf! Wenn es etwas Dramatisches wäre, hätten sie sich längst gemeldet. Außerdem ist es besser, wenn der Befund lange dauert. Denn die Pathologen müssen ja gucken, wann sich endlich mal eine Zelle teilt. Und wenn sie darauf lange warten müssen, dann ist es ein sehr "lahmarschiger" Tumor, der Dich ewig lange nicht mehr nerven wird. (Eine E-Mail schreiben kannst Du ja trotzdem.)

Ich stehe gerade mitten in den Kontrollen und habe es geschafft, die Mitschriften von dem Krebsinformationstag am 24,10.2020 fertigzustellen und  ins Forum zu setzen. (Guckst Du: "Termine". Klickst Du drauf. Findest Du: fast oben. Klickst Du drauf. Liest Du.  ;D. )

Nutze jeden Tag der AHB! Sie wird schneller vorbei sein, als Du denkst, also nimm viele Anregungen, Adressen und sehr schöne Erinnerungen mit!
KaSy
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Meningeom / Meningiom / Antw:Verdacht auf Meningeom
« Letzter Beitrag von Blümscha am 17. November 2020, 21:05:43 »
Liebe KaSy,

vielen Dank für Deine Nachricht.

Ja, das Thema Geduld für sich und seine Beschränkungen/Defizite, das ist wohl die größte Baustelle.....

In dem geschützten Rahmen der Klinik fühlt man sich schnell mal, als könne man Bäume ausreißen, aber der Alltag ist etwas ganz anderes....

@all: Wie lange hat bei euch das Ergebnis gedauert welcher Tumor es war? Ich habe nämlich bis jetzt leider noch nichts gehört....

Liebe Grüße
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Meningeom / Meningiom / Antw:Verdacht auf Meningeom
« Letzter Beitrag von TinaF am 17. November 2020, 18:12:37 »
Hallo Blümscha,

danke für die Info. Ich hatte gefragt, weil jemand aus der Familie nach einer schweren OP eigentlich dringend eine AHB benötigen würde, sich aber hartnäckig weigert, u.a. mit der Begründung, er müsste die ganze Zeit in seinem Zimmer bleiben und dort auch essen. Na ja, muss man lassen, wenn man so gar nicht will, würde die AHB wohl auch nicht viel bringen.

Dir wünsche ich weiterhin viel Erfolg und gute Besserung. Bist ja richtig aktiv, super!

LG TinaF
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Termine / Antw:Krebs-Informationstag am 24.10.2020
« Letzter Beitrag von KaSy am 16. November 2020, 18:12:09 »
Krebs-Informationstag am 24.10.2020

Expertengespräch: Hirntumor - Aktuelle Möglichkeiten der Behandlung

Prof. Dr. Niklas Thon
Oberarzt der Neurochirurgischen Klinik, LMU Klinikum München

Prof. Dr. Karim-Maximilian Niyazi
Oberarzt der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie, LMU Klinikum München

PD Dr. med. Friederike Schmidt-Graf
Oberärztin der Neurologischen Klinik, Klinikum rechts der Isar München, TU München

Melanie Staege (Moderatorin)
Vertreterin der Deutschen Hirntumorhilfe e. V.

Expertendiskussion über Patientenfragen

Patientenfrage / Melanie Staege:
Der medizinische Fortschritt braucht Studien. Der Patient hat die Therapien hinter sich und nun hat er ein Rezidiv. Er hat Interesse an einer Studie, in „seiner“ Klinik gibt es aber keine passenden Studien. Was raten Sie dem Patienten, um für sich eine geeignete Studie zu finden?

Antwort von Prof. Dr. Karim-Maximilian Niyazi:

Das Tumorboard bietet verschiedene Optionen an.
Wenn genügend zeitlicher Abstand seit der ersten Therapie vergangen ist,
- ist eine Re-Bestrahlung möglich
- kann der Patient an der Glia-Studie teilnehmen, die die Wertigkeit der PET-Untersuchung darstellt
- ist eine neurochirurgische Re-Resektion möglich
- dabei kann das Tumorbett nachbehandelt werden (Glio-Cave-Studie für Glioblastome)
- kann das Molekulare Tumorboard (in den Neuro-Onkologischen Zentren) einbezogen werden, um außerhalb von Studien entsprechend dem molekulargenetischen Tumorprofil nach zielgerichteten Optionen zu suchen
- ist eine klassische Chemotherapie erneut durchführbar

Wenn es darum geht, nach experimentellen Verfahren zu suchen, dann sind wir in einer Situation, die ja teilweise für den Patienten sehr unübersichtlich ist. Jedes Zentrum bietet andere Studien an. Das heißt, Sie können im Prinzip, wenn Sie bei uns (CCC München  KaSy) eine Zweitmeinung einholen, Studien finden, die Sie umgekehrt am DKFZ (Deutsches Krebsforschungszentrum  KaSy) nicht haben und genauso umgekehrt.

Und deswegen ist es wichtig, auch zentrale Register zu konsultieren:
- Eines dieser, sagen wir mal, internationalen Register, wo sich auch jeder informieren kann, unabhängig, ob Arzt oder nicht, ist „ClinicalTrials.gov“, das ist in dem Fall eine US-amerikanische Variante.
- Dann gibt es die RKS (Regional Klinik Service GmbH, Freiburg i. Breisgau  KaSy), die sozusagen auch den deutschen Studienmarkt abbildet. Dort sind relativ viele Studien gemeldet, sodass man auch schauen kann, bei welcher Entität (Das ist ein Betrachtungsgegenstand, der für sich genommen eine eigene Einheit bzw. Ganzheit darstellt. Z.B. ist eine Krankheit eine gut definierbare pathologische Entität.  KaSy), in welcher Situation ein Einschluss (in die Studie  KaSy) möglich ist.
- Und natürlich gibt es auch die NOA-Netzwerk-Tagung (NOA = Neuroonkologische Arbeitsgruppe  KaSy) letzte Woche (also Mitte Oktober 2020  KaSy) und dabei werden auch die neuroonkologischen Studien im Rahmen der NOA diskutiert.
- Was ich auch kenne, was ich tatsächlich gar nicht so uninteressant finde, wenn man das eingibt, so z.B. „Glioblastom und Hirntumorhilfe“, dann gibt es auch jemanden, der in der Hirntumorhilfe sitzt und da auch immer versucht, die (Informationen ?) zusammenzufassen. Das ist, sagt er selber, subjektiv geprägt durch seine eigenen Erfahrungen. Aber ich finde, auch für Patienten ist das wertvoll, wenn jemand als Angehöriger von einem erkrankten Patienten dann auch tatsächlich seine Erfahrungen darstellt.

Und so hat man ein breites Forum, damit auch jeder weiß, wer wo sein Spezialgebiet in Deutschland hat. Ich denke, so haben wir eine recht guten Out-vide (? einen Überblick ?  KaSy), damit wir auch wirklich dem Patienten die optimale Therapie anbieten können. Es gibt also mannigfaltige Möglichkeiten, wenn man sich informieren will.

Das Wichtigste
Das Beste ist aber immer, bleiben Sie nicht allein mit dem Wissen. Gehen Sie damit zu jemandem, zu dem Sie Vertrauen haben, in ein Zentrum. Lassen Sie sich da beraten, denn im Prinzip ist es nicht nur die Studie, die nachher das Ganze ausmacht, sondern auch, dass da jemand sitzt, der Ihnen das alles anbieten kann und der es auch wirklich in großer Menge und Zahl auch macht. Und das sind wichtige Faktoren, um auch mit einem Rezidiv eine erfolgreiche Therapie beginnen zu können.


Patientenfrage / Melanie Staege:
Wenn man eine Zweitmeinung benötigt, was muss man beachten und welches wäre die geeignete Klinik?

Antwort von PD Dr. med. Friederike Schmidt-Graf:
- Man sollte den eigenen Arzt fragen, wohin man sich wegen einer Zweitmeinung wenden kann. (Die Ärzte kennen sich untereinander und können sinnvolle Empfehlungen geben.  KaSy)
- Geeignete Kliniken für Zweitmeinungen sind zertifizierte Neuro-Onkologische Zentren. Dort sind interdisziplinäre Therapien möglich! Man kann diese Zentren im Internet finden.
- Die Ärzte, die man dann aufsucht, sollten die Patienten beraten. (Sie sollen sie nicht von ihrer eigenen Methode überzeugen, sondern die Möglichkeiten für verschiedene Therapien abwägen.  KaSy)

Antwort von Prof. Dr. Niklas Thon:
- Er begrüßt es sehr, Meinungen aus anderen Zentren zu erhalten.
- Er befürwortet Zweitmeinungen und eventuell auch Drittmeinungen, aber nicht vierte oder fünfte Meinungen, da man sich dann „verzettelt“!


Abschlussfrage / Melanie Staege:
Was möchten Sie uns zum Abschluss des Expertengesprächs noch sagen?

Antwort von Prof. Dr. Niklas Thon:
- Wir brauchen die gemeinsame Kommunikation zwischen Ärzten, Patienten und Angehörigen.
- Die Patienten sollen ihre eigenen Beschwerden erkennen und sie auch den Ärzten mitteilen.
- Wichtig ist, dass sie sich über einzelne Schritte freuen und stolz darauf sind.

Antwort von PD Dr. med. Friederike Schmidt-Graf:
- Sie betont die Wichtigkeit des offenen Austauschs der Patienten und ihrer Familien mit den Ärzten sowie mit ihrer Umgebung.
- Es muss nicht jede mögliche Therapie auch durchgeführt werden, denn:
- Es geht um die Lebensqualität!

Antwort von Prof. Dr. Karim-Maximilian Niyazi:
In der Strahlentherapie sieht er eine große Bandbreite von Patienten mit den unterschiedlichsten Krankheiten.
Er ist immer wieder von den Hirntumorpatienten beeindruckt, wie sie mit ihrer Krankheit umgehen. Sie sind tapfer, sie bringen sich aktiv ein, sie setzen sich mit dem Problem auseinander, sie genießen die Zeit, die sie noch haben.
Das findet er im Unterschied zu den anderen Patienten sehr gut und freut sich immer darüber.
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Termine / Antw:Krebs-Informationstag am 24.10.2020
« Letzter Beitrag von KaSy am 16. November 2020, 18:07:22 »
Krebs-Informationstag am 24.10.2020

Expertengespräch: Hirntumor - Aktuelle Möglichkeiten der Behandlung

Zytostatika - Molekulares Tumorboard -Supportive Therapien

PD Dr. med. Friederike Schmidt-Graf
Oberärztin der Neurologischen Klinik, Klinikum rechts der Isar München, TU München

PD Dr. med. Friederike Schmidt-Graf ist auch neuroonkologisch tätig und spricht über die Chemotherapie als eine systemische Therapie, (die den gesamten Organismus betrifft  KaSy).

Chemotherapeutische Substanzen ( Zytostatika)
Die meisten Zytostatika sind heutzutage so gut verträglich, dass sie nicht mehr in isolierten Klinkzimmern, sondern ambulant zu Hause angewendet werden können.
Die folgenden Substanzen, die die Blut-Hirn-Schranke überwinden, werden zur Zeit standardmäßig in der Hirntumortherapie eingesetzt:
- Temozolomid wird am häufigsten genutzt.
- Temozolomid mit CCNU wirkt eventuell bei Glioblastomen mit methyliertem MGMT-Promotor besser. (NOA-09-Studie)
- PC(V) (Procarbazin, CCNU, Vincristin)
- CCNU
- Bevacizumab ist in der BRD nicht zugelassen. Wenn es jedoch in der Rezidivtherapie erforderlich ist, dann „setzen wir es gerne ein“. Nach einem Antrag bei der Krankenkasse wird es meist genehmigt.

Es gibt experimentelle Therapien, die nicht in jedem Neuroonkologischen Zentrum und nicht jedem Patienten zur Verfügung stehen. Die Kliniken haben jeweils ihre eigenen Standards, die für die zu erforschenden Therapien gelten. Dadurch wird an mehreren Therapien gleichzeitig gearbeitet.
„Es wird sich in Zukunft viel tun.“


(KaSy: Erklärungen zu den Substanzen:
- Temozolomid (Handelsname: Temodal®); alkylierendes Zytostatikum; kann oral und intravenös verabreicht werden
- CCNU (Handelsnamen: Lomustin, Cecenu (D), Ceenu (CH) ); Chlorethyl-Cyclohexyl-Nitroso-Urea aus der Gruppe der Alkylantien = Nitrosoharnstoffe
- Procarbazin (Handelsname: Natulan®); aus der Gruppe der Alkylantien = Nitrosoharnstoffe
- Vincristin (Handelsnamen: Cellcristin (D), Oncovin (A, CH) ); Alkaloid aus der Rosafarbenen Catharanthe (Catharanthus roseus, frühere Bezeichnung Vinca rosea); Mitosehemmer; wird nur gemeinsam oder abwechselnd mit anderen Zytostatika angewendet
- Bevacizumab (Handelsname: Avastin®); humanisierter monoklonaler Antikörper; Angiogenesehemmer; verlängert bei Patienten mit Glioblastom das progressionsfreie Überleben, hat aber keinen Einfluss auf das Gesamtüberleben; lebensbedrohliche Nebenwirkungen können auftreten
KaSy)


Molekulares Tumorboard
Das „Molekulare Tumorboard“ ist nicht nur Zukunftsmusik, sondern auch Gegenwartsmusik. Hier erfolgt die gemeinsame Suche nach der passenden Therapie.

(KaSy: Damit ist nicht das bekannte Tumorboard gemeint, in dem in allen Kliniken, in denen Hirntumorpatienten behandelt werden, Experten unterschiedlicher Fachrichtungen unter Betrachtung auch des genetischen Tumorprofils gemeinsam für einen Patienten über seine weiteren Therapien entscheiden. Im Molekularen Tumorboard geht es um „Ausnahmen“.)

Im Molekularen Tumorboard werden Patienten vorgestellt,
- bei denen die Standardtherapie erfolgt ist
- für die es keine „bekannten“ Therapieoptionen mehr gibt
- deren Hirntumorerkrankung einen ungewöhnlichen Verlauf nimmt
       z.B. einen sehr frühen Progress, eine ungewöhnliche Lokalisation, o.ä.
- bei denen eine seltene Tumorentität (Tumorart) vorliegt
- deren Tumor ein seltenes molekulares Profil aufweist.

In Neuroonkologischen Zentren gibt es dieses Molekulare Tumorboard (in denen bisher nur die „eigenen“ Patienten vorgestellt wurden  KaSy), jetzt kommen auch Patienten von außerhalb.
Zunehmend werden Patienten jetzt frühzeitig in das Molekulare Tumorboard eingebracht, denn je besser wir eine passende Chemotherapie finden, umso besser sind die Chancen für die Patienten.

Supportive Therapien
(Supportive Therapien sind unterstützende Verfahren, die nicht primär der Heilung einer Erkrankung dienen, sondern den Heilungsprozess durch zusätzliche Behandlung beschleunigen oder die Symptomatik abschwächen sollen.  KaSy)

Wenn während der Hirntumortherapie Nebenwirkungen auftreten, sind die supportiven Therapien durch den behandelnden Arzt selbst einzuleiten oder dem Patienten sind Empfehlungen zu geben.

1) Symptom: Epileptische Anfälle
    Therapie: Antikonvulsiva (erhöhen die Anfallsschwelle  KaSy), Tumorspezifische Therapie
    Bemerkungen: Es sollen möglichst wenige (oder keine  KaSy) Anfälle entstehen.

2) Symptom: Ödem
    Therapie: Kortiko-Steroide, z.B. Dexamethason, Osmodiuretika, Bevacizumab
    Bemerkungen: Eine Operation ist möglich.

3) Symptom: Thrombose
    Therapie: Antikoagulation („Blutverdünner“  KaSy) / engl.: LMWH (Low Molecular Weight Heparine  KaSy), Stützstrümpfe
    Bemerkungen: (Während der OP unbedingt!  KaSy), symptomatisch (z.B. geschwollene Füße, Beine  KaSy)

4) Symptom: Kopfschmerzen
    Therapie: Analgetika (Schmerzmittel  KaSy)
    Bemerkungen: Es sollen möglichst wenige (oder keine  KaSy) Schmerzen entstehen.

5) Symptom: Übelkeit (Chemotherapie  KaSy)
    Therapie: Serotonin-Antagonisten, MCP (Antiemetikum „Metoclopramid“  KaSy), Kortiko-Steroide
    Bemerkungen: Gegen Übelkeit soll prophylaktisch (vorbeugend  KaSy) gehandelt werden!

6) Symptom: Depression, Angst
    Therapie: Psycho-Onkologie, Antidepressiva, Anxiolyse (mit Beruhigungsmitteln  KaSy)
    Bemerkungen: Die Patienten und ihre Angehörigen sollten begleitet werden.

7) Symptom: Fokale neurologische Ausfälle (Lähmungen, Sprachstörungen, Sehstörungen, ...  KaSy)
    Therapie: Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, Rehabilitationsmaßnahmen
    Bemerkungen: Eine Verbesserung ist möglich.

8 )Symptom: Kognitive Defizite (Denken, Gedächtnis, Wahrnehmung, Lernen, Konzentration, Motivation, Reaktionszeit, ...  KaSy)
    Therapie: Ergotherapie, kognitives Training, spezielle Rehabilitationsmaßnahmen
    Bemerkungen: Sie sind nicht ganz einfach zu trainieren.


Patientenfrage / Melanie Staege:
Wie kann man während der Chemotherapie sein Immunsystem schützen?

Antwort von PD Dr. med. Friederike Schmidt-Graf:
Es ist wichtig, sich während der Chemotherapie wohlzufühlen.
Eine Ernährungsdiät muss nicht sein, wenn man nicht will. Man sollte sich möglichst gesund ernähren. Von seiner Umgebung soll man sich nicht reinreden lassen, z.B. wenn einem eine fleischlose Ernährung eingeredet wird, man aber gern Fleisch isst.


Patientenfrage / Melanie Staege:
Wie kann man eine spezielle Rehabilitationsmaßnahme finden, von der Sie sprachen?

Antwort von PD Dr. med. Friederike Schmidt-Graf:
Viel wird über den Sozialdienst des Krankenhauses organisiert.
Für Hirntumorpatienten empfiehlt sie eher keine onkologische, sondern eine neurologische Rehabilitation, da neurologische Ausfälle Begleiterscheinungen von Hirntumortherapien sein können.
Diese kann ambulant oder stationär erfolgen.
Sinnvoll sei es, mehr zu Hause, in der Familie, in der vertrauten Umgebung zu sein, als den ganzen Tag in einer Rehabilitationsklinik aktiv zu sein.
Der Patient sollte mit dem ärztlichen Ansprechpartner beraten, was das Sinnvollste ist, also ob Rehabilitation, wo, wie ...

Antwort von Prof. Dr. Niklas Thon:
Vor therapeutischen Schritten muss nicht frühzeitig über eine Rehabilitation geredet werden, weil die Operationen heute recht sicher sind. Die Patienten müssen mitnichten regelhaft vom Krankenhaus in eine stationäre Rehabilitationsklinik gebracht werden. Es würde nur um diejenigen Patienten gehen, bei denen der Tumor in eloquenten, also in funktionsträchtigen, Arealen entstanden ist. Dann halte ich es aber auch für sehr viel wichtiger, dass die Patienten ein supportives (unterstützendes  KaSy) Netzwerk heimatnah auch als langfristige Betreuung sehen. Dass wir die Patienten nach der frühen Behandlung sofort in die stationäre Rehabilitation überleiten müssen, ist äußerst selten der Fall.

Das ist auch zu vermeiden, weil wir eben auch die schnelle Bestrahlung und die schnelle Weiterbehandlung anstreben. Wenn wir zu radikal operieren und die Patienten in einen schlechten Zustand versetzen, dann haben wir alles falsch gemacht. Wir müssen so behandeln, dass die Patienten diesen ganzen Lauf der Therapie möglichst zügig und auch mit guter Lebensqualität durchlaufen.

Aber es gibt noch einen Punkt. Die Veränderung der Persönlichkeit, die Veränderung der Kognition, die Veränderung der dann vielleicht auch sichtbaren Körperfunktionen ist ja häufig etwas, was erst im Krankheitsverlauf entsteht. Und deswegen ist es wichtig, dass Netzwerke geschaffen werden, dass frühzeitig auch Kommunikationspartner, Anlaufstellen, Hilfestellungen zur Verfügung gestellt werden und auch in der Familie gemeinsam die Situation vorbereitet wird. Und deswegen ist es in jeder Sprechstunde so, dass wir uns immer freuen, wenn die Patienten mit Begleitung auftreten, denn je länger die Krankheit fortschreitet, desto wichtiger wird auch die Begleitung sein, damit wir die Patienten richtig begreifen, aber auch richtig versorgen können.
Deswegen denke ich, dass jegliche Rehabilitation und auch die Lebensqualität sehr stark eigentlich im häuslichen Umfeld stattfinden soll.


Frage von Prof. Dr. Niklas Thon:
Sie haben die Familie angesprochen. Gilt die psycho-onkologische Begleitung für die Patienten auch für deren Angehörige?

Antwort von PD Dr. med. Friederike Schmidt-Graf:
Natürlich gilt das auch für Angehörige. Oft kommen beide Ehepartner. Oft kommen eher die Angehörigen als die Patienten selbst.

Antwort von Prof. Dr. Niklas Thon:
Das gilt auch für die Kinder und auch für die erwachsenen Kinder der Hirntumorpatienten.
Es gibt eine Studie dazu, ab wann (Kinder ?) Kompetenzen entwickeln und wann die Patienten profitieren. Sie ergab, dass die palliative Versorgung frühzeitig beginnen soll, weil die Familie und die Kinder dann mitgenommen werden, weil Netzwerke geschaffen werden. 60 % (der Patienten / Ehepartner / Familien ?) wollen es frühzeitig.
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