HirnTumor-Forum

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Nachrichten - KaSy

Seiten: [1] 2 3 ... 140
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Erfahrungsaustausch / Erfahrungsberichte / Antw:Narben entstören
« am: 17. Oktober 2018, 21:59:30 »
Liebe enola,
mit einem "nicht hübschen, aber intakten Kopf" kann ich nicht dienen, ich habe selbst drei solche Narben wie Du sie hast, und noch entstellendere Sachen, die ich unter einer Perücke verstecke. Zum Glück habe ich dort keine  derartigen Probleme wie Du.

Nach einer Wundheilungsstörung am Kopf hatte ich Eigenhauttransplantationen und die dadurch entstandenen drei sehr großen Narben am Oberschenkel und am Unterarm wurden von einer Ergotherapeutin behandelt!

Das führte zu einer besseren Beweglichkeit des Arms und Handgelenks und einer besseren Heilung bzw. Aussehen dieser Narben.

Allerdings habe ich nur selten Schmerzen in diesen Narben.

Aber versuche es und suche Dir eine Praxis für Ergotherapie, die Narbenbehndlung anbietet. Die haben auch bestimmte Gerätschaften und könnten bei Notwendigkeit eine Narbencreme empfehlen.

Letzteres war bei mir gar nicht nötig, es wurde eine normale Creme bzw. Lotion genutzt, die ich zu Hause hatte.

Ich wünsche Dir Erfolg dabei, wenigstens ein bisschen ...
KaSy

2
wait-and-see / Antw:Kontrolle-MRT und innerlich zerrissen
« am: 14. Oktober 2018, 01:28:32 »
Das mit den Antibiotika während der OP dient der Bekämpfung von Keimen, die womöglich in das OP-Gebiet geraten könnten. Natürlich wird äußerst steril gearbeitet und doch gibt es immer wieder Fälle mit Infektionen infolge einer OP. Das kann keiner brauchen, das Gehirn nicht, der Patient nicht und die Ärzte auch nicht. Soweit ich mich erinnere, geben sie es lokal, also ins OP-Gebiet. Wenn es danach fortgesetzt wurde, dann nur über den Tropf. An Tabletten dieser Art erinnere ich mich nicht. Das dient also Deiner Sicherheit.

Das mit der Demenz halte ich für etwas übertrieben, aber wenn das Meningeom im Frontalbereich liegt, sind Wesensveränderungen durchaus möglich, auch durch die OP.
Das hatte mir meine Hausärztin auch vorausgesagt und ich konnte das nicht einordnen, also, ich dachte, womöglich erkenne ich meine Leute nicht mehr oder ich merke nicht, dass ich irgendwelchen Blödsinn mache. Diese Angst war unberechtigt. Ich hatte/habe Wesensveränderungen, die aber recht gering sind und nur in besonderen Situationen auftreten.
Ich rastete schneller aus.
Andere wurden ruhiger.
Dass jemand durch die OP oder ein groß gewordenes Meningeom dement wurde, habe ich noch nicht gehört.
Mein erstes war wohl so 5 cm im Durchmesser und  ;) ich bin so schlau wie zuvor.  ;) und finde das eigentlich faszinierend nach sogar fünf Meningeomen.

Das wirst Du auch sein!
KaSy

3
wait-and-see / Antw:Kontrolle-MRT und innerlich zerrissen
« am: 13. Oktober 2018, 00:20:34 »
Liebe Elfe7,
diese Entscheidung sollst Du treffen? Wird denn nicht das Team der Neurochirurgen den Arzt bestimmen, der am besten geeignet ist?

Ich selbst war in keiner Uniklinik. Ich werde seit 1995 in einem KH behandelt, die über alle Fachrichtungen und eine Tumorkonferenz verfügt. Die NC-Chefärzte hatten jeweils in der Charité studiert und waren nach mehreren Jahren Erfahrung in dieses KH gekommen. Ich wurde stets vom Chefarzt operiert.

Ich kenne aber durchaus die Diskussionen darüber, ob der Chefarzt auch der beste Arzt ist. Er war natürlich auch sehr lange Assistenzarzt, dann Stationsarzt, Oberarzt, bevor ihm der Chefarztposten angetragen wurde. Er hat also viel Erfahrung. Wenn er bereits länger Chefarzt ist und mehr andere Aufgaben übernommen hat, hat er zwar weniger häufig operiert, aber das verlernt ein sehr guter Chirurg nicht.

Aus meiner Sicht solltest Du nach Deinem Empfinden gehen, bei wem Du Dich wohler fühlst.

Könnte es sein, dass der NC-CA Dr. Roland Goldbrunner heißt? Den diesen habe ich auf dem 34. Hirntumorinformationstag erlebt. Du findest meine Beschreibung seines Arztvortrages hier im Forum unter "Sonstiges" - "Termine" - "Berichte vom 34. Hirntumorinformationstag ..." Er gehört zu den Ärzten, die dort ohne Bezahlung auftreten, was für ihn spricht. Aber lies mal.

Falls sich kein anderer mit Köln-Erfahrungen meldet, kannst Du evtl. die Suche benutzen und nach Dr. Goldbrunner, Dr. Grau, Uniklinik Köln suchen.

Ansonsten lass Dein Gefühl entscheiden. Die sind alle gut dort!
KaSy

4
Liebe UMMA,
da ICH denke, dass sich dieser Tumor nicht (mehr) in einer sogenannten Kapsel* befindet, sondern sich irgendwie ausbreitet und die Blutgefäße betrifft sowie recht nah am Gehirn ist, kann es richtig sein, ein MRT des Gehirns durchzuführen.

* Zu Beginn ihrer Entwicklung befinden sich manche Tumoren (konkret Meningeome z.B.) in einer Kapsel bzw. Hülle. Wenn der Tumor operativ entfernt wird und die Kapsel unverletzt mit entfernt wird, ist das das bestmögliche OP-Ergebnis.

Es gibt zwar die Blut-Hirn-Schranke, die das Gehirn vor allen möglichen schädlichen Stoffen, Giften usw. schützt, aber ob diese jetzt noch aktiv genug ist, um Metastasen im Hirn oder aber auch in anderen Organen zu verhindern, das glaube ich kaum.

Ich bin aber Laie und Ihr solltet wegen der Notwendigkeit eines Kopf-MRT unbedingt den Arzt befragen.
Ich habe keine Ahnung, wie häufig diese Metastasen als Absiedelungen des Ersttumors vorkommen.
Die Frage wäre dann auch, ob der Tumor der Ersttumor ist. Das halte ich für wahrscheinlich, aber auch das weiß ein Arzt besser.

Wegen der Zweitmeinung habt Ihr ja in der Uniklinik mehrere Ärzte mehrerer Fachrichtungen, die miteinander die Fälle der einzelnen Patienten beraten, um die bestmögliche Therapie zum richtigen Zeitpunkt durchzuführen.

Solltet Ihr Zweifel haben, ob alles richtig diagnostiziert und demzufolge auch passend therapiert wird, dann steht es Euch selbstverständlich zu, alles in Kopie in eine andere Klinik zu schicken. Die MRT-CDs könnt Ihr Euch von  der Radiologie ein zweites Mal aushändigen lassen, um sie mitzuschicken.


Ich selbst war stets in derselben Klinik, wo es auch von den Fachrichtungen verschiedene Ärzte gibt, die jeder ihre eigene Meinung haben. Das hat mir genügt. Jede durchgeführte oder verschobene oder vermiedene Behandlung hat ihr eigenes Risiko. Das hängt vom Einsatz der Mittel sowie vom Patienten in seiner Gesamtheit ab. Da bleibt in jedem Fall ein Restrisiko. Um die Entscheidungen sind die Ärzte nicht zu beneiden.

Wichtig ist, dass Ihr mir den getroffenen Entscheidungen leben könnt und nicht später sagt "Hätten wir mal doch ..."

Noch mehr Meinungen können die Entscheidungen erleichtern, aber auch verkomplizieren. Es hängt von Euch ab, wie Ihr mit dieser psychischen Belastung fertig werdet. Vor allem aber vom Willen Deines Papas!
Beste Grüße
KaSy

5
Hallo, UMMA,
ich begrüße Dich in diesem Forum und hoffe, dass Du wenigstens einige kleine Tipps bekommst, die Euch weiterhelfen.

Ich selbst bin "Meningeom-erfahren", habe mich aber hier im Forum und auf Hirntumorinformationstagen viel mit den Varianten der Diagnostik, Therapie und Folgen von Hirntumoren beschäftigt.

Glomustumor und Vagusnerv sind mir dabei tatsächlich gar nicht "begegnet".

Dennoch habe ich ein wenig beizutragen.

Ein Tumor kann durchaus eine Mischform aus verschiedenen Zellarten sein, die sich unterschiedlich schnell teilen, sich unterschiedlich in ihre Umgebung ausbreiten oder es nicht tun. Bisher war die Einteilung nach dem Maßstab der WHO (Weltgesundheitsorganisation) üblich und würde bei diesem Tumor Verwendung finden. Danach würde dieser Tumor leider den höchsten, also bösartigsten Grad IV erhalten.

Die Operation ist der meist übliche erste Therapieschritt.

Um mit solchen Tumoren (naja - halbwegs) fertigzuwerden, ist eine intensive weitere Therapie erforderlich, die zunächst aus einer zugleich beginnenden Chemotherapie und Bestrahlung besteht.

Für diese beiden Therapien gibt es in diesem Forum Themen, wo Du z.B. zum Chemotherapeutikum Temodal nachlesen kannst, das ambulant genommen wird und recht gut vertragen wird. (Ich selbst habe damit keine Erfahrung.)

Bestrahlt wurde ich mehrmals nach Operationen und zwar jeweils über 6 Wochen an je 5 Tagen mit einer jeweils geringen Strahlendosis (1,8 - 2,0 Gy), die sich im Verlauf der 30 Bestrahlungen auf die Gesamtdosis (54 Gy - 60 Gy) summiert. Diese Methode der "fraktionierten" Bestrahlung gilt als schonend für das umliegende gesunde Gewebe und verringert Folgeschäden.
Es gibt auch Einzeitbestrahlungen (Cyberknife, Gammaknife), diese kommen meines Erachtens für Euch nicht infrage.
Von einem Bekannten, der am Kehlkopf bestrahlt wurde, erfuhr ich, dass er 35 mal bestrahlt wurde, also über 7 Wochen.
Möglich wäre auch die beim Vorkommen vieler Hirnmetastasen verwendete Ganzhirnbestrahlung, da sich dieser Tumor so eigenartig ausbreitet.

Ich war während der Bestrahlungen müder als sonst, das erklärt sich daraus, dass der Körper ja enorm arbeiten muss, um die zellzerstörende Strahlenwirkung zu verkraften. Ansonsten ging es mir recht gut. (Mein Bekannter war sogar selbst an den 35 Tagen mit dem Auto je 50 km zur Bestrahlung und zurück gefahren.) Es steht einem aber ein Transport per Taxi zu.

Es geht bei Euch vermutlich um eine Bestrahlung im "Kopf/Hals-Bereich".

Um eine Klinik zu finden, würde ich raten, eine zu suchen, in der es eine Tumorkonferenz gibt, weil dort sowohl Operationen, Bestrahlungen und Chemotherapien durchgeführt werden und diese sowie angrenzende Fachbereiche (HNO, Psychoonkologie, ...) im selben Krankenhaus stattfinden und gegebenenfalls rasch auch eine stationäre Aufnahme erfolgen kann. Es sollte eine interdisziplinäre Behandlung möglich sein, ohne von Arzt zu Arzt rennen zu müssen.

Die Krebshilfe ist sicher ein guter Ansprechpartner.

So weit erstmal. Vielleicht war der ein oder andere Tipp hilfreich?
Es ist ein sehr dramatischer Befund ...
Ich wünsche Euch sehr, dass Ihr sehr gute und verständnisvolle Ärzte findet.

Beste Grüße
KaSy

6
Astrozytom / Antw:Anaplastisches Astrozytom (Grad 3), zu 90% entfernt
« am: 04. Oktober 2018, 17:31:28 »
 :)   ;D   :D
KaSy

7
„Anfallstherapie bei Hirntumorpatienten“ und „Führerschein bei Epilepsie“

Ich war am 30. August 2018 zur Sprechstunde in der Ambulanz für Neurochirurgie meiner Klinik. Dort trat vor kurzem ein neuer Chefarzt (aus der Charité) seinen Dienst an.

Bei den ausliegenden Materialien für die Patienten fand ich die folgenden Informationen, die keinen Autor, jedoch Verweise auf Fachpublikationen aus den Jahren 1981 bis 1996 enthalten. Ich habe diese Publikationen nicht gelesen, übernehme sie aber aus dem Informationsmaterial in (1).
Der Inhalt scheint mir aktuell und für Hirntumorpatienten wichtig zu sein.
Die Abkürzung AED wird für antiepileptic drug (deutsch: Antiepileptika) verwendet.
Weitere Übersetzungen und Erläuterungen von Fachbegriffen füge ich ab (2) an.



Therapie bei zerebralen Anfällen neurochirurgischer Patienten
(Zur genauen ätio-syndromatologischen Einordnung sollte im Regelfall ein epileptologisches Konsil eingeholt werden.)

Grundsätzlich gilt: Keine Prophylaxe nach Auftreten eines einzelnen Anfalls! (1)

- AEDs wirken nur antikonvulsiv, nicht aber antiepileptisch! (2)
- Bei einer nicht notwendigen Prophylaxe werden viele Patienten unnötig den Risiken und Nebenwirkungen der AED ausgesetzt werden.
- Häufig wird die AED-Therapie ambulant über Jahre fortgeführt, da sich keiner „traut“, die an sich nicht notwendige Therapie zu beenden.

In der Neurochirurgie handelt es sich fast immer um symptomatische Anfälle.
Die Therapie der Grunderkrankung steht im Vordergrund.


Abwägen des Beginns der AED-Therapie

Einmaliges Auftreten: ein Anfall ist eine kurzzeitige Funktionsstörung des Gehirns und noch keine Epilepsie. Man unterscheidet:

1. Gelegenheitsanfall
Es ist (üblicherweise) keine Läsion intrazerebral (3) bekannt oder auf bildgebenden Verfahren erkennbar. Der Auslöser war zum Beispiel Alkoholentzug, massiver Schlafentzug, Photostimulation (4) o.ä.. Zur genaueren ätiosyndromatologischen (5) Einordnung sollte in jedem Fall ein epileptologisches Konsil (6) eingeholt werden.
Therapie: auslösende Faktoren vermeiden wie Alkoholexzess, Schlaflosigkeit, Dysstress (7). Üblicherweise erfordern Gelegenheitsanfälle keine AED-Therapie.

2. Patient mit intraazerebraler Läsion und erstem Anfall
(Erster Anfall ist hier häufig Auslöser der Diagnostik, die zur Entdeckung der Läsion führt.)

Auch hier gilt: Ein Anfall ist noch keine Epilepsie!
Aber:

A  Abwägen der Epileptogenität (8 ) der Läsion
- Liegt die Läsion temporomesial (9)?
- Wird eine Läsion/Störung mit hohem epileptogenem Potential vermutet? (z.B. Cavernom, Gangliogliom, Abszess, Sinusvenenthrombose)
- Liegt ein ausgedehntes Ödem (10) vor? (Bei einem sekretorischen Meningeom, intrazerebralem Abszess oder Glioblastom wird die Anfallsbereitschaft bereits durch Dexamethason-Gabe gesenkt.)

B  Abwägen der genauen Anfalls-Anamnese des Patienten
- Unter welchen Bedingungen kam erster Anfall zustande? (Spielte ein zusätzlich provozierender Faktor eine Rolle!? Auch Dysstress kann mitverursachend sein.)
- War der „erste“ Anfall wirklich der erste? Gibt es aus der Anamnese Hinweise auf bereits frühere (bisher nicht erkannte) weitere Anfälle? (z.B. blande (11) automotorische Anfälle mit nur kurzem Bewusstseinsverlust, in denen der Patient evtl. nur kurz still da saß, starrer Blick, vielleicht einige orale Automatismen o.ä.!?)
- Einfach fokale Anfälle* (nach ILAE-Klassifikation = Anfälle ohne Bewusstseinsverlust), z.B. somato-sensible Aura, aber auch einfache motorische Anfälle (z.B. „Jackson-Anfall“) gefährdet den Patienten kaum. Sofern dies die bisher ausschließliche Anfallsform war (und der Patient dies toleriert), kann auch überlegt werden, zunächst den Spontanverlauf bis nach der OP abzuwarten (wenn die Operation unmittelbar bevorsteht).
- Komplex-fokale Anfälle* (nach ILAE-Klassifikation = Anfälle mit Bewusstseinsverlust) = höhere Gefährdung, da die qualitative Störung des Bewusstseins ein gerichtetes Handeln zum Teil unmöglich macht.
*Diese Einteilung in einfach-fokale und komplex-fokale Anfälle ist zwar noch gültige Klassifikation der ILAE, steht aber kurz davor, abgelöst zu werden, da diese Art der Anfallsklassifikation leider gar nichts wirklich über den Anfall aussagt, außer dass zur Bewusstseinslage Stellung genommen wird. Nach den Vorschlägen der Task Force der ILAE sollen in Zukunft die Begriffe „einfach-fokal“ und „komplex-fokal“ ersatzlos gestrichen werden! Wichtiger erscheint es doch, eine genauere Beschreibung des Anfalls vorzunehmen, etwa: oral-automotorischer Anfall mit Bewusstseinsverlust oder kurzer tonischer Anfall einhergehend mit Bewusstseinsverlust und Sturz (o.ä.).   
- Sekundäre Generalisierung (d.h. Übergang in einen Grand mal; teilweise tritt auch nur ein Grand mal auf – die fokale Einleitung ist häufig anamnestisch nicht sicher zu erkennen, da z.B. der Anfall aus dem Schlaf heraus auftrat, da z.B. die fokale Einleitung zu kurz dauerte, um bemerkt zu werden o.ä.) = höchste Eigen-Gefährdung des Patienten. Dennoch gilt auch hier: ein Anfall ist noch keine Epilepsie! Unbedingt die genaue Anamnese erheben (s.o.)!

Konsequenz
- Bei 1 (-2) einzelnen blanden (möglicherweise sogar fraglichen) Anfällen: chirurgische Therapie und Verlauf abwarten, im Regelfall epileptologisches Konsil einholen.
- Patienten aufklären, dass möglicherweise ein Anfall (keine Epilepsie!!!) aufgetreten war und man den weiteren Verlauf abwarten möchte. Der Patient wird gebeten, sofort über ähnliche (falls anamnestisch fragliche) Zustände zu berichten, falls diese erneut auftreten.
- Wenn in absehbarer Zeit eine neurochirurgische Therapie der Läsion stattfinden wird, ist von einer grundsätzlichen Änderung der inhärenten (12) epileptogenen Kraft auszugehen, und zwar umso mehr, je konsequenter epilepsiechirurgische Überlegungen die operative Taktik beeinflussen.
- Wenn man von einer postoperativ (13) geringeren Anfallsbereitschaft ausgehen darf und man keine AED-Dauertherapie beginnen will, aber dennoch einen gewissen „Schutz“ bis zur OP etablieren (14) will, kann man vorübergehend auch Frisium (z.B. 3 x 5 mg oder 2 x 10 mg, evtl. auch 3 x 10 mg) einsetzen.

Beginn einer Therapie mit AED

ist indiziert beim Vorliegen einer Epilepsie: d.h. dem
unprovozierten wiederholten Auftreten epileptischer Anfälle


Hier gelten folgende Therapiegrundsätze:

- „Start low – go slow“ (15)
- Mittel der ersten Wahl üblicherweise (da es sich ja im Regelfall um symptomatische fokale Epilepsien handelt): Carbamazepin (CBZ)
(Tegretal ®, Timonil ®, Carbium ®, Fokalepsin ®, Finlepsin ®, Carba ® )
- Monotherapie vor Kombinationstherapie
- Ausdosieren der Monotherapie bis an die individuelle Nebenwirkungsgrenze
- Bei Scheitern: Umstellung auf ein anderes AED
(z.B. Keppra ®, Topamax ®, Lamictal ®, Neurontin ® ), insbesondere Levetiracetam (Keppra ® ) und Gabapentin (Neurontin ® ) sind hier auf Grund geringerer Interaktionen und der insgesamt guten Verträglichkeit zu nennen. Gerade bei älteren (z.B. Tumor-) Patienten muss überlegt werden, diese beiden ggf. als Mittel der „ersten Wahl“ (noch vor CBZ) einzusetzen.
- [alt: Phenytoin (Phenhydan ® )]
- Interaktionen mit Chemotherapeutika [senken z.B. die Serumkonzentration der AEDs: Cisplatin, Carboplatin, BCNU (bischloroethylnitrosourea), Taxol]

Akute Therapie bei bekanntem Anfallsleiden

nach einmaligem Grand mal (zur Verhinderung einer Serie/Status (17)) oder bei einer Serie von Auren (18) oder automotorischen Anfällen (z.B. mehr als 3 solcher Anfälle innerhalb von 12 bis 24 Stunden): z.B. 20 mg Diazepam rektal oder 2,5 mg Tavor p.o. (19)

Therapie bei Grand mal-Status

(z.B. bei 70 kg schwerem „Durchschnittserwachsenem“):
initial (20) 20 mg Diazepam iv. (21) (oder alternativ 4 mg Tavor iv.),
dann Aufsättigung mit Phenytoin: 250 mg (1 Ampulle= 5 ml) als Bolusinjektion (22) und anschließend Infusionsbehandlung (23) mit dem Phenhydan-Infusionskonzentrat (= 750 mg in einer Ampulle á 50 ml-Lösung, die mit 450 ml NaCl-Lösung auf 500 ml Gesamtmenge ergänzt wird; die so verdünnte Lösung wird mit 1 ml / kg / Stunde infundiert. Alternativ kann diese Menge auch als Statusinfusion innerhalb von 30 min gegeben werden.).
In jedem Fall erfordert die Statusbehandlung eine kardiologische Überwachung mit Puls-, RR- (24) und EKG (25)-Kontrolle.
Cave (26): Phenytoin immer über eine eigene separate Kanüle (Zugang) infundieren!


Wortbedeutungen:

(1) Pro „prophylaktischem“ AED-Einsatz argumentiert der Artikel von:
Boarini DJ, Beck DW, Van Gilder JC. Postoperative prophylactic anticonvulsant therapy in cerebral gliomas. Neurosurgery 1985;16:290-292.
Contra „prophylaktischem“ AED-Einsatz argumentieren die folgenden Artikel:
Cohen N, Strauss G, Lew R, et al. Should prophylactic anticonvulsants be administered to patients with newly diagnosed cerebral metastases. A retrospective analysis. J Clin Oncol 1988;6:1621-1624.
Mahaley MS, Dudka L. The role of anticonsulvant medications in the management of patients with anaplastic gliomas. Surg Neurol 1981;16:399-401.
Moots PL, Maciunas RJ, Eisert DR, et al. The course of seizure disorders in patients with malignant gliomas. Arch Neurol 1995;52:717-724.
Glantz MJ, Cole BF, Friedberg MH, et al. A randomized, blinded, placebo-controlled trial of divalproex sodium prophylaxis in adults with newly diagnosed brain tumors. Neurology 1996;46:985-991.
Weaver S, Forsyth P, Fulton D, et al. A prospective randomized study of prophylactic anticonvulsants (AC) in patients with primary brain tumors (PBT) or metastatic brain tumors (MBT) and without prior seizures (Sz): a preliminary analysis of 67 patients. Neurology 1995;45(Suppl 4):A263.

(2) Konvulsionen sind Krampferscheinungen am ganzen Körper oder an Teilen des Körpers.
Von Epilepsie spricht man, wenn zerebral (vom Hirn aus) ausgelöste Krampfanfälle wiederholt auftreten, weil die Krampfschwelle z.B. durch Hirnschädigungen (uns betreffen: Hirntumor, OP am/im Gehirn) krankhaft herabgesetzt ist. AEDs wirken also nur gegen Anfälle, indem sie die Krampfschwelle heraufsetzen, sie können eine Epilepsie nicht heilen.

(3) intrazerebrale Läsion: Schädigung am/im Gehirn, die seine normale Form oder/und seine Funktion verändert

(4) Photostimulation: die Person war flackerndem Licht ausgesetzt, z.B. Scheinwerfer des Gegenverkehrs beim nächtlichen Autofahren; beim Fahren durch lichte Wälder bei niedrigem Sonnenstand; rasche Bildwechsel im Kino, am Fernseher, am Computer   

(5) ätiosyndromatologisch: Ätiologie = Einordung nach der Ursache; Syndrom = mehrere    Symptome oder Anomalien, die für ein Krankheitsbild typisch sind

(6) Konsil: patientenbezogene Beratung eines Arztes durch einen anderen Arzt

(7) Dysstress: negativer Stress (im Unterschied zum positiven „Eustress“)

(8 ) Epileptogenität: Kann die gefundene Läsion die Ursache für den Anfall sein?

(9) temporomesial: temporal = seitlich, mesial = mittig

(10) Ödem: Flüssigkeitsansammlung im Gehirn um eine Läsion herum

(11) blande: milde, reizlos

(12) inhärent: der Sache innewohnend, hier: Die den Anfall auslösenden Gehirngebiete werden durch die Operation so verändert, dass sich dadurch die Stärke und evtl. die Art der Anfälle ändern wird.

(13) postoperativ: nach der Operation

(14) etablieren: hier: absichern

(15) Start low – go slow: Beginne mit einer niedrigen Dosis und steigere sie langsam.

(16) BCNU: Bis-Chlorethyl-NitrosoUrea = Carmustin = ein Chemotherapeutikum

(17) Serie/Status: mehrere Anfälle hintereinander innerhalb von Sekunden, Minuten Stunden bis zu einem Tag oder ein langanhaltender Anfall

(18) Auren: Eine Aura leitet einen Anfall ein, sie kann auch allein vorkommen.

(19) p.o.: lateinische Abkürzung : per os = über den Mund = Die Tablette wird auf die Zunge gelegt.

(20) initial: beginnend

(21) iv.: intravenös = Das Medikament wird mit einer Spritze in eine Vene gegeben.

(22) Bolusinjektion: eine schnelle Gabe der erforderlichen Dosis des Medikaments iv.

(23) Infusionsbehandlung: langsamere Gabe des Medikaments über einen längeren Zeitraum („Tropf“)

(24) RR: Blutdruck (nach Riva-Rocci), gemessen in mmHg = Millimeter Quecksilbersäule

(25) EKG: Elektrokardiogramm = Aufzeichnung der elektrischen Aktivitäten aller Herzmuskelfasern

(26) Cave: Lateinisch: Hüte Dich!“; In der Medizin wird "cave" als Warnung angewandt, wenn auf einen potentiell gefährlichen Sachverhalt aufmerksam gemacht werden soll. Er findet sich häufig im Zusammenhang mit Hinweisen auf mögliche Komplikationen oder Nebenwirkungen von Behandlungen.



Die folgenden Aussagen zu „Epilepsie und Führerschein“ beziehen sich auf die 6. Auflage der Begutachtungsrichtlinien aus dem Jahr 2000 und waren am 24.05.2018 nahezu unverändert gültig. Sie wurden im Interesse der Betroffenen formuliert und gedeutet.

Epilepsie und Führerschein

Die Erteilung einer Fahrerlaubnis für Menschen mit Epilepsie ist gesetzlich nicht geregelt.
Beurteilungsmaßstab für die Straßenverkehrsbehörden, für Ärzte und Betroffene bildet das für alle verbindliche Gutachten „Krankheit und Kraftverkehr“ des Gemeinsamen Beirats für Verkehrsmedizin beim Bundesminister für Verkehr und Bundesminister für Gesundheit.
Die neuen Begutachtungsleitlinien (6. Auflage, 2000)  bilden zwei Gruppen von Fahrerlaubnisinhabern.
- Gruppe 1 (entspricht im wesentlichen dem früheren Führerschein Klasse III) erfasst die neuen Klassen A, B, B+E.
- Gruppe 2 (entspricht im wesentlichen dem früheren Führerschein Klasse II) erfasst die neuen Klassen CE, D, DE mit den Unterklassen C1, C1E und D1E.

Gruppe 1:
Allgemein gilt: Wer epileptische Anfälle oder andere anfallsartige Bewusstseinsstörungen hat, ist in der Regel nicht in der Lage, den gestellten Anforderungen zum Führen von Kraftfahrzeugen der Gruppe 1 gerecht zu werden, solange ein wesentliches Risiko von Anfallrezidiven besteht.
Es wird unterschieden:
- Keine Anfallsfreiheit: Fahreignung wird angenommen, wenn einfach fokale Anfälle ohne Bewusstseinsstörung und ohne Behinderung für das Fahren ablaufen, nach mindestens einjähriger Verlaufsbeobachtung. Bei Anfällen, die ausschließlich an den Schlaf gebunden sind, ist eine 3-jährige Beobachtung erforderlich.
- Anfallsfreiheit nach medikamentöser Behandlung: Neu ist, dass ein wesentliches Risiko von Anfallrezidiven nicht mehr als gegeben gilt, wenn der Betroffene ein Jahr anfallfrei geblieben ist. Nur bei langjährig bestehenden, bislang therapieresistenten Epilepsien beträgt die erforderliche anfallfreie Zeit 2 Jahre. Ferner dürfen keine die Leistungsfähigkeit ausschließende hirnorganische Veränderungen vorliegen wie deutliche Konzentrationsstörungen oder Störungen der Reaktionsfähigkeit. Das Risiko weiterer Anfälle darf nicht erkennbar sein. Kontrolluntersuchungen sind im Abstand von 1, 2 und 4 Jahren durchzuführen.
- Anfallsfreiheit nach operativem Eingriff: Hier reicht ein anfallfreies Intervall von einem halben Jahr, sofern keine besonderen Auffälligkeiten gegeben sind, um Fahrtauglichkeit anzunehmen.
- Einmaliger Anfall: Nach 3 – 6 Monaten ist Fahreignung anzunehmen, wenn der Anfall nicht an bestimmte Bedingungen geknüpft war und wenn es keine Hinweise auf eine ursächliche Schädigung des Hirngewebes oder auf eine beginnende idiopathische (ohne erkennbare Ursache) Epilepsie gibt.
- Gelegenheitsanfall: Auch bei einem Gelegenheitsanfall, d.h. einen an bestimmte Bedingungen geknüpften Anfall, wird Fahreignung nach 3 – 6 Monaten wieder angenommen, wenn davon ausgegangen werden kann, dass die provozierenden Bedingungen, z.B. Schlafmangel, Alkoholkonsum oder akute Erkrankung, Fieber, Vergiftungen, Stoffwechselstörungen etc. nicht mehr gegeben sind.
- Absetzen von Antiepileptika: Bei dem Absetzen von Antiepileptika ist für die Dauer des Absetzens und die ersten 3 Monate danach vom Führen eines Kraftfahrzeuges wegen des erhöhten Risikos eines Anfallsrezidivs abzuraten.

Gruppe 2:
Nach mehr als 2 epileptischen Anfällen ist das Führen von Kraftfahrzeugen in der Regel ausgeschlossen. Als Ausnahme gilt eine durch ärztliche Kontrolle nachgewiesene 5-jährige Anfallsfreiheit ohne antiepileptische Behandlung. Nach einmaligem Anfall im Erwachsenenalter ohne Anhalt für eine beginnende Epilepsie ist eine anfallsfreie Zeit von 2 Jahren abzuwarten.


Was muss den Verwaltungsbehörden mitgeteilt werden?

- Beim Führerscheinerwerb: Der Fragebogen sollte bei einer bestehenden Epilepsie wahrheitsgemäß ausgefüllt werden (ergänzt mit einem Attest des behandelnden Neurologen über Auskünfte zu Dauer der Anfallsfreiheit, Zeitbindung, fokale Anfälle). Das Gutachten einer amtlich anerkannten medizinisch psychologischen Untersuchung (MPU), sog. TÜV-Gutachten, ist bei der Ersterteilung der Fahrerlaubnis an Personen mit Epilepsie nicht vorgesehen. Sollte die Behörde eine medizinisch psychologische Eignungsuntersuchung verlangen, so sollte (zunächst) formlos, unter Verweis auf die im Gutachten „Krankheit und Kraftverkehr“ vorgesehenen Untersuchungsarten, widersprochen werden.
- Beim Besitz des Führerscheins und dem späteren Auftreten von Anfällen: Die Behörde muss nicht informiert werden; wir empfehlen jedoch unbedingt eine sorgfältige Rücksprache mit dem behandelnden Arzt, um Anfallsgeschehen und Fahrerlaubnisunterbrechung abzuklären.

Allgemein gilt:
Eine fachgerechte Behandlung sowie eine gute Dokumentation der Epilepsie und deren Behandlung wirken überzeugender für eine Verwaltungsbehörde als ein schlecht dokumentierter Krankheitsverlauf mit häufigen Arztwechseln.


(Die kursiv gedruckten Textteile stammen von mir - KaSy.)

8
Astrozytom / Antw:Anaplastisches Astrozytom (Grad 3), zu 90% entfernt
« am: 27. September 2018, 22:50:36 »
Hallo, Steppenwolf,
ja, ich habe vier Threads, in denen ich je nach Situation über mich geschrieben habe.
Ich dachte ja, meine eigene Hirntumor-Geschichte würde enden und es würde bei den ersten beiden Themen bleiben, aber das erwies sich im Nachhinein als Irrtum.

1. Meine eigene Vorstellung, nachdem mir jemand dieses Forum zeigte in "Sonstiges zum Thema Hirntumor" - "Krankengeschichten" (derzeit auf Seite 3) - "Seit 1995 drei plus zwei Meningeome (I,III,III,III,II) und ich lebe immer noch", dort schrieb ich von Januar 2010 bis zum November 2011.
http://www.hirntumor.de/forum/index.php/topic,4989.0.html

2. Die Schilderung meiner psychischen Auf-und-Ab-Situationen in "Sonstiges zum Thema Hirntumor" - "Psychische Betreuung" (derzeit auf Seite 1) - "Aus dem Tief kommen", von Oktober 2010 bis April 2015.
http://www.hirntumor.de/forum/index.php/topic,6332.0.html

3. Als es mich zum vierten Mal traf, in "Meningeome" - "Nach der OP" (derzeit auf Seite 2) - "Vor der OP ist nach der OP", von Juni 2011 bis Juli 2013.
http://www.hirntumor.de/forum/index.php/topic,7312.0.html

4. Als mich die Nr. 5 überraschte, in "Meningeome" - "Eigene Geschichten" (derzeit auf Seite 1) - "Fortsetzung folgt ...", seit Juli 2016.
(Zu diesem Zeitpunkt habe ich das erste Thema mit "plus zwei" ergänzt.)
http://www.hirntumor.de/forum/index.php/topic,9614.0.html


Außerdem habe ich, weil ich es sehr sehr wichtig fand, von den Hirntumorinformationstagen Berichte über die dort gehaltenen Arztvorträge und Patientendiskussionen geschrieben, in "Sonstiges zum Thema Hirntumor" - "Termine" - auf mehreren Seiten, das sind dort fast alle der mit dem Symbol "Vorhängeschloss" geschlossenen Threads.

Beste Grüße!!
KaSy

(Es ist vielleicht nicht gut, wenn Du das liest.
Ich habe es gerade getan, also damit begonnen ... das ist im Nachhinein einfach zum Heulen.
Aber jetzt geht es mir gut, wenn man die verdammten Krankheiten und ihre Folgen berücksichtigt.)

9
Hirntumor / Antw:Hyperthermaltherapie bei Glioblastom
« am: 26. September 2018, 21:01:48 »
Liebe Nina,
es tut mir sehr Leid, wie schwer Deine Mutter so schnell erkrankt ist.
Ich kann so gut verstehen, dass Du irgendwelche "Strohhalme" suchst, um ihr Leben zu verlängern oder zumindest zu verbessern.

Ich habe selbst keine Erfahrung mit der Hyperthermie, aber wenn Du in die "Suche" die Begriffe Hyperthermie und Nanopartikel eingibst, erhältst Du mehrere Beiträge, in denen Du nachlesen kannst.

Ich selbst habe auf dem 41. Hirntumorinformationstag u.a. einen Vortrag von Dr. Stummer gehört. Meinen Bericht über die Vorträge findest Du hier im Forum unter "Sonstiges" - "Termine" - 41. HT-Infotag - 6. Vortrag. http://www.hirntumor.de/forum/index.php/topic,9871.msg655906.html#msg655906

Du wirst selbst sehen, ob diese Therapie wirklich etwas für Deine Mutter ist.

Vielleicht solltest Du den Ärzten vertrauen und alles tun, um in diesen Wochen bei ihr sein zu können, ihr realisierbare Wünsche zu erfüllen, ihr ihre Tage so schön wie möglich zu gestalten.

Lass Dich krankschreiben und organisiere rasch Hilfe bei einem Pflegedienst / Palliativteam.

Sei jetzt bei ihr. Es ist das Beste, was Du für sie und für Dich tun kannst.

KaSy

10
Astrozytom / Antw:Anaplastisches Astrozytom (Grad 3), zu 90% entfernt
« am: 26. September 2018, 20:28:02 »
Hallo, Du Steppenwolf,
Dein "kleines" Update hat immerhin so lange gewartet, bis die Forschung CCNU als Ergänzung zu Temodal entdeckt hat und mit dieser Therapiekombination eine etwas höhere Lebenserwartung zu erwarten ist..
Ich denke, Du hast so viele schöne Dinge in Deinem gegenwärtigen Leben, die Dir die erforderliche Kraft und den Optimismus geben -
 bei allem Realismus.

Glaube daran - da geht noch was!

Dein "beleidigter" Arzt hatte mit Dir so sehr und so lange gehofft, dass Du das ganz lange schaffst. Er hat sich so für Dich eingesetzt und will nicht - mit Dir - auf die Verliererseite wechseln.


Ich habe so einen Augenarzt, der meinem Unfallauge 30 Jahre lang 80% Sehfähigkeit erhalten hat, bis es dann doch passierte. Er wollte es nicht wahrhaben. Er und ich hatten doch so lange durchgehalten. Und blöderweise entstand mein 5. Tumor beim gesunden Auge. Aber es wurde durch die NCs und die Strahlenärzte sehend erhalten.

Es ist unser Lebenswille und unsere Familie, aber auch die guten Ärzte, die mit uns unseren Weg gehen und uns nicht allein lassen mit dieser Krankheit.

Ich wünsche Dir eine gute Zeit!
KaSy

11
Astrozytom / Antw:Astrozytom pilozytisches; Jugentliche
« am: 13. September 2018, 23:00:39 »
Hallo, Andreas,
zunächst könnt Ihr als Eltern sehr froh sein, dass Euer Sohn die Operation sehr gut überstanden hat und die Folgen gering sind.

Informationen könnt Ihr bei den operierenden Ärzten, wegen der Anfälle bei dem behandelnden Neurologen erhalten. Wichtig ist, dass Ihr und Euer Sohn auch einen Hausarzt habt, bei dem alle Informationen der Fachärzte zusammenkommen und der ihn beraten sowie die Facharzt- und MRT-Überweisungen ausstellen kann.

Am 27.10.2018 findet in Göttingen ein Hirntumorinformationstag statt, Konkretes findet Ihr hier im Forum unter "Sonstiges" - "Termine". Die Teilnahme dort kann ich sehr empfehlen.
Schaut in Eurer Nähe nach Selbsthilfegruppen.

Therapiert werden sollten doch nur noch die Anfälle, die Ihr als leicht beschreibt. Das muss der Neurologe entscheiden, ob überhaupt und wie lange Medikamente zu nehmen sind, die die Anfallsschwelle heraufsetzen. Sollte er wegen der geringen Dramatik der Anfälle keine Medikamente nehmen, kann er jetzt, also fünf Monate nach der OP mit der Führerscheinausbildung beginnen. Fragt aber unbedingt den Neurologen, dem Euer Sohn sehr ehrlich sagen sollte, wie diese Anfälle ablaufen. Falls er Medikamente nimmt, muss er ein Jahr anfallsfrei sein, bevor er sich ans Steuer setzen darf. Dazu findet Ihr hier unter "Epilepsie" detailliertere Informationen.

Falls eine Chemotherapie durchgeführt wird, wisst Ihr darüber Bescheid.

Eine normale gesunde Ernährung ist in Ordnung. Normaler, ausreichender Schlaf ist gut, um Anfälle nicht auszulösen. Zu viel Alkohol ist schädlich, Drogen sowieso, flackerndes Licht (z.B. in Discos) evtl. auch.

Aber "bindet ihn nicht an", er kann ein ganz normales Leben führen, wenn er nicht zu "Exzessen" neigt und die Kontrollen wahrnimmt.

Ihr habt gemeinsam viel Schweres überstanden. Es ist an der Zeit, dass der ganz normale und fröhliche Alltag wieder Euer Leben bestimmt.

Die Krankheit werdet Ihr nicht vergessen, aber sie darf in den Hintergrund rücken.
Wann wird die nächste MRT-Kontrolle sein? Dann werdet Ihr ja auch die Möglichkeit wahrnehmen können, mit dem Neurochirurgen zu sprechen.

Ich wünsche Euch und vor allem Eurem Sohn das Allerbeste!
KaSy

12
Strahlentherapie / Info: Bläuliches Leuchten während der Bestrahlung
« am: 09. September 2018, 20:10:24 »
Liebe Forum-Nutzer,
vielleicht haben es einige von Euch, die bestrahlt wurden, auch erlebt, dieses bläuliche Leuchten im Verlauf der Bestrahlung.

Ich wurde ja dreimal (an nicht überlappenden Stellen) mit dem Linearbeschleuniger bestrahlt (2000; 2011; 2017) und im Jahr 2017 fiel mir an jedem der 30 Bestrahlungstage zweimal ein bläuliches Leuchten auf, das zu bestimmten Zeiten je 20 s und je 30 s dauerte.

Da man wegen der Bestrahlungsmaske die Auge gar nicht öffnen kann, wunderte ich mich darüber, dass ich dieses Leuchten "sehen" kann und fragte nach, was das denn sei.

Die Physiker des dem Krankenhaus angeschlossenen Klinikums für Strahlenheilkunde, die die Berechnungen für jeden einzelnen Patienten durchführen, hatten diese Frage bereits häufiger gehört und ein Informationsblatt zusammengestellt:


"Schneller als das Licht ... Der Tscherenkow-Effekt"

Diese besondere Strahlung entsteht immer dann, wenn geladene Teilchen eine höhere Geschwindigkeit haben als die Lichtgeschwindigkeit in dem Medium, in dem sie sich bewegen. Das klingt zunächst paradox, wird aber verständlich, wenn man weiß, dass die Lichtgeschwindigkeit kein absoluter sondern ein relativer Wert ist.

So ist die Lichtgeschwindigkeit im Vakuum zwar die höchste erreichbare Geschwindigkeit überhaupt. In einem Medium hingegen, wie beispielsweise Luft oder Wasser, ist die Lichtgeschwindigkeit geringer. Die geladenen Teilchen in den kosmischen Schauern haben beinahe die Vakuum-Lichtgeschwindigkeit inne und bewegen sich daher mit einer Geschwindigkeit, die größer ist als die Lichtgeschwindigkeit in Luft und Wasser.

Beim Vorbeiflug eines geladenen Teilchens an einem Atom wird dessen Elektronenhülle kurzzeitig polarisiert und strahlt durch die Induktion eines zeitlich veränderlichen elektrischen Dipolmoments elektromagnetische Wellen ab. Wenn die Geschwindigkeit des vorbeifliegenden Teilchens größer als die Lichtgeschwindigkeit in diesem Medium ist, so überlagern sich die elektromagnetischen Wellen aller Atome unter einem bestimmten Winkel konstruktiv - eine intensive Lichtstrahlung entsteht.

Auch Kosmonauten/Astronauten kennen diesen Effekt. So berichteten Raumfahrer über Lichtblitze, die sie trotz geschlossener Augen gesehen haben wollen. Das Rätsel ist auch hier mit Tscherenkow zu lösen: Geladene Teilchen dringen in Wasser ein - in diesem Fall in das Zellwasser des Augapfels der Kosmonauten/Astronauten.

Das Tscherenkow-Licht ist in seinem Mechanismus das Analogon zum Überschallknall, wenn Flugzeuge oder andere Körper sich schneller als der Schall fortbewegen."


Während der Strahlentherapie fliegen schließlich Röntgenstrahlen als Photonen, Protonen, Schwerionen, Gamma-Strahlen durch unseren Kopf. Diese Strahlen bestehen aus geladenen Teilchen. Sie können sich durch unser Gehirn schneller bewegen als sich das Licht normalerweise dort hindurch bewegt. In bestimmten Situationen, also bei bestimmten Einstrahlwinkeln und Strahlenintensitäten, kann dann dieser Tscherenkow-Lichteffekt für unser geschlossenes Auge sichtbar werden.

Ich finde das faszinierend.

Eure KaSy

13
wait-and-see / Antw:Kontrolle-MRT und innerlich zerrissen
« am: 04. September 2018, 16:05:56 »
Liebe Elfe7,
Du bist auf dem richtigen Weg!

Wegen der gemeinsamen Reha möchte ich zu bedenken geben, dass Ihr ja beide eine AHB/Reha haben werdet.

Bei selbst zahlenden gesunden Partnern nutzt das Pflegepersonal die Situation, dass der Partner ja deshalb mit kommt, weil er sich kümmern möchte. Die frei werdende Zeit wird für andere Betroffene sinnvoll verwendet. Das kann aber auch im negativen Sinne ausgenutzt werden wie Du es erlebt hast. (Du bist da kein Einzelfall.)

Tatsächlich ist der Aufenthalt innerhalb einer Rehaklinik kein Urlaub.

Meine Eltern waren während einer Reha meines Vaters außerhalb in einer Ferienwohnung untergebracht und meine Mutter konnte diese Zeit wirklich für sich als Urlaub gestalten. Aber das nur nebenbei.

Falls Ihr gemeinsam in eine Rehaklinik fahren werdet, dann besteht darauf, dass jeder ein eigenes Zimmer bekommt und keiner dazu "verpflichtet" wird, den anderen zu umsorgen. Dann bleiben Euch die gemeinsamen Mahlzeiten und die Möglichkeiten, die anwendungsfreien Zeiten gemeinsam zu genießen oder Euch einzeln zurückzuziehen. Ihr nehmt jeder "ein bisschen Zuhause" mit dorthin, das kann etwas Sicherheit geben.

Für die OP bist Du in Köln sicher sehr gut aufgehoben, zumal der Neurochirurg ja bereits gesagt hat, dass er den Tumor an dieser Stelle operieren wird. Hab Vertrauen! Du hast bereits so viel geschafft, das ist bewundernswert und darauf darfst Du sehr stolz sein. Jetzt bis (leider) Du dran und Du wirst auch das durchstehen!
KaSy

14
wait-and-see / Antw:Kontrolle-MRT und innerlich zerrissen
« am: 04. September 2018, 00:54:28 »
Liebe Elfe7,
Du weißt es schon länger, dass diese Operation auf Dich zukommt, nur willst Du es nicht so ganz wahrhaben.

Innerlich ist Dir klar, dass Dein Augenlicht in Gefahr ist und dass Du diese OP machen lassen musst, um für Deinen Mann da sein zu können, um Dein Leben weiterleben zu können.

Ich selbst hatte diese große Angst auch, als mein 5. WHO III-Meningiom nahe dem Sehnerv entdeckt wurde. Das darf nicht sein, dachte ich, mir geht es doch gerade wieder so gut.
Und doch musste es sein und ich hatte das Glück, dass mein Neurochirurg sich diese OP zutraute und sie so erfolgreich realisierte, dass ich genauso sehen kann wie zuvor. Ich habe nicht sehr lange gebraucht, um wieder fit zu sein. (Weil es die 5. OP war, gab es später Probleme mit der Wundheilung, aber das wird bei Dir nicht so sein.)

Zögere es nicht länger hinaus. Jetzt ist für Dich und in der Situation Deines Mannes der richtige Zeitpunkt. Du wirst vielleicht eine Woche im Krankenhaus sein. Autofahren solltest Du danach drei Monate nicht, aber da gibt es Möglichkeiten, die Du mit dem Sozialdienst in der Klinik besprechen kannst. Ich könnte mir auch vorstellen, dass Du gemeinsam mit Deinem Mann in eine Rehaklinik fährst. Für Dich wäre eine AHB wirklich gut und Deinem Mann sollte sie auch genehmigt werden.

Stell Dir mal vor, Du wartest auf einen "besseren" Zeitpunkt.
Deinem Mann könnte es wieder schlechter gehen, was niemand möchte.
Du könntest in eine Akutsituation geraten, wo rasch und ohne Vorplanung operiert werden muss, weil das Meningeom doch noch näher an den Sehnerv heranwächst.
Natürlich merkst Du jetzt nichts von dem Meningeom.
Wenn Du etwas merkst, dann sind es Sehstörungen, die vielleicht nicht mehr so gut zu beheben sind, weil das Meningeom dann bereits den Sehnerv berührt, ihn zusammen drückt, was dem Operateur mehr Schwierigkeiten bereitet als jetzt, wo noch diese winzigen 2 mm "Platz" sind.
2 mm !
Guck Dir das mal auf einem Lineal an!
Dein Neurochirurg ist ein Held, wenn er das, ohne den Sehnerv zu berühren, herausbekommt. Mach es ihm nicht noch schwerer.
Dein Risiko wird größer.

Du musst und willst für Deinen Mann da sein, Du willst ihn spüren, aber auch sehen!
Du willst und musst wieder Autofahren, das könnte sogar noch Ende dieses Jahres wieder klappen.
Und vielleicht kann es diese Aussicht auf einen gemeinsamen Aufenthalt in einer Rehaklinik geben, wo Ihr beide umsorgt werdet.

Ich wünsche Dir von Herzen eine rasche Entscheidung, eine erfolgreiche OP und eine gute Zeit mit Deinem Mann.
Ihr schafft das gemeinsam.
Jetzt hat auch er gerade noch die Kraft, für Dich dazu sein, Dir die Hand zu halten, so wie Du es für ihn tust.
KaSy

15
Glioblastom / Gliosarkom / Antw:Überleben mit Glioblastom
« am: 30. August 2018, 15:57:43 »
Hallo, Mudu,
die ewige Hitze hat selbst junge, sportlichee Leute geschafft, uns um so mehr.

Da habt Ihr Euch einen angenehmeren Tag für das MRT ausgesucht und  es ist ganz bestimmt das zu sehen, was nach einer Bestrahlung erwartet werden kann.

Ich selbst hatte mein MRT am 6.8.18 und war heute in der Klinik bei den Ärzten der Bestrahlung und der Neurochirurgie. Die Bilder sehen aus wie man es erwarten kann und passen zu meinem akzeptablen subjektivem Empfinden und Zustand.

Das wünsche ich Euch auch sehr!
KaSy

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