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Autor Thema: Anaplastisches Meningeom der Orbita (WHO III)  (Gelesen 1561 mal)
Ulrich
Gast
« am: 30. Oktober 2002, 21:20:08 »

Link (Quelle):
http://www.dog.org/dop/abstract2001/8.html

Text (Zitat):

DOP OriginalbeitrÀge
XXIX. Jahrestagung der Deutschsprachigen Ophthalmopathologen (DOP)
27. und 28. September 2001, Essen

Anaplastisches Meningeom der Orbita

PD Dr. Kathrin Geiger

Neurologisches Institut (Edinger-Institut), Klinikum der Johann-Wolfgang-Goethe-UniversitÀt
Deutschordenstr. 46, D-60528 Frankfurt am Main


Vorgeschichte und Aufnahmebefund:
67jĂ€hriger Patient (P. N. E 471/01), seit mehreren Jahren rezidivierenden Kopfschmerzen, vor 2 Jahren OP eines KeilbeinflĂŒgelmeningeoms mit Rezidiv vor einem Jahr. damalige Diagnose: atypisches Meningeom WHO Grad II. Jetzt Protrusio Bulbi und Schwellung der Lider ipsilateral, langsam zunehmend seit 4 Monaten, allmĂ€hliche Visusminderung auf 0,05 innerhalb von 3 Monaten. Gesichtsfeld nicht mehr durchfĂŒhrbar. Im CCT weichteildichter Tumor im Bereich des frĂŒheren Operationsgebietes mit Arrosion der umgebenden Knochen, einschließlich des ipsilateralen Orbitabodens, Ausdehnung des Tumors in die Kieferhöhle und in die Siebbeinzellen.

Histologischer Befund:
Es handelt sich um einen Pleomorphen Tumor unterschiedlicher Zelldichte. Fokal ist ein Meningeiom-typisches Wachstumsmuster in rundlichen Formationen und Wirbeln erkennbar. In diesen Bereichen sind die Tuorzellen wenig pleomorph, die Zellkerne rundlich bis oval, stellenweise mit ChromatinirregularitĂ€ten und Nukleolen, stellenweise fallen auch Lochkerne auf. Daneben finden sich zahlreiche Mitosen ( 4-6 pro Gesichtsfeld bei 40-facher VergrĂ¶ĂŸerung). Daneben gibt es deutlich pleomorphere Areale mit fischgrĂ€tartigen TumorzĂŒgen und spindelförmigen Zellkernen sowie zahreichen Mitosen. Kleine ballenförmige Tumoranteile finden sich in der gesamten Orbita disseminiert verteilt, die hinteren Optikusabschnitte sind ummauert, Tumoranteile, die fokal eingeblutet sind finden sich auch zwischen den Faszikeln der lateralen Augenmuskeln. Der Augapfel selbst ist tumorfrei. Fokal fallen kleine Rundzellinfiltrate und atypische GefĂ€ĂŸe mit verbreiterter Wandung auf. Immunhistochemisch reagiert der Tumor positiv fĂŒr Vimentin, EMA, negativ fĂŒr S100, Desmin und alpha-Actin. der Proliferationsmarker MIB zeigt eine Proliferationsrate von bis 10% der Tumorzellen.

<http://www.dog.org/dop/abstract2001/8.jpg>

Abbildungslegende: E 471/01, Malignes Meningeom der Orbita: H&E, Vergr. Original x 20. Meningeomtypische Tumorformationen mit rundlichen Zellkernen, die stellenweise Nucleolen und ChromatinirregularitĂ€ten auweisen. Im Zentrum ein GefĂ€ĂŸ mit verbreiterter weitgehend azellulĂ€rer Wandung.

Diagnose:
Malignes, anaplastisches Meningeom WHO Grad III der Orbita mit Inflitration der Nasennebenhöhlen und Ummauerung ders N. opticus.

Kommentar:
Meningeome gehören zu den hĂ€ufigen intracraniellen LĂ€sionen, sie machen bis zu 20% der intracranellen Tumoren aus. Die KeilbeinflĂŒgelregion ist ebenfalls relativ hĂ€ufig betroffen. Ungewöhnlich ist allerdings die ausgeprĂ€gte Malignisierung des Tumor innerhalb von 2 Jahren, sowie die Ausdehnung mit Wachstum in die Orbita und Ummauerung des Opticus. Bei den meisten Meningeomen handelt es sich um benigne Tumoren nach WHO Grad I mit niedriger Wachstumsgeschwindigkeit und relativ geringer Rezdivwahrscheinlichkeit. WHO Grad II Tumoren werden ebenfalls noch als benigne betrachtet, jedoch mit höherer Rezidivwahrscheinlichkeit, und kommen deutlich seltener in dieser Region vor. Kriterien fĂŒr die Einteilung liegen in Zellpleomorphie, Zelldichte, Verlust des typischen Wachstumsmusters, ChromatinirregularitĂ€ten, Nukleolen und Mitosen, Invasion in Hirngewebe. Invasion von Knochen und bindegewebe, stellt kein MalignitĂ€tskriterum dar. Das Vorkommen eines malignen Meningeoms in der Orbita ist eine RaritĂ€t.


Literatur

    * Kleihues P, Caenee W K. Pathology and Genetics- Tumors of the Nervous system. 1997, IARC Lyon.
    * Kohler GK, Betz H. A sphenoid wing meningeoma with unusual extra-and intracranial expansion. Med Welt. 1969 Nov 15;46:2536-7.
    * Schittkowski M, Hingst V, Stropahl G, Guthoff R. Optic nerve sheath meningioma with intraocular invasion--a case report. Klin Monatsbl Augenheilkd. 1999 Apr;214(4):251-4.
    * Tarkkanen A, Koivuniemi A, Liesmaa M, Merenmies L. Fine-needle aspiration biopsy in the diagnosis of orbital tumours. Graefes Arch Clin Exp Ophthalmol. 1982;219(4):165-70.


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