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Autor Thema: Was ist ein Astrozytom?  (Gelesen 28810 mal)
Mike
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« am: 05. August 2002, 18:00:08 »

Astrozytom
(Quelle: ALLGEMEINE NEUROPATHLOGIE)

pilozytisches Astrozytom (pA)
Gutartiges, i.d.R. zellarmes, faserreiches Astrozytom, ĂŒberwiegend aus haarförmigen (pilozytischen oder piloiden) Astrozyten. Sie besitzen ovale bis spindelförmige Kerne und lange haarförmige ZellauslĂ€ufer, die sich zu haarbĂŒschel- oder -lockenartigen Formationen zusammenfĂŒgen. Keine (oder sehr seltene) Mitosen. Besonders charakteristisch sind die meist vorhandenen Rosenthalschen Fasern (eosinophile, schollenförmige, gliale Degenerationsprodukte) und Granularkörperchen (kleine, runde bis tropfenförmige, granulĂ€re Strukturen); ferner gesteigerte Vaskularisation mit z.T. schlingenartigen oder angiomatös anmutenden GefĂ€ĂŸproliferaten (die beim pA keine Implikation bezĂŒglich MalignitĂ€t haben.

[Das pA entspricht einem MalignitĂ€ts-Grad I (benigne) nach WHO und hat dementsprechend bis jahrzehntelange, postoperative, rezidivfreie Intervalle; sogar Heilungen sind möglich. Das pA tritt bevorzugt im Kindes- und Jugendalter auf und manifestiert sich ĂŒberwiegend in infratentoriellen Hirnstrukturen: Hirnstamm, Kleinhirn, RĂŒckenmark].

fibrillÀres Astrozytom (fA)

Das fA gehört zu den noch gutartigeren Gliomen des Erwachsenenalters (Grad II - semibenigne - nach WHO), mit Ableitung von der fibrillĂ€ren Astroglia (als ?Mutterzelle?) und supratentoriellem Vorzugssitz in den GroßhirnhemisphĂ€ren. Relativ diffus, ohne scharfe Grenzen im Mark wachsend, besteht es aus ?stellaren? Astrozytenformen mit sternförmigen AuslĂ€ufern, ĂŒber welche sie untereinander vernetzt sind. Das Zwischengewebe ist mehr oder minder stark vakuolisiert, wobei die Tumorzellkerne in den Schnittpunkten der Vakuolen liegen. Die Vakuolisierung geht vielfach bis zur mikrozystischen Umwandlung, d.h., Bildung von mit eiweißarmer (daher fĂ€rberisch nicht dargestellter) FlĂŒssigkeit gefĂŒllten zystischen HohlrĂ€umen. Sie verleihen dem Tumor makroskopisch ein grau-glasiges, schleim- oder gallertartiges Aussehen (sogen. Verschleimungsneigung der Astrozytome). Die Tumorzellkerne sind groß, rundlich nur gering pleomorph. Mitosen kommen vor, sind jedoch relativ selten. Die Zelldichte ist mittelgradig, die GefĂ€ĂŸausstattung (Vaskularisation) spĂ€rlich. (Der hohe Gliafasergehalt der fA und die fibrillĂ€re Natur der Astrozyten sind nur mit speziellen GliafaserfĂ€rbungen sichtbar zu machen).

[Auch die protoplasmatische Astroglia kann Mutterzelle von Gliomen sein  (protoplas-matisches Astrozytom), die jedoch seltener sind als die fA. Feingeweblich haben sie ein Ă€hnliches Aussehen, jedoch keine Gliafasevermehrung in SpezialfĂ€rbungen, und den gleichen MalignitĂ€tsgrad wie die fA]. (H.-E.-FĂ€rbung).

gemistozytisches Astrozytom

Das gemistozytische oder gemĂ€stete Astrozytom (gA) gehört noch zu den semibenignen (Grad II  n. WHO) Astrozytomen des Erwachsenenalters, zeigt jedoch schon stĂ€rkere Zellkernatypien (Variationen von Form und Chromatingehalt). Der Zellkern liegt i.d.R. exzentrisch in dem großen, zytoplasmareichen, plumpen Zellkörper (Gemistozyten). Mitosen sind noch spĂ€rlich, die Vaskularisation ist nicht gesteigert, die Zelldichte ist höher, als im pA (pilozytisches Atrozytom) und fA (fibrillĂ€res Astrozytom)

[Trotz des MalignitĂ€tsgrades II stehen die gA den bösartigen Astrozytomen (Gliomen) am nĂ€chsten; ÜbergĂ€nge in die MalignitĂ€t (Grad III) sind nicht selten]. (H.-E.-FĂ€rbung)
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Mike
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« Antworten #1 am: 19. August 2002, 22:01:53 »

Astrozytome, Glioblastome
(Quelle: Medicine-Worldwide)

Allgemeines - HĂ€ufigkeit
Astrozytome sind hirneigene bzw. intraaxiale Tumoren. Sie gehen also aus dem Hirngewebe selbst hervor. Astrozytome machen etwa 30% der intraaxialen Tumoren aus. Sie treten am hĂ€ufigsten in den GroßhirnhemisphĂ€ren und seltener in den Basalganglien, im Hirnstamm oder im Spinalkanal auf.

Man unterscheidet niedriggradige und hochgradige Astrozytome. Die WHO Klassifikation teilt die Astrozytome entsprechend ihrer Histologie in vier Grade ein.


Grad I WHOpilozytisches Astrozytom
Grad II WHOfibrillÀres Astrozytom, protoplasmatisches Astrozytom, gemistozytÀres Astrozytom
Grad III WHOanaplastisches Astrozytom
Grad IV WHOGlioblastom

Bei niedriggradigen Astrozytomen liegt der Altersgipfel der Erkrankung bei 25- 45 Jahren und bei höhergradigen Astrozytomen bei 45- 55 Jahren. MÀnner sind im VerhÀltnis von 3 zu 2 hÀufiger betroffen als Frauen. Bei den Gliomen kommen auch Typen vor, die mehrere bösartig transformierte Tumorzellen enthalten. Man spricht in diesen FÀllen von gemischten Gliomen (z.B. Oligoastrozytome, anaplastische Oligoastrozytome).

Eine Sonderstellung nimmt das pilozytische Astrozytom ein. Es handelt sich um einen sehr seltenen Tumor des Kindes- und Jugendalters. Sie treten vor dem zwanzigsten Lebensjahr auf und machen etwa 3% der Gliome aus. Beide Geschlechter werden zu gleichen Teilen betroffen. Sie entsprechen dem WHO Grad I. Im Rahmen einer Neurofibromatose 2 (Morbus Recklinghausen) treten sie gehÀuft auf.

Tumorentstehung
Das Astrozytom geht von entarteten Zellen des StĂŒtzgewebes (Glia) des Gehirns aus (Astrozyten). Es handelt sich also um hirneigene Tumoren. Je nach Differenzierung der Tumorzellen werden nach WHO vier Klassen unterschieden (Grading). Das Gliom wird den höhergradigen Astrozytomen zugeordnet. Aus dem Grading ergibt sich der Grad der Bösartigkeit, die Therapie und die Prognose.

Das pilozytische Astrozytom (Grad I) hat meist eine geringe Wachstumstendenz. Spontane RĂŒckbildungen sind ebenfalls möglich. Das niedrige Tumorgrading bleibt oft zwischen Jahren oder Jahrzehnten das gleiche. Eine VerĂ€nderung der Gestalt ist hĂ€ufig mit degenerativen VerĂ€nderungen im Tumor verbunden. Sehr selten sind Umwandlungen des Tumors in bösartiger Formen (höheres Grading) bis hin zu anaplastischen Formen und zum Glioblastom.

Krankheitssymptome und -verlauf
Die Symptomatik hĂ€ngt wesentlich von der Loaklisation des Tumors im Gehirn oder im Spinalkanal ab. Bei einer Loaklisation im Spinalkanl treten wegen der beengten PlatzverhĂ€ltnisse Symptome meist frĂŒher auf. Bei Erwachsenen ist der Verlauf neurologischer Symptome oft schleichend, aber bei Wachstum im Spinalkanal recht typisch. Man unterscheidet vier Stadien: Schmerzen, Empfindungsstörungen, eine inkomplette und schließlich eine komplette QuerschnittslĂ€hmung. Bei Kindern kann es dagegen oft innerhalb weniger Stunden zu einer dramatischen Symptomzunahme kommen.

Pilozytische Astrozytome (Grad I WHO) wachsen meist langsam. Sie sind meist im Kleinhirn, der BrĂŒcke oder im Verlauf der Sehbahn lokalisiert. Eine Entartung hin zu höherem Grading mit entsprechender Wachstumstendenz ist selten aber möglich. Die Symptomatik richtet sich nach der Lokalisation.

Tumoren Grad II WHO wachsen im Allgemeinen ebenfalls langsam. Sie sind scharf begrenzt und respektieren oft anatomische Strukturen wie die Hirnwindungen. Die Blut-Hirn-Schranke ist hĂ€ufig intakt. Im CT und MRT kann deshalb keine Kontrastmittelaufnahme nachgewiesen werden. Prognostisch ungĂŒnstiger zu beurteilen sind Formen, die diffus und infiltrativ wachsen. Besonders hĂ€ufig sind Tumoren im Bereich des Hirnstamms von diesem diffusen Wachstumstyp. Im Laufe der Zeit kann eine Differenzierung zu einem höheren Grading hin und damit verbunden, einer Verschlechterung der Prognose vorkommen. Tumorrezidive von einem Ursprungstumor Grad I entdifferenzieren zu 80%, vom Grad II zu 60% hin zu einem höheren Grad, im ungĂŒnstigsten Falle bis zum Glioblastom (Grad IV).

Tumoren der Grade III (anaplastisches Astrozytom) und Grad IV (Glioblastom) wachsen extrem rasch. Charakteristisch ist ein fingerförmiges Ödem im Marklager und eine ausgesprochen raumfordernde Wirkung mit einer von der Lokalisation abhĂ€ngigen entsprechend deutlichen Symptomatik. Besonders bösartige Gliome wachsen infiltrativ in die Umgebung ein. Ihre Ausdehnung wird daher bei der Auswertung bildgebender Verfahren(CT,MRT) hĂ€ufig unterschĂ€tzt. Gleichzeitig vereitelt diese Eigenschaft eine radikale operative Entfernung.

Diagnostik
Bevor eine Untersuchung auf einen möglichen Hirntumor stattfindet, ist in der Regel nicht bekannt, ob ĂŒberhaupt eine Tumorerkrankung vorliegt und wenn, welche es ist. Allgemein lĂ€sst sich aber fĂŒr alle Hirntumoren feststellen, dass am Anfang aller Untersuchungen eine Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) sowie eine körperliche Untersuchung zu stehen hat. Entsprechend dem Ergebnis schließen sich weitere Untersuchungen an. Alle möglichen Diagnoseverfahren zum Aufdecken eines Hirntumors sind unter der Rubrik Allgemeines hier klicken sehr ausfĂŒhrlich dargestellt.

FĂŒr die Diagnostik aller Hirntumoren spielen die Schnittbildverfahren, also CT und MRT, die entscheidende Rolle. Die Untersuchung mit Kontrastmittel ist dabei fast immer notwendig.

Das pilozytische Asrozytom (Grad I) hat ein typisches Erscheinungsbild. Es handelt sich um scharf begrenzte Tumoren mit kompakten oder schwammartigen Anteilen. HĂ€ufig werden Tumorknoten beobachtet, die sich in unmittelbarer NĂ€he einer Zyste befinden. Wegen ihrer guten GefĂ€ĂŸversorgung reichern sie deutlich Kontrastmittel an. Kleinere Verkalkungen sind Ausdruck degenerativer VerĂ€nderungen.

Bei niedriggradigen Astrozytomen (Grad II) ist die MRT Untersuchung dem CT an Empfindlichkeit ĂŒberlegen. Kleine Raumforderungen entgehen u.U. sogar der CT Untersuchung. Die hĂ€ufig fehlende Kontrastmittelanreicherung, welche die Erkennung besonders im CT erschwert, ist andererseits in der MRT ein wertvolles differentialdiagnostisches Kriterium.

Anaplatische Astrozytome (Grad III) zeigen eine mĂ€ĂŸige Kontrastmittelanreicherung. In der nativen CT Untersuchung besitzen sie oft die gleiche Dichte wie die Hirnrinde.

Glioblastome (Grad IV) weisen ein typisches "buntes Bild" auf. Man beobachtet ein girlandenförmiges Wachstum mit großem Ödem und raumfordernder Wirkung sowie ein Nebeneinander von Nekrosen, Blutungen und kontrastmittelanreicherndem Gewebe.

Eine feingewebliche Diagnose durch Probenentnahme aus dem Tumor ist notwendig zur Planung der weiteren Behandlung. Die eventuell zusÀtzlich notwendige Diagnostik richtet sich nach den Symptomen des Patienten. Die Diagnostik bei Verdacht auf ein postoperatives Rezidiv kann erschwert sein, weil sowohl die Operationsnarbe als auch Tumorgewebe Kontrastmittel anreichern können. Zum Nachweis von vitalem Tumorgewebe eignet sich die PET.

Therapie
PrimĂ€res Ziel der Behandlung ist eine möglichst komplette chirurgische Entfernung des Tumors oder mindestens eine hochgradige Reduktion der Tumormasse. Der Grad der RadikalitĂ€t der Tumorentfernung beeinflusst direkt die Prognose. Das mit dem Tumorwachstum nicht selten einhergehende Ödem muss in jedem Falle behandelt werden. Ein starkes Kortikoid wirkt sehr gut antiödematös und kann den Zustand des Patienten oft in erstaunlich kurzer Zeit bessern. Die Kortisongabe ist auch wĂ€hrend einer Strahlentherapie erforderlich, weil diese ein Ödem zunĂ€chst verstĂ€rken kann. Auch die allgemeine VertrĂ€glichkeit der Strahlentherapie, abgesehen von der Wirkung auf das Ödem, wird verbessert.

Pilozytische Astrozytome (Grad I) sind meist vollstĂ€ndig operabel. Bei einer inkompletten Entfernung des Tumors wird eine Bestrahlung mit einer Gesamtdosis von 45-50 Gy ĂŒber 5-6 Wochen vorgenommen. Lokale Rezidive sind selten.

Astrozytome Grad II werden ebenfalls primĂ€r operiert. Sofern sie gut abgegrenzt und entsprechend vollstĂ€ndig entfernt wurden, ist die Prognose relativ gĂŒnstig. Wegen der Tendenz zu Rezidiven, die manchmal erst nach Jahren auftreten und einer möglichen Malignisierung wird von vielen Fachleuten eine anschließende Bestrahlung befĂŒrwortet. Das betrifft ebenfalls teilresezierte Tumoren. Allerdings herrscht mit Ausnahme der teilresezierten Tumoren Unklarheit ĂŒber den gĂŒnstigsten Zeitpunkt fĂŒr eine postoperative Strahlentherapie. Der PrimĂ€rherd wird mit einem Sicherheitsabstand im gesunden Gewebe von ca. 2 cm und einer Gesamtdosis von 50-55 Gy ĂŒber 6-7 Wochen bestrahlt.

Auch bei Typ III- und IV- Tumoren sollte primĂ€r eine Radikaloperation versucht werden. Allerdings ist auch eine bloße Tumorverkleinerung sinnvoll. Eine anschließende Bestrahlung ist obligatorisch. Es erfolgt eine Bestrahlung des PrimĂ€rherdes einschließlich eines Sicherheitsabstandes mit einer Gesamtdosis von 60 Gy ĂŒber einen Zeitraum von 6-7 Wochen. Wegen der schlechten Prognose sollte die Strahlentherapie innerhalb einer möglichst kurzen Behandlungszeit durchgefĂŒhrt werden.

Von einer adjuvanten, also unterstĂŒtzenden Chemotherapie können besonders jĂŒngere Patienten mit gutem Allgemeinzustand profitieren. Es werden sowohl Monotherapien, also Therapien mit nur einem Medikament als auch Polychemotherapien, also Therapien mit mindestens zwei Medikamenten, durchgefĂŒhrt. Therapieschemata und Medikamentenkombinationen werden im Rahmen von Studien gegenwĂ€rtig erforscht. Eine Heilung kann jedoch von einer Chemotherapie zur Zeit nicht erwartet werden.

Prognose
Da die Prognose jeder Tumorerkrankung von vielen Faktoren abhĂ€ngt, ist die Angabe einer mittleren Überlebenszeit nicht immer einfach. In diesem Zusammenhang können zahlenmĂ€ĂŸige Angaben, die aus den statistischen Daten vieler Erkrankter gewonnen wurden, nicht ohne weiteres auf den Einzelfall ĂŒbertragen werden und mĂŒssen mit Ă€ußerster ZurĂŒckhaltung betrachtet werden. Es versteht sich von selbst, dass besonders Tumoren mit schlechter Prognose (Grad III und IV) erhebliche Auswirkungen auf die Lebensplanung des Patienten und seiner Familie haben. In diesem ganz allgemeinen Sinne ist die Erörterung der Prognose auch Teil des AufklĂ€rungsgesprĂ€ches. Freilich nur in dem Umfang, indem sie der Patient vom Arzt wĂŒnscht.


TumorartWHO-Grad Prognose
pilozytisches AstrozytomIgĂŒnstig; u.U. jahrelanger Verlauf
AstrozytomIInach Radikaloperation gĂŒnstig; hĂ€ufig Rezidive; ungĂŒnstig bei diffusem Wachstum
anaplastisches AstrozytomeIIIungĂŒnstig; rasches Tumorwachstum; etwas gĂŒnstiger als Grad IV
GlioblastomIVsehr ungĂŒnstig; Rezidive regelmĂ€ĂŸig, da meist nur Teilresektion möglich (diffuses Wachstum); Überlebenszeit in der GrĂ¶ĂŸenordnung von Monaten auch nach Therapie

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