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Autor Thema: Was ist ein Neurinom?  (Gelesen 10319 mal)
Mike
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« am: 05. August 2002, 17:49:07 »

Neurinom
(Quelle: ALLGEMEINE NEUROPATHLOGIE)

Mutterzelle des nahezu stets gutartigen (Grad I nach WHO) Neurinoms ist die Schwannzelle (Schwannom) der peripheren Nerven im Wurzelbereich von RĂŒckenmarks- und Hirnnerven. (HĂ€ufiger Sitz: Wurzel des 8. Hirnnerven im Kleinhirn-BrĂŒckenwinkel - Akustikus-Neurinom).

PrĂ€parat: Zellarmer bis mittelgradig zellreicher Tumor aus in ZĂŒgen und StrĂ€ngen angeordneten Tumorzellen mit langen, zigarettenförmigen Kernen, die mit den LĂ€ngsachsen parallel zueinander ausgerichtet sind. HĂ€ufig bilden sie mehr oder minder ausgeprĂ€gte Palisadenformationen (Kernpalisaden) als charakteristischstes feingewebliches Merkmal der Neurinome (Schwannome). Typisch sind weiter  (Wagner-Meißnersche) tastkörperchen-Ă€hnliche Strukturen und konzentrische Zellformationen (Verokay-Körper), die auch unter der Bezeichnung „organoide Strukturen" zusammengefaßt werden. Mitosen sind selten, meist fehlend; die GefĂ€ĂŸausstattung ist reichhaltig. HĂ€ufig kommt es zu regressiver Verfettung weiter Tumorareale mit Schaumzellbildung. (H.-E.-FĂ€rbung)

(In geeigneten Versilberungsreaktionen - hier nicht gezeigt - lĂ€ĂŸt sich interzellulĂ€r im Neurinom ein reichhaltiges, filigranes Retikulinfaserwerk nachweisen. Es kann zu einem wichtigen Unterscheidungsmerkmal bei gelegentlichen phĂ€notypischen Überschneidungen mit Meningeomen werden). Seltener können Neurinome zellreich (und dennoch gutartig) sein (zellreiches Schwannom). (Maligne Schwannome - Grad III - sind selten).

[Zusammen mit Neurofibromen, einer weiteren Art von i.d.R. gutartigen Nervenscheidentumoren kommen Neurinome auch multipel in ZNS und PNS bei der erblichen von-Recklinghausenschen Kranheit - Neurofibromatose -, vor].
« Letzte Änderung: 20. August 2002, 11:30:32 von Mike » Gespeichert

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Mike
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« Antworten #1 am: 19. August 2002, 21:48:48 »

Neurinome - Akustikusneurinome
(Quelle: Medicine-Worldwide)

Allgemeines und HĂ€ufigkeit
Neurinome finden sich meist in der hinteren SchÀdelgrube. Es handelt sich dabei um gutartige Tumoren, die dem WHO Grad I entsprechen. Am hÀufigsten ist der achte Gehirnnerv (Nervus vestibulocochlearis) betroffen. Er ist Bestandteil des Gehör- und Gleichgewichtssinn. Ist dieser Nerv betroffen, spricht man von einem Akustikusneurinom.

Etwa 8 bis 10% aller raumfordernden Prozesse innerhalb des SchĂ€dels und 80 bis 90% aller KleinhirnbrĂŒckenwinkeltumoren erweisen sich histologisch als Akustikusneurinome. Besonders hĂ€ufig sind Patienten in einem Alter zwischen 30 und 50 Jahren betroffen. Tritt das Akustikusneurinom beidseitig auf, so liegt oft zusĂ€tzlich eine Erbkrankheit (Morbus Recklinghausen) vor.

Tumorentstehung
Die Neurinome gehören zu den Schwannomen. Die Schwannzellen, auch als Schwannsche Zellen bezeichnet, hĂŒllen die Hirnnerven in und sind funktionell wichtige Elemente dieser schnell leitenden Nerven. Durch Entartung dieser Schwannzellen kann sich im Verlauf des Hirnnerven ein Tumor bilden. Im Falle des Akustikusneurinoms ist, wie erwĂ€hnt, der Vestibularnerv betroffen.

Krankheitssymptome und Krankheitsverlauf
Die Beschwerden sind zunĂ€chst uncharakteristisch. Es handelt sich hĂ€ufig um einen Zufallsbefund im Zuge einer aus anderen GrĂŒnden durchgefĂŒhrten CT- oder MRT-Untersuchung. Bei 90% der Patienten tritt eine einseitige Hörminderung auf. Etwa 80% der Kranken leiden unter Gleichgewichtsstörungen. Seltener treten OhrgerĂ€usche wie Ohrenrauschen oder Ohrensausen (Tinnitus) auf. Bei sehr ausgedehnten Tumoren können auch der Nervus facialis oder der Nervus trigeminus beeintrĂ€chtigt werden. Wegen der engen Lagebeziehung zum Hirnstamm kann dieser komprimiert werden. Daraus erwĂ€chst eine Liquorabflusstörung mit nachfolgendem Anstieg des Hirndrucks.

Diagnostik
Zur Diagnostik und zur Planung der spĂ€teren Behandlung werden Schnittbildverfahren eingesetzt. Die CT (Computertomographie) eignet sich besonders gut zur Beurteilung einer knöchernen Arrosion durch den Tumor in der Felsenbeinspitze. Allerdings kann ein Tumor ĂŒbersehen werden, wenn auf eine Kontrastmittelgabe verzichtet wurde. Die MRT (Magnetresonanztomographie) hat gegenĂŒber der CT Vorteile, besonders was die Erkennung sehr kleiner Tumoren angeht. Allerdings ist auch hier die Kontrastmittelgabe unverzichtbar. Die Dokumentation gelingt in beiden FĂ€llen besonders gut auf coronalen (frontal) Untersuchungsschichten. Unter coronalen Schnittbildern versteht man allgemein die Schichtaufnahmen, die vom Scheitel in Richtung auf die FĂŒĂŸe und parallel zum Gesicht erstellt worden sind.

Alle möglichen Diagnoseverfahren zum Aufdecken eines Hirntumors sind unter der Rubrik Allgemeines hier klicken sehr ausfĂŒhrlich dargestellt.

Therapie
Wegen der sehr langsamen Wachstumstendenz kann eine abwartende und beobachtende Haltung gerechtfertigt sein, sofern keine Symptome bestehen. Ein mögliches Tumorwachstum sollte durch regelmĂ€ĂŸige Kontrolluntersuchungen mittels MRT ausgeschlossen werden.

Bei großen Tumoren und bei Beschwerden muss der Tumor operativ entfernt werden. Bei einem Wachstum in der NĂ€he des Innenohres und des Gehörganges wird die Operation durch den Hals-Nasen-Ohrenarzt durchgefĂŒhrt. Liegt der Tumor eher in der Felsenbeinspitze oder im KleinhirnbrĂŒckenwinkel operiert der Neurochirurg durch die SchĂ€deldecke (transkraniell).

Eine unvermeidliche Nebenwirkung der Operation ist eine BeeintrĂ€chtigung des Hörvermögens bis hin zum Hörverlust. Die diesbezĂŒgliche Prognose hĂ€ngt von der Lage des Tumors ab und verschlechtert sich bei besonders großen Raumforderungen. Bei Tumoren ĂŒber drei Zentimeter GrĂ¶ĂŸe steigt außerdem das Risiko einer BeeintrĂ€chtigung des Nervus facialis.

Bei kleineren Tumoren kann auch eine Strahlentherapie durchgefĂŒhrt werden. Diese erfolgt entweder mit einem Gamma-Knife-GerĂ€t oder durch eine stereotaktische Bestrahlung mittels eines Linearbeschleunigers. Im Falle des Linearbeschleunigers betrĂ€gt die verabreichte Dosis 15-20 Gy. Die Vorteile der Strahlentherapie sind die bei dieser Anwendung geringen Nebenwirkungen.

Prognose
Wegen der langsamen Wachstumstendenz ist die Prognose gut. Bei kleinen symptomlosen Tumoren ist deshalb sogar eine abwartende Haltung möglich. Bei etwas grĂ¶ĂŸeren Tumoren ist Heilung bei rechtzeitiger Behandlung möglich. Bei 90% der Patienten gelingt mindestens eine lokale Kontrolle, d.h. der Tumor wurde vollstĂ€ndig beseitigt oder ein kleiner Tumorrest wĂ€chst nach der Behandlung nicht weiter. Das Hörvermögen kann zu 75% erhalten werden. In 30% ist allerdings mit geringfĂŒgigen BeeintrĂ€chtigungen anderer Hirnnerven, wie z.B. dem Gleichgewichtssinn, zu rechnen.
« Letzte Änderung: 20. August 2002, 11:31:22 von Mike » Gespeichert

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Mike
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« Antworten #2 am: 30. Mai 2007, 14:26:54 »

Akustikusneurinom bei wikipedia.org

Schwannom bei wikipedia.org
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