Medulloblastome(Quelle:
Medicine-Worldwide)
Allgemeines und HÀufigkeitMedulloblastome sind sehr bösartige Tumoren des Kindesalters. Etwa 20% aller Tumorerkrankungen im Kindesalter sind Hirntumoren. Etwa 20% aller kindlichen Hirntumoren sind Medulloblastome. Medulloblastome gehören daher zu den hÀufigsten Tumorerkrankungen im Kindesalter. Sie treten zu 80% vor dem 15. Lebensjahr auf und werden meist im Alter zwischen zwei und neun Jahren entdeckt. Jungen sind hÀufiger betroffen als MÀdchen.
TumorenstehungDas infiltrierend wachsende Medulloblastom ist ein sehr bösartiger Tumor, der aus embryonalen Zellen entsteht.
Krankheitssymptome und KrankheitsverlaufMedulloblastome wachsen in der hinteren SchĂ€delgrube. Sie gehen vom Kleinhirn, vom Kleinhirnwurm oder vom IV. Ventrikel (vierte Hirnkammer) aus. Von dort aus wachsen die Tumoren rasch und zerstörend in das umgebende gesunde Gewebe ein. Es besteht auĂerdem die Tendenz des Tumors, in den Hirnstamm einzuwachsen. AuĂerdem lösen sich vom PrimĂ€rtumor leicht Zellen ab, die ĂŒber den Liquor (Hirnwasser) ausgebreitet werden. Auf diese Weise siedeln sich Metastasen auf den HirnhĂ€uten oder im RĂŒckenmarkskanal ab.
DiagnostikDie MRT (Magnetresonanztomographie) muss der CT (Computertomographie) vorgezogen werden. Durch zahlreiche knöcherne Strukturen im Bereich der hinteren SchĂ€delgrube und des Hirnstamms sind CT-Bilder zu stark durch Artefakte, also fehlerhafte Informationen, ĂŒberlagert. Wegen der Tendenz des Medulloblastoms, in den RĂŒckenmarkskanal zu metastasieren, muss im Rahmen des Stagings der gesamte Spinalkanal zusĂ€tzlich untersucht werden. Die Verabreichung von Kontrastmittel ist unverzichtbar. Alle möglichen Diagnoseverfahren sind in der Rubrik Allgemeines
hier klicken sehr ausfĂŒhrlich dargestellt.
TherapieTrotz seines bösartigen Charakters kann das Medulloblastom heute mit gutem Erfolg behandelt und die HĂ€lfte der Patienten sogar geheilt werden. Voraussetzung dafĂŒr ist aber eine frĂŒhzeitige Diagnose und Therapie.
Eine operative Entfernung des Tumors steht dabei im Vordergrund. Dabei kommen mikro- und laserchirurgische Verfahren zur Anwendung. Auch wenn eine Totalentfernung im individuellen Falle nicht möglich ist, kann dennoch eine Reduzierung der Tumormasse erreicht werden. Dadurch verbessert sich der Erfolg zusĂ€tzlicher Behandlungen. Ferner sollte der eventuell tumorbedingt verlegte Liquorabfluss chirurgisch wiederhergestellt werden. Ventrikeldrainagen zur Minderung des Hirndrucks mit ableitenden Kathetern in den Bauch oder das Herz mĂŒssen unbedingt vermieden werden. Auf diese Weise kann es zur Verschleppung von Tumorzellen und damit zu einer Metastasierung auĂerhalb des ZNS kommen.
Die Medulloblastome sind ausgesprochen strahlenempfindlich. Zuerst werden das gesamte Gehirn sowie der Spinalkanal mit tĂ€glichen Einzeldosen von 1,8 Gy bis zu einer Gesamtdosis von 36 Gy bestrahlt. AnschlieĂend wird die hintere SchĂ€delgrube mit Einzeldosen von 1,8 bis 2,0 Gy bis zu einer Gesamtdosis von 56 Gy, also noch 20 Gy zusĂ€tzlich, weiter bestrahlt. Man bezeichnet diese AufsĂ€ttigung auch als Boost.
PrognoseBei konsequenter Behandlung mit einer Operation und anschlieĂender Strahlentherapie kann eine 10 Jahres-Ăberlebensrate von ca. 60 % erreicht werden. Die LebensqualitĂ€t von Patienten nach einer solche intensiven Behandlung ist gut. Man kann davon ausgehen, dass rund 80% der Patienten im tĂ€glichen Leben mehr oder wenig unbeeintrĂ€chtigt sind. Schwierige Lernaufgaben und GedĂ€chtnisleistungen dagegen zeigen hĂ€ufiger Defizite; Störungen der Feinmotorik dagegen sind relativ selten.
Im Falle eines Rezidivs sollten eine erneute Operation und gegebenenfalls eine Chemotherapie erwogen werden.